Formel 1

Notwendig bis überflüssig: 10 neue Regeln für 2019

Von - 04.01.2019 18:50

​Alle reden vor der Saison 2019 von der geänderten Aerodynamik. Wir weisen auf zehn weitere neue Regeln hin, die zu reden geben werden. Einige waren dringend notwendig, Andere wurden ohne Not eingeführt.

«Im Wechsel allein ist das Beständige», fand der deutsche Autor und Philosoph Arthur Schopenhauer. Die Formel 1 hat der Hochschullehrer nicht gekannt, denn er starb schon 1860. Aber sein Zitat passt prima zur Königsklasse, denn wir kennen keinen Sport, bei dem das Reglement so oft geändert wird wie in der Formel 1. Auch für 2019. Am meisten zu reden gibt die frisch gefönte Aerodynamik: Um das Überholen zu erleichtern, wird der Frontflügel vereinfacht, er ist um 2,5 Zentimeter tiefer angeordnet und wird breiter (neu 200 Zentimeter statt wie bis anhin 180). Die seitlichen Luftleit-Elemente sind weniger hoch (nicht mehr 47,5 cm, sondern nur noch 35), dafür reichen sie 10 cm weiter nach hinten. Der Heckflügel wird 10 cm breiter (neu 105 Zentimeter), mit einer Heckflügelöffnung von 8,5 cm (statt 6,5) wird sich das «drag reduction system» (DRS) markanter auswirken.

Formel-1-Sportchef Ross Brawn ist davon überzeugt, dass die geänderte Aerodynamik ein Schritt in die richtige Richtung sein wird. Wir haben uns zehn andere Regelneuheiten angeschaut, viele von ihnen wenig bekannt, einige notwendig, andere fragwürdig.

Immer schwerer
Die Autos werden immer schwerer. 2019 wiegen sie samt Fahrer 743 Kilogramm. Gut dabei ist: Grössere und damit schwerere Piloten werden für ihren Körperbau weniger bestraft. Denn 2019 gilt ein Mindestgewicht von Fahrer und Sitzschale – 80 Kilogramm. Renault-Pilot Nico Hülkenberg: «Wir Fahrer waren uns dieses Problems überaus bewusst.» Der Emmericher ist einer der längeren Piloten im Feld, mit 184 Zentimetern. «Ich bin grösser als viele anderen Fahrer und damit schwerer, und das war ein Nachteil. Das Team hatte mir bereits im Sommer 2017 gesagt, dass das Gewicht ein Thema sein wird und ob ich nicht ein paar Kilo verlieren könne. Ich habe gesagt: „Nein, kann ich nicht.“»

Andere Handschuhe
Hätten Sie gewusst, dass die Fahrer 2019 mit ganz besonderen Handschuhen fahren? Sensoren in den Handschuhen messen Vitalfunktionen, so sind die Ärzte über den Zustand eines Piloten informiert, noch bevor das Medical-Car beim Unfallwagen eintrifft. Dr. Ian Roberts, Chefarzt in der Formel 1: «Wenn es um die medizinische Pflege von Patienten geht, dann spielt die Überwachung eine ganz elementare Rolle. Das gilt auch für Fahrer nach Unfällen. Wir wollen so schnell als möglich mehr über ihren Zustand wissen, und diese Handschuhe geben uns dazu die Möglichkeit. Es gibt Situationen, in welchen wir nicht in Sekundenschnelle am Unfallwagen sind. Dank der Handschuhe können wir dennoch ein erstes Bild erhalten. Ein gutes Beispiel ist der Crash von Carlos Sainz in Sotschi 2015, als sein Wagen unter den Kunststoffschranken steckte und wir nicht wussten, wie es dem Spanier geht. Das erkannten wir erst, als wir die Barrieren weggeräumt hatten. Schnell mehr über den Zustand des Piloten zu wissen, das erleichtert das weitere Vorgehen.»

Zielflagge mal zwei
Die karierte Flagge gibt es noch, aber sie ist nicht primär massgeblich. Passiert mit dem Schwenken der klassischen Zielflagge ein Faux-pas, so wie am Ende des Kanada-GP 2018 mit dem Model Winnie Harlow, die das Rennen zu früh abwinkte, werden die Piloten dennoch ein Signal erhalten – auf einem LED-Bildschirm.

