Zanardi perplex: «Rückstand zu groß, um wahr zu sein»

Von Andreas Reiners
DTM
Alex Zanardi

Alex Zanardi

Alex Zanardi absolviert in Fuji beim Dream Race erneut einen BMW-Gaststart. Sportlich ist er bislang tief enttäuscht, menschlich dafür tief berührt.

Es ist oft faszinierend, Alex Zanardi zuzuhören. Wenn er Gefühle in Worte fasst, Emotionen verbal ausdrückt, dabei die Augen leuchten, und er sich auch mit 53 Jahren noch freut wie ein kleines Kind. In Fuji hatte er am Freitag im Rahmen des Dream Race von DTM und Super GT so ein Erlebnis, das seine Augen zum Leuchten brachte.

Das ihm zeigte, dass er Menschen wichtig ist. Nicht nur als Rennfahrer, durch seine Performance. Sondern ganz generell als Mensch, natürlich vor allem bedingt durch seine Lebensgeschichte mit dem Verlust beider Beine und seinen Willen, seine Leidenschaft.

Ein Fan hatte in einer langen Reihe von Menschen darauf gewartet, ihn zu treffen. «Er war so begeistert, endlich seinen Helden zu treffen. Ich bin eigentlich ein Niemand, ich bin ein normaler Kerl, der das Privileg hatte, fantastische Dinge zu machen. Ich repräsentiere für viele Menschen aber etwas, das deutlich darüber hinausgeht. Ich habe nie gedacht, dass ich für Menschen auf verschiedene Arten so wichtig sein könnte», sagte Zanardi: «Das hat mein Herz berührt.»

Denn in dem Moment hat er das Empfinden des einen Fans bei allen anderen Leuten in der Schlange realisiert. «Das hat mich so berührt, das werde ich immer in meinem Herzen behalten. Die sprachlichen Barrieren sind in sich zusammengebrochen. Es war so, als könnte ich mit ihnen reden, Emotionen mit ihnen austauschen. Vielleicht wird man mit dem Alter auch einfach emotionaler», sagte er. Er weiß schon jetzt, egal, wie es sportlich ausgeht an diesem Wochenende: «Ich bin für viele Leute hier wichtig, und die will ich stolz machen.»

Das Problem: Er liefert bislang nicht viele Gründe, seine Fans stolz zu machen. Denn der Italiener fährt bei dem gemeinsamen Event von DTM und Super GT in seinem BMW M4 DTM der Musik deutlich hinterher. Sehr deutlich. Er belegte bei den inoffiziellen Trainings am Donnerstag und auch am Freitag bei den offiziellen Sessions die hinteren Plätze, im zweiten freien Training zum Beispiel am Nachmittag hatte er fast zehn Sekunden Rückstand auf die Spitze.

Ja, bei schwierigen Bedingungen im strömenden Regen. Und ja, er fährt nach seinem Gaststart 2018 in Misano diesmal die rund 100 PS stärken Vierzylinder-Turboautos der neuen DTM-Generation. Doch für Zanardi sind das nicht ansatzweise Erklärungen.

«Der Rückstand von mir zu den anderen ist zu groß, um wahr zu sein. Ich bin nicht plötzlich zehn Sekunden langsamer. Ich bin durch meine vielen Abenteuer während meiner Rennkarriere in einer Position, in der ich nicht akzeptieren kann, auf diesem Level das Wochenende weiterzumachen. Deswegen werde ich natürlich nicht aufhören, aber ich werde kämpfen, dass es besser wird. Damit ich näher dorthin komme, wo ich hingehöre», sagte er. In Misano 2018 war er tatsächlich am Feld dran, konnte mithalten.

Aktuell ist er ratlos, woran es genau liegt. «Wenn ich es wüsste, würde ich es abstellen. Es ist eine Kombination von Problemen. Am Freitag war es die Frage, so viel Vertrauen zu finden, um Temperatur in die Reifen zu bekommen. Normalerweise macht es dann ‚Klick‘ und alles kommt und passt zusammen», sagte er.

Doch es sei schwierig da draußen. Es sind diese tückischen Bedingungen, bei denen sich noch mehr bemerkbar macht, wenn man nur Gaststarter ist.

«In Misano habe ich das Auto sehr nah ans Limit pushen können. Hier ist es ein komplett anderes Szenario. Ich muss verstehen, was es braucht, damit die Dinge zusammenlaufen. Ich bin nicht hier, um zu gewinnen. Aber ich bin natürlich nicht zufrieden damit.»


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