Enduro

Wie in alten Zeiten: Langhuber am letzten Drücker

Von - 14.05.2018 17:55

An der Trophée des Nations lebte die Enduro-Vergangenheit auf. Alles wie früher, auch beim Schweizer Team: Urs Huber bewies schon auf der Anreise seinen überdurchschnittlichen Durchhaltewillen.

Jeder andere hätte alles hingeschmissen und wäre auf halben Wege umgedreht und nach Hause gefahren. Nicht so der frühere Schweizer Endurofahrer Urs Huber, wegen seiner Körpergrösse Langhuber genannt. Als mehrfacher Teilnehmer des International Six Days Enduro war er am Wochenende vom 28./29. April eingeladen zur Trophée des Nations, einem Vintage-Enduro-Event der Spitzenklasse (Speedweek berichtete).

Eigentlich wollte der Langhuber am Freitagnachmittag von seinem Wohnort bei Zürich losfahren nach Montecampione in Italien. Als er am Radio von sieben Kilometern Stau vor dem Gotthardtunnel hörte, verschob er seine Abreise in die Freitagnacht – wie früher. Langhuber reiste schon zu Zeiten, als er noch die Schweizer Enduro-Meisterschaft bestritt, vorzugsweise über Nacht an.

Alles wie gehabt, doch Langhuber kam nicht bis zum Gotthard: Auf der Anfahrt zum Tunnel streikte sein Iveco-Lieferwagen. Das Lager einer Spannrolle war festgegangen und in der Folge riss ein Riemen, der unter anderem die Lichtmaschine antreibt. Die Pannenhilfe kam irgendwann in der Nacht, und der Iveco wurde ins Dorf Wassen abgeschleppt. «Da ist ohne Ersatzteile nichts zu machen, es ist Samstag, da arbeitet niemand. Nehmen sie morgen einen Mietwagen und fahren sie nach Hause», diagnostizierte der Pannenhelfer um vier Uhr in der Früh.

Langhuber sah das anders und setzte sich erst mal in den Lieferwagen für ein paar Stunden Schlaf. Dann telefonierte er mehrere Iveco-Händler ab, bis er bei Luzern einen fand, der am Samstag geöffnet und die benötigten Teile vorrätig hatte. Als Glücksfall erwies sich nun, dass Langhuber neben seiner Enduro auch einen Roller aufgeladen hatte. In voller Enduroausrüstung fuhr er mit dem Roller nach Rothenburg, kaufte die Teile, dröhnte zurück nach Wassen und legte sich nach einer 140 km langen Rollerrundfahrt runter den Lieferwagen. Irgendwann gegen Mittag war das Transportfahrzeug wieder fahrtüchtig, was es Langhuber ermöglichte, sich in den nun zehn Kilometer langen Stau vor dem Gotthard einzureihen.

Abends um sechs kam er übernächtigt in Montecamipone an, Training und Maschinenabnahme hatte er verpasst. Alles halb so schlimm, Teamchef Dany Wirz hatte eine Einzelabnahme für Langhubers KTM LC4 organisiert. Der luftgekühlte Viertakter von 1987, angepasst mit Lenkererhöhung und aufgepolstertem Sattel, war wie erwartet optisch keine Perle, doch als Langhuber probehalber den 550er Motor ankickte, verstummten die Zweifler: Selten hatte man einen so fein laufenden luftgekühlten Rotax gehört.

Am sonntäglichen Renntag war Langhuber dann schon wieder halbwegs ausgeschlafen am Start, absolvierte die drei Runden fehlerfrei und klassierte sich in der nicht bierernsten Wertung mit der Schweizer Trophy-Mannschaft auf Platz acht. Alles wie in alten Zeiten.


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Urs Huber, genannt Langhuber. Einer der wenigen, die den Sattel einer KTM LC4 aufpolstern © Lüthi Urs Huber, genannt Langhuber. Einer der wenigen, die den Sattel einer KTM LC4 aufpolstern Verhehrender Blick in den Motorraum: Riemen gerissen, Spannrolle blockiert © Huber Verhehrender Blick in den Motorraum: Riemen gerissen, Spannrolle blockiert Teamchef Dany Wirz (rechts) lacht wieder: Mit dem Langhuber (mitte) ist der letzte Schweizer Fahrer doch noch angekommen © Lüthi Teamchef Dany Wirz (rechts) lacht wieder: Mit dem Langhuber (mitte) ist der letzte Schweizer Fahrer doch noch angekommen Der Langhuber mit der Rotax-KTM von 1987  im Einsatz © Lüthi Der Langhuber mit der Rotax-KTM von 1987 im Einsatz Das Schweizer Team: an der Preisverleihung: Urs Huber, Celso Gorrara, Philippe Rast, Dany Wirz © Lüthi Das Schweizer Team: an der Preisverleihung: Urs Huber, Celso Gorrara, Philippe Rast, Dany Wirz
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