«Darfst du nicht!»: Fehler in der Super GT ein No-Go

Von Andreas Reiners
DTM
Tsugio Matsuda in Hockenheim

Tsugio Matsuda in Hockenheim

Wenn die DTM am Wochenende in Japan zu Gast ist, trifft sie auf Mentalitätsunterschiede. Kurios: Abflüge oder Crashs sind in der Super GT ein absolutes No-Go.

Jenson Button musste es auch erst lernen, musste sich daran gewöhnen. Klar: Wenn man als professioneller Rennfahrer abfliegt, ist das nicht schön. Doch das passiert halt schon mal. Abhaken, weitermachen ist dann die Devise.

Doch in Japan ist es ein wenig anders, ein bisschen extremer, denn dort ist es ein echtes No-Go. «Wenn du im Gras landest, schaut jeder hin und zeigt auf dich. Für jemanden aus der Super GT ist es sehr unüblich, in der Mauer zu landen», verriet der frühere Formel-1-Weltmeister beim DTM-Saisonfinale in Hockenheim, als Honda, Lexus und Nissan mit je einem Auto zu Gast waren.

Am kommenden Wochenende (22. bis 24. November) steigt die erste gemeinsame Veranstaltung von DTM und Super GT in Fuji. Dann heißt es wieder: Vorsicht vor Fehlern.

Michael Krumm kennt diesen Mentalitätsunterschied ebenfalls, da der 49-Jährige den japanischen Motorsport mit seinen ganzen Besonderheiten seit über 25 Jahren aus nächster Nähe erlebt. Er war 1994 nach Japan ausgezogen, um dort im Grunde alles zu fahren, was man fahren kann, von der Formel 3 über die Formel Nippon bis hin zur Super GT.

Krumm, der fließend japanisch spricht und in Tokio lebt, war in seiner Funktion als Berater von Nissan in Hockenheim. Ist es in Japan tatsächlich so extrem, wie Button es beschreibt? «Ja, das darfst du nicht! Das ist peinlich, man crasht nicht, du darfst nicht abfliegen. Da sind die ganz hart», sagte Krumm auf Nachfrage von SPEEDWEEK.com.

Es geht sogar noch härter, denn: «Auch wenn man abgeschossen wird und es ganz klar nicht dein Fehler ist, wirst du beschuldigt. Das ist für einen Fahrer nicht ganz einfach.»

Den Ärger macht dann das Team. Gerecht ist das bisweilen nicht. «Wer sagt, dass Rennfahren gerecht ist?», sagte Krumm mit einem Augenzwinkern: «In Japan heißt es: Die Fahrer verdienen genug Geld, die dürfen keine Fehler machen.»

Nick Cassidy im Lexus LC500 und Tsugio Matsuda im Nissan GT-R crashten beim Finale in Hockenheim im Training im Regen in der Sachs-Kurve, Cassidy dann auch noch im Rennen am Sonntag.

Krumm weiß: «Das wird negativ vermerkt.» Er weiß aber auch: «Sie sind super in Ausreden. Er konnte natürlich nichts machen, die Bremsen haben blockiert.»

Beim DTM-Finale durfte der für einige der Super-GT-Fahrer unbekannte Hockenheimring noch als Ausrede gelten, beim «Dream Race» von Super GT und DTM haben die Japaner ein Heimspiel. Dann ist die Zeit der Ausreden vorbei.

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