Langbahn-GP

Robert Barths Urteil über Erik Riss, Härtel und Bergé

Von - 18.05.2015 18:03

Mit Weltmeister Erik Riss, Dimitri Bergé und Michael Härtel haben wir beim Langbahn-GP in Herxheim drei U20-Fahrer auf Weltklasse-Niveau erlebt. Was der vierfache Champion Robert Barth zu ihnen meint.

Zwischen 2002 und 2006 wurde der Memminger Robert Barth viermal Langbahn-Weltmeister, mit vier Titeln ist er hinter Gerd Riss (8) und Simon Wigg (5) die Nummer 3 der ewigen Bestenliste. Heute betreut er als Tuner und Mentor unter anderen die beiden Youngster Dimitri Bergé (18) und Michael Härtel (17), die in Herxheim sensationell auf die Ränge 2 und 3 fuhren.

SPEEDWEEK.com führte mit Barth ein langes Gespräch.

Wie kann es sein, dass Riss mit 19 Jahren Weltmeister wird, Bergé und Härtel sind bereits Weltklasse? Früher waren die besten Fahrer deutlich älter.

Als ich so alt war wie Michael Härtel, bin ich noch gar keine Rennen gefahren. Damit ist klar, dass ich nicht mit 19 Weltmeister werden konnte. Erik Riss ist eine Ausnahme, darüber brauchen wir nicht diskutieren. Das gab es vorher nicht und es sieht auch so aus, als würde es das in Zukunft nicht mehr geben.

In jeder Rennsportart ist es mittlerweile so, dass jung dominiert. Schau dir Moto2 oder MotoGP an, da sind viele Junge vorne. Rossi ist eine Ausnahme. Natürlich zählt die Erfahrung, das sehen wir bei Kylmäkorpi, der ganz vorne dabei ist. Wenn du einem Jungen wie Bergé gutes Material gibst, und der sein Material auch noch im Griff hat und weiß was er tun muss, dann hat man in Herxheim gesehen, was passiert. Fahren können die alle.

Bergé fuhr mit 125,7 km/h den schnellsten Laufsieg des Tages – und war nie zuvor in Herxheim.

Zu ihm fällt mir nichts mehr ein. Wenn du siehst, wie der drauf hängt wenn er vorne ist, der nimmt den anderen 100 Meter ab.

Bergé, Härtel und Riss sind durchschnittliche Speedway-Fahrer, sie rasieren aber die gesamte Langbahn-Weltelite. Was würde passieren, wenn die Top-10 des Speedway-GP dabei wären?

Dann hätten 80 Prozent der Langbahn-GP-Fahrer keine Chance. Erik Riss wurde in Herxheim unter Wert geschlagen: Erstes Motorrad kaputt, dann musste er auf eine Rübe umsteigen. Was mich schon wundert, ist, dass der Weltmeister keine zwei gleichwertigen Motoren hat. Mit gleichwertigem Material hätte er mit Sicherheit ins Finale fahren können.

Die Jungen gehen mit einem ganz anderen Herzblut ran. Man sieht ja, wie sie reinheben. Erik und Dimitri fahren wie die Wahnsinnigen. Bei Dimitri kommen erschwerend Probleme mit der Sicht hinzu. Wenn er vorne ist kann er fahren, wenn er hinten ist hat er eine Abreißscheibe, die hängt irgendwo rum und er wundert sich, dass die ihm nicht über vier Runden reicht.

Michael Härtel profitiert von seinen Starts, ich pushe ihn natürlich auch und sage ihm immer, dass er dranbleiben muss. Wenn dann einer wie Kylmäkorpi im Halbfinale Probleme bekommt, dann kann er das ausnützen und durchziehen.

Wenn die fünf besten Speedway-Fahrer kommen würden, müssten im Langbahn-GP fünf abreisen. Die wären durch die Bank vorne. Du Burschen können alle starten, sie wiegen nichts und brauchen nur gutes Material. Was meinst du, was dann mit den alten Herrn im Langbahn-GP los ist?

Bergé und Härtel auf dem Podium: Hast du das den beiden Youngstern zugetraut?

Nein. Wenn beide ins Halbfinale kommen, wäre ich zufrieden gewesen. Ich habe zwei Fahrer von denen ich wusste, dass sie auf gleichem Level fahren können. Ich habe aber nicht sechs gleich schnelle Motoren. Es war so, dass Härtel leistungsmäßig gut unterwegs war, Bergé hatte aber besseres Material. Als Bergé hinter Härtel war, ist er ihm aber keinen Meter rangefahren. Wenn er vorne war und zufahren konnte, war er aber schneller, weil er einen sauguten Strich fährt. Das ist irre, wie der auf dem Motorrad hängt, Wahnsinn!

Wenn ich aber seine Kurveneingänge sehe, der linke Fuß hängt hinten, da gibt es Verbesserungspotenzial.

Auf jeden Fall. Das ist nicht so einfach. Kylmäkorpi schätze ich auf jeder Bahn stark ein, er ist routiniert und schafft es auch bei Trouble immer nach vorne.

Wir müssen schauen, was Bergé in Eenrum und so weiter macht. Insgesamt traue ich ihm aber zu, dass er im Grand Prix bleibt, das wäre ein Riesenerfolg.

Wie schätzt du den Level des Langbahn-GP generell ein?

Schwierig zu sagen, auf jeden Fall eng beieinander, fast jeder kann einen Lauf gewinnen.

Ich kann aber nicht sagen, ob der Grand Prix vor 15 Jahren besser oder nicht war.

Damals fuhren immer Riss, Barth und Tatum vorne. Heute ist Kylmäkorpi mit vier Titeln der Erfolgreichste.

Und wir haben ihn immer gecatcht.

Ich glaube nicht, dass er auf eurem Niveau fährt.

Wenn du das sagst, dann glaube ich dir das.

Barth, Tatum oder Riss wurden nie Letzte in einem Lauf – auf keiner Bahn.

Auf Grund der Schalldämpfer-Situation im letzten Jahr war es etwas schwierig zu fahren. Jetzt haben wir wieder offene Schalldämpfer, das Fahren wird dadurch interessanter. Mit dem letztjährigen Schalldämpfer hast du einen Fehler gemacht und die Drehzahl war im Keller. Bei Schalldämpfern ohne Prellblech wirken sich Fehler nicht so gravierend aus.

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Dimitri Bergé (vorne) zeigte in Herxheim beeindruckenden Speed © Sievers Dimitri Bergé (vorne) zeigte in Herxheim beeindruckenden Speed Robert Barth (li.) im Gespräch mit SPEEDWEEK-Redakteur Ivo Schützbach © Bär Robert Barth (li.) im Gespräch mit SPEEDWEEK-Redakteur Ivo Schützbach
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