Beste Asphalt-Rallye für Latvala

Von Toni Hoffmann
WRC
Jari-Matti Latvala bei der Rallye Frankreich

Jari-Matti Latvala bei der Rallye Frankreich

Drei Topergebnisse in Folge bringen Jari-Matti Latvala der Fahrerwertung zurück auf Rang drei, Latvala gewann sechs Prüfungen.

Jari-Matti Latvala und Copilot Miikka Anttila haben am Steuer ihres Fiesta RS WRC mit Platz zwei bei der Rallye Frankreich ihr bisher bestes Karriere-Ergebnis bei einem Asphalt-Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft bestätigt. Die Werksfahrer von Ford erreichten das Ziel 15,5 Sekunden hinter dem neuen und alten Weltmeister Sébastien Loeb. Latvala unterstrich seine aufstrebende Formkurve auf dem von ihm weniger geliebten Strassenbelag mit sechs Wertungsprüfungs-Bestzeiten. Dank zwei zweiter Plätze und dem Sieg bei der Wales-Rallye Grossbritannien rückte der 27 Jährige innerhalb der zurückliegenden drei WM-Läufe wieder auf den dritten Rang in der aktuellen Fahrertabelle vor.

Petter Solberg und Chris Patterson im zweiten der gut 300 PS starken Werks-Fiesta mussten sich nach dem Ausfall am Samstag und dem Restart am Sonntag mit Rang 27 begnügen. Der Norweger war auf der Wertungsprüfung (WP) 10 in einer schnellen Linkskurve von der Strasse abgekommen und hatte nach unzähligen Weinreben auch einen Telefonmasten gefällt – eine kuriose Szene, die weltweit für eine immense TV-Berichterstattung und zahlreiche Clicks auf entsprechenden Internet-Seiten sorgte.

Als Dreh- und Angelpunkt des elften von 13 Saisonläufen diente die französische EU Parlamentsstadt Strassburg. Insgesamt 22 WP im Elsass und in den Vogesen führten über insgesamt 404,14 Kilometer – die meisten hiervon auf ebenso engen wie schnellen und oftmals schmierig-rutschigen Strässchen. Spektakuläre Zuschauerprüfungen in Strassburg, Mülhausen und Hagenau rundeten das von Zuschauern regelrecht geflutete Heimspiel des Titelverteidigers Loeb ab.

Latvala entschied am Freitag, der ersten vollen Rallye-Etappe, drei WP für sich und übte auf diese Weise enormen Druck auf den Lokalmatador aus. Am Samstagmorgen büsste der Finne rund zehn Sekunden ein, als er kurzzeitig von der Piste rutschte und einen Graben traf. Anschliessend zeigte er mit drei weiteren WP Bestzeiten erneut das Potenzial des Ford Fiesta RS WRC auf. Ohne reelle Chancen auf den Sieg liess es der 27-Jährige auf der Schluss-Etappe am Sonntag ruhiger angehen und fuhr den zweiten Platz auf nunmehr regennassen und von tiefen Pfützen gesäumten Strecken sicher heim.

«Mein Ziel war es, meine Performance der Rallye Deutschland nochmals zu steigern – dies ist mir gelungen», bilanzierte Latvala nach der Siegerehrung. «Aber wir haben uns am Samstagmorgen einen Fehler erlaubt – und dies ist genau ein Fehler zu viel, wenn du einen neunfachen Weltmeister in seiner Heimat und auf seinem bevorzugten Strassenbelag schlagen willst. Am Ende trennten mich nur 15 Sekunden von Loeb, es fehlt also nur noch ein Schritt, um zu ihm aufzuschliessen. Dies habe ich mir unbedingt noch vorgenommen: Ich will ihn wenigstens einmal auf Asphalt schlagen. Dieses Resultat motiviert uns enorm für die beiden noch ausstehenden Läufe auf Sardinien und in Spanien – zwei grossartige Veranstaltungen, eine auf Schotter, die andere nicht. Ich möchte die Saison mit weiteren Highlights beenden.»

Fand Petter Solberg zu Beginn des Freitags noch nicht in den richtigen Rhythmus, so kam der Norweger nach der Mittagspause besser in Schwung und beendete die erste Etappe auf Zwischenrang vier. Bei der Jagd auf Mikko Hirvonen und Position drei kam der 37-Jährige wie beschrieben vom rechten Weg ab und musste aufgrund der Beschädigungen, die sein Turbo-Allradler bei dem Aufprall erlitten hat, aufstecken. Am Sonntag nahm Solberg den Wettbewerb wieder auf, hatte aufgrund der 40-minütigen Zeitstrafe jedoch keine Chance mehr, eine vordere Platzierung zu erreichen. Dennoch gelang es ihm noch, Ford WM Punkte für die Teamwertung zu retten.

«Der Freitag lief für uns ganz okay, doch dann sind wir auf der zweiten Etappe von der Strecke geflogen», führte der Routinier aus. «Heute gab es für mich nicht mehr viel zu gewinnen, also habe ich mich bemüht, den Fans nochmal eine gute Show zu bieten. Die Bedingungen auf den regennassen Strassen entpuppten sich als reichlich schwierig. Angesichts unserer sehr späten Startposition hatten wir auch kaum eine Chance, auf der ,Power Stage‘ noch zusätzliche WM-Punkte einzufahren: Die Pisten waren einfach zu matschig, als wir ankamen.»

Über die nochmals konkurrenzfähigere Vorstellung von Jari-Matti Latvala auf Asphalt zeigte sich auch Malcolm Wilson, Direktor des Werksteams von Ford, überaus erfreut: «Er konnte Sébastien Loeb bis zum Schluss unter Druck setzen – das dürfen auf befestigten Strassen nicht viele von sich behaupten», so der Brite. «Wie schnell der Fiesta RS WRC auch auf diesem Belag ist, war klar zu erkennen. Sowohl der Fahrer als auch das Auto haben eine starke Performance geboten.»

«In meinen Augen haben wir an diesem Wochenende den stärksten Auftritt gesehen, den Jari-Matti Latvala je auf Asphalt abgeliefert hat», unterstrich auch Gerard Quinn, der leitende Manager von Ford Racing. «Seine Schnelligkeit und der Einsatzwillen waren fantastisch, über seine Podiumsplatzierung haben wir uns sehr gefreut. Petter Solberg erwischte eine schwierige Rallye, auch wenn uns sein Abflug am Samstag die weltweit beste Medienresonanz der gesamten Saison gesichert hat. Ich möchte es zudem nicht versäumen, Sébastien Loeb und Daniel Elena zur erfolgreichen Titelverteidigung zu gratulieren.»

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