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Sebastian Vettel (Ferrari): Neuer Motor, altes Leiden

​Ferrari will beim kommenden Grossen Preis von Kanada (12. Juni) erneut mit einem verbesserten Motor aufkreuzen. Aber wird das reichen, um Mercedes und ein erstarktes Red Bull Racing hinter sich zu lassen?

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Langsam wird es für Ferrari eng. Teamchef Maurizio Arrivabene beteuert zwar Rennen um Rennen, der WM-Zug sei noch nicht abgedampft, aber Fakt ist auch – Grand Prix um Grand Prix verstreicht, ohne dass der berühmteste Rennstall der Welt gewinnt. Zur Erinnerung: Der letzte Sieg der Roten geht auf September 2015 zurück, als Sebastian Vettel in Singapur triumphierte.

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Teamchef Arrivabene hat in Monaco angekündigt, dass Ferrari bald zulegen werden, auch beim Motor. Aber die Möglichkeiten der Italiener scheinen beschränkt: Noch hat Ferrari sechs der so genannten Entwicklungswertmarken (token) zur Verfügung. Mercedes hingegen hat noch elf, Honda 14, Renault gar 21. Arrivabene in Monte Carlo. "Wir stehen mit der FIA in Verhandlungen, ob und wie viele der Token eingesetzt werden."

Denn nicht alle Entwicklungen am Motor verbrauchen gleich viele Wertmarken. Das System ist 2017 dann endlich abgeschafft – die Motorhersteller dürfen wieder frei entwickeln.

Was Arrivabene damit anstrebt ist klar: "Die anderen können im Abschlusstraining die Leistung mehr hochschrauben als wir. Da müssen wir zulegen."

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Ferrari steht mit dem Rücken zur Wand. Die Vorgabe von Ferrari-Präsident Sergio Marchionne – von Beginn der WM an Rennen zu gewinnen – ist bereits verpasst. Die Wagen waren nicht schnell genug, dazu gab es Probleme mit der Standfestigkeit.

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Inzwischen laufen die Wagen standfest, aber das Chassis macht Sorgen: Der Ferrari von Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen wirkt auf geringste Änderungen von Umgebungs-, Pisten- und Reifentemperaturen anfälliger als andere Autos.

Maurizio Arrivabene: "Wir müssen ergründen, wieso Sebastian Vettel in Monaco im ersten Quali-Teil Bestzeit fahren kann, wir diese Leistung aber im weiteren Verlauf des Abschlusstrainings nicht wiederholen können."

Der Ferrari kippt dann ganz schnell aus dem optimalen Betriebsfenster der Reifen, Vettel und Räikkönen sind machtlos. Arrivabene: "Wenn wir weiter vorne starten könnten, würden die Rennen anders verlaufen."

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Aber wie sagt Sebastian Vettel immer so schön: "Für hätte, wenn und aber kannst du dir im Rennsport nichts kaufen."

Ganz offenbar haben die beiden Testtage im Anschluss an den Grossen Preis von Spanien nicht gereicht, um dem Problem auf den Grund zu gehen. Technikchef James Allison, Mattia Binotto als Chef der Motorabteilung und Chefdesigner Simone Resta stehen unter Druck.

Sebastian Vettel hat das Wort aufgeben an sich aus seinem Wortschatz gestrichen. Der Heppenheimer betont auch immer wieder, wie gut der Wagen sei, man müsse es nur besser schaffen, das Potenzial des Renners auszuschöpfen. Aber es gab in dieser Saison auch Momente, da konnte nicht einmal der vorbildliche Teamplayer Vettel eine Ernüchterung, ja schon erste Anzeichen von Resignation verbergen.

"Ihr werdet in Kanada ein ganz anderes Ferrari erleben", hat Teamchef Maurizio Arrivabene in Monaco trotzig angekündigt. Das ist auch dringend notwendig: Sebastian Vettel hat (wegen der Kollision der Silberpfeile und wegen Rosbergs Reifen- und Bremsprobleme in Monaco) zwar Boden auf WM-Leder Nico Rosberg gutgemacht, liegt aber immer noch als Fünfter mit 60:106 hinten. In der Markenwertung ist Ferrari auf Rang 2, mit 121:188 gegen Mercedes klar distanziert, dafür aber nur knapp vor dem erstarkten Red Bull Racing (112 Punkte). Um Mercedes ernsthaft zu gefährden, müssen nun endlich Siege her.

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Die Aufgabe von Ferrari wird nicht leichter: Nicht nur, dass der Klassenbeste Mercedes-Benz geschlagen werden muss, Red Bull Racing hat in Spanien mit Max Verstappen gewonnen und in Monaco den Sieg nur wegen eines Reifenpatzers verspielt. Ferrari hat einen neuen starken Gegner.

Zum Vergleich: Nach dem Monaco-GP 2015 lagen die Ferrari-Fahrer auf den WM-Rängen 3 (Vettel) und 4 (Räikkönen). Und sie hatten insgesamt 158 Punkte gesammelt – 37 mehr als in dieser Saison. Nun liegen der Deutsche und der Finne auf den Zwischenrängen 4 und 5.

Fernando Alonso hat vor kurzem festgehalten, Ferrari stehe dort, wo man eben immer stehe, letztlich sei kein Fortschritt erzielt worden. Natürlich spielt da auch eine Portion Bitterkeit über die von 2010 bis 2014 entgangenen Titel mit. Aber so mancher Tifoso fragt sich bange, ob Alonso mit seiner Einschätzung nicht doch Recht haben könnte.

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