Technisch am Limit? Warum Yamahas R1 kreative Ingenieurskunst braucht
Die Yamaha R1 erfuhr in den zurückliegenden zehn Jahren nur milde Updates: Bei der Entwicklung der Rennversion für die Superbike-WM ist die Kreativität der Ingenieure gefragt.
Während Platzhirsch Ducati mit einer weiter geschärften Version der Panigale V4 R in die Superbike-WM 2026 startet, bleibt es bei Yamaha erneut ruhig. Seit dem kleinen Modell-Facelift, das am Rande des Rennwochenendes in Cremona 2024 vorgestellt wurde, hat sich an der Serien-R1 praktisch nichts verändert.
Die technische Basis der aktuellen Yamaha R1 reicht bis ins Jahr 2015 zurück. Damals präsentierten die Japaner die RN32, die gegenüber der RN22 deutlich mehr Leistung, ein geringeres Gewicht sowie eine modernere Elektronik bot. Mit der RN49 (2017) und der RN65 (2020) folgten zwar behutsame Modellpflegen, die Motor und Chassis in Details verbesserten – an der grundlegenden Konstruktion des Motorrads änderte sich jedoch wenig.
Unübersehbar ist daher, dass die DNA der heutigen R1 inzwischen mehr als zehn Jahre alt ist. Für Yamahas Werksteam in der seriennahen Superbike-WM stellt das einen klaren Nachteil dar, denn das Reglement schreibt vor, dass zentrale Komponenten aus dem Serienmodell übernommen werden müssen.
Paul Denning lobt «wirklich bemerkenswerte» Arbeit seiner Ingenieure
Yamaha-Teammanager Paul Denning lobt im Exklusiv-Interview mit SPEEDWEEK.com die Arbeit seiner Ingenieure, die es schaffen, die R1 weiterhin konkurrenzfähig zu halten: «Ehrlich gesagt ist es extrem beeindruckend, dass das Motorrad im Grunde mehr oder weniger dasselbe geblieben ist, aber das konstante kreative Denken und die Energie in der Weiterentwicklung – von Riccardo Tisci, dem Projektleiter auf der technischen Seite, und seinem Team – wirklich bemerkenswert sind.»
«Es ist eine absolute Never-Give-Up-Mentalität, immer auf der Suche nach Verbesserungen. Und die Punkte, an denen wir arbeiten, unterscheiden sich nicht von denen jedes anderen Motorrads in der Boxengasse: besseres Einlenkverhalten, mehr Grip am Hinterrad. Mehr Hinterradgrip bedeutet bessere Beschleunigung, ein stabileres Motorrad und weniger Vibrationen. Genau diese Themen treiben alle Teams permanent um», erklärte Denning im Rahmen des Portimao-Tests.
Extrem zugänglich: Fahrer schwärmen vom Yamaha-Handling
Eine der größten Stärken der Yamaha R1 bleibt das gute Handling. Das bestätigte sich auch bei den ersten Testrunden von Neuzugang Xavi Vierge, der nach einigen schwierigen Jahren bei Honda nun eine neue Chance erhält, sein Können in der Superbike-WM unter Beweis zu stellen.
«Der positive Punkt bei uns ist, dass das Fahrerfeedback mit dem Motorrad – egal ob von unserem Team oder vom GRT-Team – sofort positiv ist», so Denning. «Xavi hat das sehr treffend formuliert: Er hat das Gefühl, mit dieser Maschine sein eigenes Limit weiter nach oben verschieben zu können.»
«Wie Toprak vier Jahre lang eindrucksvoll auf der R1 gezeigt hat, ist es ein Bike, mit dem man – wenn der Fahrer Vertrauen hat – das Maximum aus dem eigenen Potenzial herausholen kann. Unser Ziel ist es, den Fahrern ein Paket zu geben, auf dem sie sich sicher fühlen und sich voll darauf konzentrieren können, 100 Prozent ihrer eigenen Fähigkeiten abzurufen», beschreibt Denning den Charakter der Yamaha R1.
Schwacher Yamaha-Motor: Das Reglement setzt klare Grenzen
Zwar gilt das technische Paket der Yamaha seit einigen Jahren als weitgehend ausgereizt, doch dem Team um Paul Denning und Projektleiter Riccardo Tisci gelingt es weiterhin, Schritt für Schritt Fortschritte zu erzielen. «Jedes Jahr werden die Renn- und Qualifying-Zeiten schneller. Die Entwicklung ist also konstant», betont Denning.
Klar ist allerdings auch, in welchem Bereich Yamaha weiterhin Rückstand hat: Auf den Geraden sind die R1-Piloten oft leichte Beute für die Konkurrenz. «Es ist kein Geheimnis, dass es am schwierigsten ist, bei der Motorleistung große Entwicklungsschritte zu machen, weil sie durch das Reglement extrem eingeschränkt wird», erklärt Denning. «Und wenn ein Motorpaket zudem etwas älter ist und nicht als OEM-Motorrad weiterentwickelt wurde, wird es noch komplizierter.»
Aufgeben ist dennoch keine Option: «Selbst dort geben die Jungs nicht auf. Wir sehen, dass der Abstand zumindest ein wenig kleiner wird – sowohl bei der Beschleunigung als auch bei der Endgeschwindigkeit», erkennt Denning positive Anzeichen bei der Motor-Performance.
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