Robert Kubica: Verblüffende Worte vom Stallgefährten

Von Rob La Salle
​In der Formel 1 gilt es als eisernes Gesetz: Der erste Gegner ist stets der Stallgefährte. Der 20jährige Williams-Fahrer George Russell sieht das offenbar anders, wenn er über Robert Kubica spricht.

Williams tritt im März 2019 mit der ungewöhnlichsten Fahrerpaarung an: Der Engländer George Russell hat noch keinen WM-Lauf bestritten, der Pole Robert Kubica wird seinen ersten Grand Prix seit Abu Dhabi 2010 fahren! Normalerweise gilt in der Formel 1 das eiserne Gesetz – der grösste Gegner ist jeweils der Teamkollege. Aber der 20jährige Russell sieht das offenbar etwas anders.

Der Brite sagte im Rahmen des WM-Finales von Abu Dhabi gegenüber den Kollegen von Sky Sports: «Mein grösstes Ziel besteht darin, Williams vom Ende des Startfeldes wegzuführen und mitzuhelfen, dass Williams wieder dorthin kommt, wo sie hingehören. Weder Robert Kubica noch ich haben ein Interesse daran, uns um 19. oder 20. Ränge zu beharken. Wir wollen dieses Team vorwärtsbringen.»

Russell bereitet sich derzeit auf die kommende Saison vor, «indem ich sehr viel Zeit beim Rennstall verbringe. Das ist eine gewaltige Umstellung. In der Formel 2 habe ich mit 30 Leuten gearbeitet, bei Williams sind es 750. Es ist eine Herkules-Arbeit, die ganzen Abteilungen und ihre Fachkräfte kennenzulernen. Ich muss in dieses Team zuerst hineinwachsen.»

Am Talent des schlanken Engländers zweifelt niemand. George Russell hat wiederholt, was ein Jahr zuvor der heutige Ferrari-Werksfahrer Charles Leclerc vorgemacht hatte: GP3-Titel im einen Jahr, Formel-2-Meister im darauf folgenden. Russell ist Mercedes-Junior, fährt für das dritterfolgreichste Formel-1-Team (nach Ferrari und McLaren), die Welt steht ihm offen. Vor zwei Jahren sah das noch ganz anders aus.

«Ich wollte meinen Formel-1-Traum schon begraben, denn ich hatte keinerlei Beziehungen zu GP-Teams. Ich dachte daran, ob ich nicht vielleicht in die DTM wechseln sollte. Ich bekam einen Anruf und wurde zum Simulator-Einsatz nach Brackley beordert. Im Mercedes-Werk sass ich zwei Tage lang im Simulator und musste einige anderen Aufgaben bewältigen, von da an ging alles ganz schnell. Zum Saisonende wurde mir gesagt, dass ich ins Nachwuchsprogramm aufgenommen werde, und Mercedes stellte die Weichen zur GP3-Saison mit ART.»

«In diesem Sport muss das Timing stimmen, aber das kannst du nicht beeinflussen. Du musst stetig die richtige Leistung zeigen. Manchmal hast du das Gefühl, dass es nicht vorwärts geht, aber du kannst nichts anderes machen als weiterhin gute Ergebnisse zu liefern, deine Teamkollegen zu schlagen und Rennen zu gewinnen.»

Das tat der Mercedes-Junior denn auch, in der GP3 holte er sich mit vier Siegen, drei Pole-Positions und zwei zweiten Plätzen bereits zwei Meisterschaftsläufe vor dem Saisonende den Titel. In der Formel 2 liess er 2018 sieben Siege folgen und elf Podestplatzierungen.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff: «Wir versuchen, den nächsten Lewis Hamilton zu finden, der in fünf, sechs oder sieben Jahren den Platz von Lewis einnehmen kann, wenn sich dieser dazu entscheiden sollte, der Formel 1 den Rücken zu wenden. Wir gehen das Ganze komplett unvoreingenommen an und schauen uns selbst in der Kart-Szene um.»

«Die Messlatte wird hoch gelegt. Wer sich für einen Silberpfeil qualifizieren will, muss schnell sein, darf keine Fehler machen und muss gut mit seiner Mannschaft zusammenarbeiten. Er muss respektiert werden und sein Team antreiben. Alle diese Faktoren werden von uns gemessen und analysiert.»

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