Marc Surer: Mercedes hat den Mexiko-GP nicht getürkt

Von Rob La Salle
​Der Basler Marc Surer – Formel-1-Experte der deutschen Sky – spricht aktuelle GP-Themen an: Den Ausgang des Mexiko-GP, die Aussichten für Brasilien, den Streit um Motoren.
Marc, obwohl die Formel-1-WM bei Marken und Fahrern entschieden war, ging beim Grossen Preis von Mexiko noch einmal die Post ab. Hat dich das überrascht?

Nein, denn ein Formel-1-Pilot ist grundsätzlich Rennfahrer, um Rennen zu gewinnen. Die WM-Wertung ist natürlich ein wichtiger Teil des Ganzen, aber der Antrieb ist bei jedem Grand Prix gleich: Man will gewinnen oder zumindest bestmöglich abschneiden.

In Brasilien erwartest du also ein ähnlich umkämpftes Rennen?

Genau! Jeder will sich in den Rennen zum Saisonende mit einem Erfolgserlebnis in die Winterpause verabschieden, sonst nagen die schlechten Resultate während der vielen kalten Monate an einem.

In den sozialen Netzwerken gab es Verschwörungstheorien, dass Mercedes Hamilton als Weltmeister bevorzugte. Erst als Hamilton wieder Weltmeister war, läuft bei Rosberg alles wie am Schnürchen. Auch das hat natürlich Spekulationen erzeugt. Ist das alles wirklich nur Zufall?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Team wie Mercedes absichtlich einen Fahrer benachteiligt. Das Resultat in Mexiko ist in meinen Augen also reiner Zufall. Bei Ferrari ist es ja ähnlich, wo Kimi Räikkönen oft mit Problemen zu kämpfen hat. Man könnte höchstens darüber diskutieren, ob die Mechaniker in einem GP-Rennstall beim ersten Auto genauso gut arbeiten wie am zweiten Wagen, aber absichtlich macht bei Mercedes sicher keiner etwas falsch, denn das kostet das Team schliesslich Geld und spielt der Konkurrenz in die Hände.

Dennoch wird der Schatten von Hamilton durch seinen insgesamt dritten WM-Titel nicht kleiner. Sollte Rosberg sich vielleicht doch ein neues Team suchen, um nicht zur ewigen Nummer 2 zu werden?

Wo soll er denn hingehen, um wieder ein siegfähiges Auto zu haben und gleichzeitig einen Teamkollegen, den er schlagen kann? Grundsätzlich beweist Nico doch, dass er Hamilton bezwingen kann. Der Unterschied ist, dass bei Nico alles perfekt laufen muss, während Lewis auch Rennen gewinnt, wenn es kleinere Probleme gibt. Dennoch sollte Rosberg bei Mercedes bleiben und den Kampf annehmen.

Wen siehst du in Brasilien vorne? Hamilton konnte hier noch nie gewinnen, Ferrari will nach einem schlechten Rennen zuletzt zurückschlagen und Rosberg kommt mit Rückenwind und hat letztes Jahr in São Paulo gewonnen.

Lewis will das Rennen sicher unbedingt gewinnen, weil ihm dieser Grand-Prix-Sieg noch in seiner Sammlung fehlt. Aber auch Rosberg traue ich einiges zu, und ich freue mich auf einen spannenden Zweikampf. Ferrari dürfte sich in Brasilien stark zurückmelden, denn wir haben hier eine Strecke mit einer langen Gerade, die auch noch bergauf geht. Power ist gefragt und somit scheidet Red Bull Racing beispielsweise aus.

Ein grosses Thema in der Formel 1 ist derzeit auch der Motorenstreit. Bernie Ecclestone und Jean Todt wollen ab 2017 einen Billig-Motor einführen, um finanzschwächeren Teams zu helfen. Was hältst du davon?

Das hätte auf jeden Fall eine Zweiklassengesellschaft zur Folge, was die Motortechnik betrifft und würde für grosses Chaos sorgen. Es kann nicht sein, dass ein Teil des Feldes mit dem teuren Hybrid-Motor fährt und der Rest mit dem günstigeren Alternativmotor. Ein weiteres Problem ist auch, dass nicht nur so genannt kleine Teams diesen Motor wollen. Auch Red Bull setzt sich dafür ein und will damit die WM gewinnen. Und die würden dann logischerweise Geld in die Weiterentwicklung stecken, was wiederum den Preis nach oben treiben würde. Für mich ist das Ganze eher ein Druckmittel des FIA-Präsidenten Jean Todt, damit die Motorenhersteller endlich Aggregate zu einem vernünftigen Preis anbieten.

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