James Toseland: Honda wird 2019 zum «Schnellkochtopf»

Von Petra Wiesmayer
MotoGP
Marc Márquez und Jorge Lorenzo

Marc Márquez und Jorge Lorenzo

Der ehemalige Superbike-Champion James Toseland sieht mögliche Probleme auf Repsol Honda zukommen, wenn Starfahrer Marc Márquez‛ schärfster Konkurrent Jorge Lorenzo in der nächsten Saison ins Team kommt.

Seit Anfang Juni 2018 steht fest: Jorge Lorenzo wechselt 2019 von Ducati zu Honda und bildet gemeinsam mit Marc Márquez das «Traumpaar» der MotoGP-WM – das sich sehr schnell zu einem Alptraum entwickeln kann, wenn man bei Honda nicht alles richtig macht, glaubt Ex-Rennfahrer James Toseland.

«Ducati und Lorenzo sind enttäuscht, dass die Beziehung in die Brüche gegangen ist. Sie hatten eine tolle Saison», sagte er gegenüber dem britischen Express und erklärte, bei Ducati würde man den Verlust des Spaniers sicher bedauern, nachdem er sich endlich mit dem italienischen Bike angefreundet zu haben scheint. «Aber wenn Honda zwei der besten Fahrer der letzten sechs Jahre im selben Team und auf dem gleichen Motorrad hat, werden die Funken sprühen.»

«Honda muss vorsichtig sein - sie müssen sich wirklich um Marquez kümmern», warnte Toseland, der 2004 die Superbike-WM auf einer Ducati gewonnen hat und 2007 die Superbike-WM auf einer Ten Kate Honda. «Wenn sie sich nicht wirklich um ihn kümmern, braucht es nicht viel, dass Márquez sich ... wenn du weißt, was ich meine.»

«Wenn sich die Atmosphäre im Honda-Camp durch Lorenzos Ankunft dramatisch ändert, könnte es zu einem kleinen Schnellkochtopf werden», beschrieb er die Möglichkeit einer sehr explosiven Situation zwischen den beiden Spaniern in einem Team.

«Márquez wird in diesem Jahr zum fünften Mal Weltmeister. Ich kann mir vorstellen, dass er eine neue Herausforderung will, wenn sich die Atmosphäre zu sehr ändert. Honda wird wirklich, wirklich hart arbeiten müssen, um sie beide in der gleichen Garage getrennt zu halten. Das ist ein harter Job.»

Die Kombination Márquez-Lorenzo könnte leicht zu einem Spiel mit dem Feuer werden, erklärte der 38-Jährige. Andererseits sei der Schachzug, Lorenzo an Bord zu holen, Teil einer langfristigen Strategie sein, glaubt er. «Was sie getan haben, ist, sich den einzigen Typ zu schnappen, der Márquez meiner Meinung nach schlagen kann, nämlich Lorenzo auf einer Ducati.»

«Sie haben dafür gesorgt, dass die größte Bedrohung für die Meisterschaft im eigenen Lager ist - das ist ein sehr cleverer Zug von Honda. Aber sie riskieren jetzt auch, ihren wertvollen Besitz zu verlieren, weil sie beide in dieselbe Garage bringen.»

Lorenzo ist dreimaliger Weltmeister, sein letzter Titel liegt aber schon drei Jahre zurück. Nachdem er Yamaha Ende 2016 verlassen hatte, brauchte er lange, um sich mit der Desmosedici zurechtzufinden. 2017 war er nur WM-Siebter, aktuell rangiert er auf Platz 4 der Fahrerwertung. Toseland sagt, er bewundere den 31-Jährigen dafür, den Schritt zu Honda zu wagen.

«Ich finde es toll, dass Lorenzo sich mit Márquez auf Augenhöhe auseinandersetzen will. Es gibt nicht viele, die das mit ihm auf dem gleichen Bike wagen würden. Es ist sehr mutig von ihm, das zu tun», erklärte er. «Ich hoffe, sie können sich gegenseitig respektieren und sich einen guten und fairen Kampf liefern.»

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