Yamaha setzt auf Jack Millers Wissen: «Ein Michelin bleibt ein Michelin»
Nach einer enttäuschenden Superbike-Saison setzt Yamaha Hoffnungen in den Reifenwechsel. Niccolo Canepa erklärt, warum Jack Millers Michelin-Erfahrung trotz unterschiedlicher Reifen helfen soll.
Die Superbike-WM 2026 war für Yamaha eine massive Enttäuschung. Im letzten Jahr mit Pirelli-Einheitsreifen blieb die R1 weit hinter den Erwartungen zurück. Der Wechsel zu Michelin und die Ankunft von Jack Miller eröffnen für 2027 neue Möglichkeiten. Yamaha-Rennsport-Manager Niccolo Canepa sieht insbesondere in der Reifenerfahrung des Australiers eine wertvolle Unterstützung.
Wie schwierig die abgeschlossene Saison verlief, zeigt die
Teamkollege Xavi Vierge beendete die Saison auf WM-Platz 13, Remy Gardner wurde 16. und Stefano Manzi 18. Auch die Herstellerwertung fiel ernüchternd aus: Yamaha belegte lediglich Position 4, knapp vor Kawasaki, das mit nur einem Fahrer vertreten war.
Welche Hoffnungen Yamaha für 2027 hat
Vor diesem Hintergrund erhält die technische Umstellung für 2027 besondere Bedeutung. Sämtliche Hersteller müssen ihre Motorräder auf Michelin abstimmen. Yamaha bekommt mit Miller einen Fahrer, der über langjährige Erfahrungen mit dem französischen Reifenhersteller aus der MotoGP verfügt. Die neuen Superbike-Reifen kennt der Australier allerdings noch nicht.
Canepa sieht trotz der technischen Unterschiede einen Nutzen in Millers Erfahrung: «Ein Reifen, der für die MotoGP entwickelt wird, ist anders. Er kann nicht in der Superbike-WM verwendet werden», stellte der Italiener im Gespräch mit SPEEDWEEK.com klar. «Aus meiner eigenen Fahrerkarriere und den vielen Reifentests auf unterschiedlichen Motorrädern weiß ich aber, dass jede Reifenmarke ein bestimmtes Gefühl vermittelt. Auch wenn Konstruktion, Karkasse und Mischung unterschiedlich sind, bleibt das grundsätzliche Verhalten ähnlich.»Für Canepa entscheidet jedoch nicht allein die konkrete Bauweise darüber, ob ein Fahrer seine bisherigen Erfahrungen nutzen kann.
«Was ich über die vielen Jahre beim Testen von Reifen verschiedener Hersteller auf unterschiedlichen Motorrädern verstanden habe: Letztlich vermittelt eine Reifenmarke ein bestimmtes Gefühl. Auch wenn sich die Konstruktion, die Karkasse und die Mischung unterscheiden können, bleibt das Verhalten am Ende ähnlich», erklärte der Yamaha-Manager.
Miller bringt somit keine fertige Abstimmungslösung für die R1 mit. Seine Erfahrung könnte ihm aber helfen, die Charakteristik der neuen Reifen schneller einzuordnen und der Mannschaft bei der Entwicklungsarbeit präzise Rückmeldungen zu geben.
Reifen-DNA bleibt klassenübergreifend gleich
«Ein Michelin wird für einen Fahrer immer als Michelin erkennbar sein – egal, ob er ein MotoGP-Motorrad mit einem entsprechenden Prototypenreifen fährt oder ein Superbike mit seriennahen Rennreifen. Ein Pirelli bleibt immer ein Pirelli. Dasselbe gilt für Bridgestone, womit ich selbst direkte Erfahrungen habe», erläuterte Canepa, der viele Jahre für Yamaha in der Langstrecken-WM fuhr.
Der Reifenwechsel allein garantiert Yamaha noch keinen Aufschwung. Auch die Konkurrenz wird ihre Motorräder weiterentwickeln und versuchen, die Michelin-Reifen bestmöglich zu nutzen. Nach einer Saison ohne Podestplatz braucht Yamaha jedoch einen deutlichen Fortschritt, um wieder Anschluss an die Spitze zu finden.
Miller kennt die R1 bereits aus seinen Einsätzen beim 8-Stunden-Rennen in Suzuka und vom privaten Training. Ab 2027 soll er dieses Wissen mit seiner Michelin-Erfahrung verbinden.
«Deshalb glaube ich, dass es eine große Hilfe sein wird, ihn bei uns zu haben. Auch wenn sich die Reifen von denen aus der MotoGP unterscheiden, wird ihr Charakter sehr ähnlich sein», betonte Canepa.
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