Editorial

Robert Kubica: Nicht alle schaffen das Comeback

Von - 22.11.2018 11:14

​In Abu Dhabi hat Williams bestätigt: Robert Kubica wird 2019 wieder Grand-Prix-Fahrer. Die Geschichte zeigt – nicht alle Fahrer haben nach einer Verletzungspause an frühere Leistungen anknüpfen können.

Von den Formel-1-WM-Läufen in Abu Dhabi 2010 bis Melbourne 2019 zählen wir 3046 Tage. So lange muss sich der Pole Robert Kubica gedulden, bis er wieder Grand-Prix-Fahrer sein kann. Im Fahrerlager des Yas Marina Circuit hat Claire Williams bestätigt, dass der 33jährige Krakauer im kommenden Jahr wieder am Start stehen wird. Alle freuen sich im Fahrerlager für Kubica. Aber es gibt auch kritische Stimmen. Denn die Historie hat gezeigt – nicht alle Formel-1-Fahrer haben nach einer Verletzungspause an frühere Erfolge anknüpfen können. Und Williams muss von vorne beginnen: Kein Team hat 2018 ein schlechteres Auto gebaut.

Alex Zanardi ist für alle Menschen ein leuchtendes Vorbild dafür, was Wille alles bewegen kann. Der 15. September 2001 hat das Leben von Alex Zanardi komplett verändert: Bei einem IndyCar-Unfall auf dem Lausitzring wäre der Italiener fast verblutet, die Ärzte konnten sein Leben, nicht aber seine Beine retten. Zanardi, von 1991 bis 1999 in der Formel 1 unterwegs, vorher und nachher im IndyCar-Sport, geniesst seit seinem schlimmen Unfall 2001 in der Lausitz weit über Motorsportkreise hinaus Heldenstatus: Wie er mit seinem Schicksal fertig wurde und trotz seiner verlorenen Beine sein Leben meistert, ist nicht nur für behinderte Menschen ein leuchtendes Vorbild. Er ist Goldmedaillen-Gewinner bei den Olympischen Spielen im Handrad, er ist erfolgreicher Triathlet. Und Autorennen fährt er auch wieder.

«Kino am See» in Zürich 2014, eine sommerliche Traditionsveranstaltung. Gezeigt wurde unter freiem Himmel der Film «Rush», das Formel-1-WM-Duell 1976 zwischen Niki Lauda und James Hunt, packend verfilmt von US-Regisseur Ron Howard. Als der Abspann lief, brandete spontan Applaus auf, die Zuschauer waren sichtlich beeindruckt. Vor mir sagte eine Frau zu ihrenm Begleiter: «Ich kann es nicht fassen, dass Lauda so kurz nach seinem schweren Unfall wieder gefahren ist.» Tatsächlich war Laudas Rückkehr nach dem Feuerunfall vom Nürburgring 1976 eines der grössten Comebacks der Sportgeschichte – und das, passenderweise, auf einer Strecke, die selber Mythos ist, in Monza. Die Willensleistung von Niki Lauda, knapp 40 Tage nach dem Höllenritt auf dem Nürburgring mit offensichtlichen Verletzungen wieder in den Ferrari zu klettern, um den schnell schwindenden Vorsprung gegen James Hunt zu verteidigen, das ist bis heute unfassbar. Später eroberte Lauda mit Ferrari seinen zweiten Titel (1977), ging zu Brabham, trat vom Rennsport zurück, dann ein Rücktritt vom Rücktritt, um mit McLaren 1984 noch einmal Weltmeister zu werden. Dazu noch erfolgreicher Flug-Unternehmer und heute Aufsichtsrats-Chef des Mercedes-Rennstalls. Was für eine Karriere!

Mika Häkkinen ist im vergangenen September 50 Jahre alt geworden. Der Finne bestritt zwischen 1991 und 2001 insgesamt 161 GP-Einsätze, 20 WM-Läufe konnte er gewinnen. In dieser Zeitspanne stand der Finne 51 Mal auf dem GP-Podest, 26 Mal durfte er von der ersten Startposition losfahren. Der Widersacher von Rekord-Weltmeister Michael Schumacher glänzte nicht nur auf der Strecke. Abseits der GP-Pisten machte der Gentlemen im Silberpfeil eine gute Figur – und kam bei den Fans entsprechend gut an. Häkkinen, das stand für Speed, für Fairness, für einen gewissen Schalk.