Strafversetzungen entwirrt
Ross Brawn stösst der Strafen- und Strafversetzungs-Irrsinn im GP-Sport sauer auf. «Ich denke, alle Beteiligten müssen darüber nachdenken, ob nicht eine bessere Lösung für das Überschreiten des Motorenkontingents und der ungeplanten Getriebe-Wechsel gefunden werden kann, welche die Fahrer nicht bestraft und die Show nicht beeinträchtigt.» Nachbessert wird in kleinen Dosen. Bekommt ein Pilot mehr als 15 Strafplätze aufgebrummt, rückt er automatisch ans Ende des Feldes. Neu ist, in welcher Reihenfolge sich dort Piloten aufstellen, die alle dergestalt strafversetzt werden mussten. Ausschlaggebend ist ab 2019 das Quali-Ergebnis.

FIA kassiert
Die Formel 1 wird für die Rennställe teurer. Bis anhin galt: Der Weltmeister bezahlt 6194 Dollar pro Punkt, die anderen Teams müssen 5161 Dollar pro Zähler auf den Tisch legen. Neu kostet das den Marken-Champion 6553 Dollar pro WM-Punkt, die anderen neun Rennställe 5459. Die Grundgebühr ist zudem um gut 30.000 Dollar angehoben worden und beträgt nun 546.133 Dollar.

Die sichersten Helme
Für 2019 wird ein neuer Helmstandard eingeführt, das zusätzliche Band aus Zylon am oberen Visierrand wird überflüssig, weil die Helmschale an jener Stelle verstärkt ist.

Reifenwirrwarr entrümpelt
Nico Rosberg schimpfte Anfang 2018: «Diese ganzen Reifenmischungen, da blickt ja keiner durch! Ich finde, egal welche Mischungen sind hinter den Farben verstecken, wir sollten jedes Wochenende nur drei davon sehen – weich, medium und hart, in den entsprechenden Farben, welche die Fans gewohnt sind. Alles andere ist uns eigentlich wurscht.» Das hat Pirelli umgesetzt. Wir haben nur noch fünf Mischungen, je nach Pistenoberfläche und Umgebungstemperaturen werden aus diesen fünf jene drei ausgewählt, welche den Teams zur Verfügung gestellt werden: weich (rot markiert), mittelhart (gelb) und hart (weiss).

Rücklicht verdreifacht
Die meisten Fans kennen das klassische Rücklicht bei der Crash-Struktur, das bei schlechten Sichtverhältnissen angestellt wird, das aber auch blinkt, wenn an Bord beim Bremsen Energie aufgenommen wird. Neu sind LED-Lichtleisten am Ende der Heckflügel-Endplatten.

Mehr Sprit, aber wozu?
Formel-1-Fans wissen: In den ersten drei Jahren der neuen Turbo-Hybrid-Ära im Grand-Prix-Sport betrug der maximale Kraftstoffverbrauch 100 Kilogramm. Als dann zur Saison 2017 hin Autos mit breiteren Reifen und mehr Abtrieb eingeführt wurden, fügten die Regelmacher fünf Kilo hinzu. Für 2019 kommen erneut fünf Kilo hinzu. Hintergrund: Formel-1-CEO Chase Carey will nicht länger Funksprüche von den Kommandoständen hören, welche die Fahrer zu ständigem Spritsparen ermahnen. Die Piloten sollen endlich wieder mehr Vollgas geben können. Williams-Technikchef Paddy Lowe glaubt nicht daran: «Die fünf Kilo mehr werden überhaupt nichts bewirken. Du packst so viel oder so wenig Kraftstoff ins Auto, wie es für dein Auto auf der jeweiligen Piste am sinnvollsten ist. Wenn dann der Pilot mit dem Gaspedal sehr behutsam umgeht, dann tut er das eher wegen der Reifen als wegen des Verbrauchs.»

Jetzt aber Vollgas!
Bei einem Neustart nach Safety-Car-Phase darf erst mit dem Kreuzen der Ziellinie überholt werden, bis dahin gilt Gelb. Zuvor galt Vollgas mit Attacke schon bei der so genannten Safety-Car-Linie.

Führerschein-Hürde höher
Bekannt ist: In verschiedenen Rennkategorien können Punkte für den Formel-1-Führerschein namens Superlizenz errungen werden. Neu ist: Pro Kalenderjahr darf ein Fahrer nur noch in einer Rennserie punkten.

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