Australien-GP 2025: Raul Fernandez im MotoGP-Paradies, Miller am Boden
Mit dem Australien-GP im vergangenen Jahr war endgültig klar, dass Aprilia den Sprung an die MotoGP-Spitze gemeistert hat. Während Fernandez und Bezzecchi jubelten, fluchte Lokalheld Jack Miller.
Bereits beim Großen Preis von Indonesien hatte Aprilia den immensen Entwicklungsschritt der RS-GP demonstriert. Doch nach einem überragenden Sieg im Sprint kegelte Favorit Bezzecchi den frisch gebackenen 2025er-Weltmeister Marc Marquez und sich selbst aus dem Wettbewerb.
Tage später auf dem ebenfalls flüssigen, aber noch schnelleren Traumkurs auf Phillip Island zeigte sich die Stärke des Projekts aus Noale noch eindrucksvoller. Mit dem wichtigen Zeittraining am Freitag, das über den direkten Q2-Einzug entscheidet, lagen mit Marco Bezzecchi und Raul Fernandez gleich zwei Aprilia-Athleten in Führung. Nicht zu vergessen: Während die Piloten in Australien um die Wette fuhren, befand sich Marc Marquez in der spanischen Heimat unter medizinischer Dauerbeobachtung.
Gut unterwegs von Beginn an war vor einem Jahr erneut KTM-Frontmann Pedro Acosta. Auf der Red Bull-RC16 ging es zwar im Zeittraining nur knapp ins Q2, dafür am Sonntag nachdrücklich bis auf Startplatz 5. Die Rolle des besten Ducati-Piloten sollte Fabio Di Giannantonio in Neongelb für VR46 Racing übernehmen, und das trotz bescheidenen zehnten Startplatzes.
Passend zum Heim-GP lieferte Jack Miller Drama in alle Richtungen. Los ging es mit Frust im Zeittraining. Ausgerechnet der Aussie schrammte am schärfsten am Q2 vorbei. Dass mit Miller zu rechnen ist, zeigt sich dann aber am Samstag. Nachträglich gelang der Sprung unter die besten 12.
Keine halbe Stunde später waren die Fans komplett aus dem Häuschen, denn «Thriller Miller» hatte die Pramac-Yamaha als Dritter in Reihe 1 gestellt. Besser noch für den Hersteller aus Japan: Fabio Quartararo hatte mit einer klassischen Chaosrunde die Pole-Position erobert. Dazwischen Marco Bezzecchi. Raul Fernandez lag dazu in Lauerstellung auf Rang 4 vor Acosta und Alex Marquez. Sensationell aus Sicht von KTM – Ersatzpilot Pol Espargaro ging die Phillip-Island-Rennen von Startposition 8 an.
Der Sprint am anderen Ende der Welt gab einen Vorgeschmack auf den Sonntag – und den Rest der MotoGP-Saison 2025. Zwei Aprilia lagen von Runde 1 bis zur Zielflagge in Führung. Zunächst machte Fernandez die Führungsarbeit, doch Marco Bezzecchi hatte konstant mehr zu bieten. In Runde 9 übernahm «Bez» und zog noch über drei Sekunden davon. Bitte für Ducati: Pedro Acosta holte sich in Orange mit einem starken Finale den letzten Podestplatz, Bologna ging leer aus. Die Fans hatten alles auf Jack Miller gesetzt. Der Veteran enttäuschte nicht, als Vierter würde der Pramac-Pilot als eigentlicher Held des Tages gefeiert. Pole-Mann Quartararo war dagegen nicht über P7 hinausgekommen.
Die 27-Runden-Hauptattraktion stand unter besonderen Vorzeichen. Denn nun galt es für Bezzecchi, jene Strafe in Form einer doppelten Long-Lap für den «Marquez-Kick» auf Lombok zu bezahlen. Der Aprilia-Werksfahrer löste die Aufgabe mit Bravour, ging sofort an die Spitze. Nach der ersten Strafschleife kehrte der Italiener als Dritter hinter Fernandez und Acosta zurück auf die Ideallinie. Bereits in Runde 6 bog die Nummer 72 wieder ab und kam als Sechster zurück.
Die weiteren Runden reichten, um sich wieder an Alex Marquez, Fabio Quartararo und Pedro Acosta vorbei und bis auf Platz 3 zu manövrieren. Im Ziel hatte Bezzecchi eine Sekunde Rückstand auf VR46-Pilot Di Giannantonio, der für Ducati ein erfolgreiches Speed-Comeback gegeben hatte.
Der erfolgreichste Pilot des Australien-GP 2025 hieß jedoch Raul Fernandez. Nach Platz 2 am Samstag ließ sich der Trackhouse die große Chance zum ersten GP-Sieg in der Königsklasse nicht nehmen. Nach einer fehlerfreien Vorstellung kannte der Jubel im Team der Amerikaner keine Grenzen.
Etliche Fans hingegen trotteten dagegen mit hängenden Köpfen davon. Jack Miller war noch in der Frühphase des Rennens gestürzt. Dabei hätte es der perfekte Australien-GP werden können: Nur eine Stunde zuvor hatte Youngster Senna Agius das Moto2-Rennen überlegen gewonnen.
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