Leicht hätte diese Karriere 1995 enden können, nach einem Horror-Unfall im Zeit-Training in Adelaide (Australien). Damals zog sich Häkkinen einen Schädelbasisbruch zu. «Es ist das Schlimmste, was dir im Leben passieren kann. Man merkt, wie zerbrechlich ein Leben ist. In diesen Momenten wird alles andere, was normalerweise deinen Alltag bestimmt, völlig uninteressant. Das einzig Wichtige ist, die Hand des anderen halten zu können und den Worten der Ärzte zu vertrauen. Man sitzt dort und hofft, dass alles gut ausgeht, aber man weiss nicht, was am nächsten Morgen sein wird. Man kann selbst nichts tun – und das ist das Schlimmste», sagte Häkkinen später. Häkkinen war damals blutend aus dem Wrack gezogen worden. Für die Familie, die zunächst nur diese Bilder sah, der absolute Horror.

Was waren denn seine ersten Gedanken, nachdem er aus dem Koma erwachte? « An die wesentlichen Dinge: Kann ich richtig sehen? Kann ich meine Beine bewegen? Meine Arme? Ich habe mich auch gefragt, ob es ein Fahrfehler war oder ob ein mechanisches Problem zu dem Unfall führte – das war dann auch der Fall.»

Mika wurde nach kompletter Erholung zum 20fachen GP-Sieger und zweifachen Weltmeister (1998 und 1999).

2009 rettete der Schuberth-Helm dem Brasilianer Felipe Massa auf dem Hungaroring in Ungarn das Leben. Im Qualifying wurde der damalige Ferrari-Piloten bei rund 270 km/h von einer 800 Gramm schweren Metallfeder am Helm getroffen, die aus dem Heck von Rubens Barrichellos BrawnGP-Renner gefallen war. Massa hat seinen beschädigten Helm noch heute in seinem Wohnzimmer stehen. Felipe kehrte auf die Rennstrecken zurück, zunächst mit Ferrari, später mit Williams, er gewann aber nie wieder ein Rennen.

Martin Brundle und Johnny Herbert, Marc Surer und Olivier Panis zogen sich beide bei Unfällen schwere Fuss- und Beinverletzungen zu, die alle kehrten ins Rennauto zurück, Herbert gewann sogar drei Grands Prix, Brundle wurde Sportwagen-Weltmeister. Graham Hills Beine waren nach einem Unfall in Watkins Glen 1969 zu zerschmettert, dass die Ärzte meinten, er würde nie wieder gehen können. Hill pfiff darauf und sass beim WM-Auftakt 1970 im Rennauto. 1972 gewann er Le Mans.

Die Liste ist lang von Piloten, die sich Verletzungen zuzogen und später erfolgreich waren: Michael Schumachers Titelhoffnungen 1999 etwa endeten in einem Reifenstapel von Silverstone, von 2000 bis 2004 gewann er mit Ferrari fünf WM-Titel. Die Liste ist auch lang von Fahrern, die nie wieder an frühere Leistungen anknüpfen konnten.

Robert Kubica selber überstand 2007 in Montreal einen fürchterlichen Crash, angesichts dessen wir uns alle im Pressesaal anschauten und einer sagte, was alle dachten: «Er ist tot.» Tatsächlich standen dem Polen schon damals viele Schutzengel zur Seite, abgesehen von leichten Fussverletzungen und einer Gehirnerschütterung blieb er unversehrt.

Ein Jahr später gewann er auf der gleichen Rennstrecke seinen einzigen Grand Prix.

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Montreal 2007: Alle dachten – das konnte Robert Kubica nicht überlebt haben! © LAT Montreal 2007: Alle dachten – das konnte Robert Kubica nicht überlebt haben!
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Von Mathias Brunner

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