Sorge um Phillip Tonn: Der 20-Jährige aus Mattstedt bangt um seine Karriere
Auch das Rennwochenende der Sportbike-WM 2026 in Misano muss Phillip Tonn auslassen. Die Handverletzung des Kove-Piloten ist schlimmer als gedacht, sodass sogar die Karriere auf dem Spiel steht.
Nachdem Phillip Tonn das Sportbike-WM-Event in Most im Mai kurzfristig auslassen musste, war klar, dass auch der nachfolgende Lauf in Aragon nicht klappen würde. Gehofft hatte er damals, beim fünften Saisonrennen in Misano wieder antreten zu können, doch auch daraus wurde nichts.
Im Gespräch mit SPEEDWEEK.com erklärte der 20-Jährige die Schwere seiner Verletzungen an der linken Hand: «Bei einem Trainingssturz bin ich mit der Hand unter dem Lenker über den Asphalt gerutscht. Dabei habe ich mir am Zeige- und Mittelfinger die Gelenkkapseln abgeschabt sowie die Strecksehnen durchgeschliffen. Da konnte ich bis auf die Knochen schauen und war erst mal total unter Schock.»
Die beschädigten Sehnen waren aber nicht nur gerissen, sondern es fehlte etwa ein Zentimeter. Und weil viel Gewebe zerstört war, konnte nicht sofort operiert werden. Als dann vor Most eine Infektion hinzukam, musste die planmäßige, sehr komplizierte Operation vorgezogen werden. Dabei wurden andere Sehnen stückweise längs halbiert und mit dem gewonnenen Material der Lückenschluss hergestellt.
Inzwischen ist der Kove-Pilot auf dem Weg der Besserung, doch ihm steht noch ein langer Weg bevor. «Ich mache nach wie vor viel Physiotherapie und versuche alles, um wieder fahren zu können. Leider ist alles doch schlimmer, als wir gehofft haben. Die Wiederherstellung meiner Finger ist leider sehr beeinträchtigt. Im Moment ist nicht klar wie es weitergeht, aber nach Misano ist eine längere Pause.»
Der nächste Event mit der Sportbike-Klasse steht erst Anfang September in Magny-Cours auf dem Programm. Aktuell ist die Nutzbarkeit der betroffenen Finger immer noch stark eingeschränkt. So kann Tonn die Finger aufgrund der noch zu kurzen Sehnen weder vollständig strecken noch schließen.
Wenn mit 20 Jahren mit deiner Hand irgendwas nicht stimmt, gibt einem das schon zu denken.Phillip Tonn
Wieder Rennen zu fahren, ist das eine, doch hat der Mattstedter auch ohne Motorsport noch viel Lebenszeit vor sich. «Es ist eine doofe Situation, wenn du deine Hand nicht richtig bewegen kannst. Ich weiß auch noch nicht wirklich, inwieweit ich beeinträchtigt bleiben werde. Die Ärztin hat gesagt, dass es sein kann, dass ein Streckdefizit bleibt. Fürs Motorradfahren wird es wohl reichen, aber auch mental war die letzte Zeit sehr schwer für mich. Wenn mit 20 Jahren mit deiner Hand irgendwas nicht stimmt, gibt einem das schon zu denken.»
Hinzu kommt, dass der Thüringer die zweite Horrorsaison nacheinander erlebt. Sein Kove Racing Team 109 steht noch voll hinter ihm, doch für 2027 hat er aktuell kaum Referenzen vorzuweisen, punktelos zumindest keine guten. «Von der Teamseite ist die Unterstützung super, aber über nächstes Jahr habe ich natürlich auch schon viel nachgedacht. Ich kann noch nicht sagen, wie es weitergeht. Klar, ich befinde mich in keiner guten Ausgangslage, aber da muss ich jetzt durch. Wir werden versuchen, alles Mögliche in Gang zu setzen. In Bezug auf Sponsoren ist auch alles ein bisschen am Wackeln.»
Das ist nach berechtigten Zweifeln wegen seines noch bevorstehenden langen Privatlebens und der ungewissen Team-Situation hinsichtlich 2027 der dritte Punkt, weshalb die Fortsetzung seiner Karriere derzeit in Gefahr ist.
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