«Kini»: Wenn das Bike nicht passt, kann der Fahrer keine Wunder vollbringen
KTM-Berater Heinz Kinigadner erzählt, wo die RC16 verbessert wurde und wie er die Leistungen von Acosta und Bastianini einschätzt. Wie sich die MotoGP vom Offroad-Bereich unterscheidet.
KTM erlebte in der MotoGP-Saison 2026 einen guten Start. Aushängeschild Pedro Acosta konnte seine Konstanz aus der zweiten Saisonhälfte 2025 in dieses Jahr mitnehmen. In Thailand im Sprint gewann der 21-Jährige sein erstes MotoGP-Rennen. Im Grand Prix in Buriram wurde er Zweiter. Nach einem weniger erfolgreichen Brasilien-GP ging es in Austin wieder aufwärts. Acosta liegt derzeit in der Gesamtwertung auf Rang 3. Die anderen KTM-Piloten – Brad Binder, Enea Bastianini und Maverick Vinales – haben bislang noch nicht richtig in die Spur gefunden. Bei Bastianini lief es immerhin in Austin sehr gut.
KTM-Berater Heinz Kinigadner äußerte sich im Rahmen einer Pressekonferenz zum Motorsport-Jahr 2026 in Wien zum bisherigen Saisonverlauf für KTM: «Der MotoGP-Saisonstart war packend wie nie, KTM hat den Rückstand auf Ducati wett gemacht. Am Motorrad wurde sehr viel gearbeitet. Mit Pedro Acosta sind wir voll mit dabei, ein Juwel dieser Fahrergeneration, und ich hoffe, dass er heuer ganz vorne mitreden wird.»
Apropos Motorrad: Bei der RC16 wurde vor allem das Einlenk- und Kurvenverhalten verbessert – auf Kosten des Top-Speeds. Die KTM galt in den vergangenen Jahren als Rakete und sorgte laufend für Geschwindigkeitsrekorde. Ist dies dennoch der richtige Weg? «Die Fahrer haben beides ausprobiert. Brad Binder, Acosta und Bastianini waren gleich zu 100 Prozent überzeugt, dass dies das Richtige ist. Vinales hat es auch ausprobiert, aber der hat mit seiner verletzten Schulter nicht schmerzfrei fahren können», erzählte Kinigadner im exklusiven Interview von SPEEDWEEK.com. «Die letzten Jahre hatten wir gemeinsam mit Ducati das schnellste Motorrad – wir halten immer noch den Top-Speed-Rekord in Mugello. Jeder (Fahrer, Anm.) meinte aber, dass sie, um richtig zu kämpfen, ein besseres Gefühl für das Vorderrad benötigen. Das haben sie jetzt auf der Bremse. Das große Problem war immer beim Einlenken – das Motorrad wollte nicht in die Kurve rein. In so einem Fall gibt es dann immer die Rutscher über das Vorderrad und Ausfälle. Das haben wir nun eliminiert. Die Motoren sind ja eingefroren – da haben wir also nichts gemacht. Die Verbesserungen erreichten wir über die Aerodynamik mit größeren Öffnungen – damit erreichten wir ein besseres Einlenkverhalten und mehr Stabilität. Aber das kostet natürlich Top-Speed. Acosta ist einer, der richtig kämpfen will – das kann er jetzt, ohne die Gefahr zu haben, dass ihm das Vorderrad wegrutscht.»
Kinigadner über Bastianini: «Er ist eigentlich schneller gefahren als Acosta»
Beim letzten Grand Prix in Austin landete Acosta auf den Rängen 8 und 3. Wegen eines zu niedrigen Luftdrucks im Sprintrennen erhielt der Spanier nachträglich eine 8-Sekunden-Strafe. Ohne die Strafe wären es in Texas für ihn zwei Podestplätze geworden. Erfreulich für KTM war, dass auch Enea Bastianini auf dem Circuit of the Americas schnell war. Mit den Rängen 3 und 6 war es für den Italiener das in dieser Saison bislang mit Abstand beste Rennwochenende. «Er ist eigentlich schneller gefahren als Acosta. Er ist von Position 12 gestartet und ist nach vorne gefahren. Im Sprint war er am Hinterrad von Acosta», meinte Kinigadner zur Leistung von «La Bestia». «Hoffentlich hält dies ein wenig an, denn er hat bereits letztes Jahr zunächst nichts zusammengebracht und in Brünn war er auf einmal Top. In Ungarn danach auch noch und dann kam wieder nichts. Es ist ähnlich wie in der Formel 1: Du weißt oft nicht, an welchen Schrauben du drehen sollst, um wieder in die Spur zu finden, denn es ist so eng. Wenn die ersten 20 in einer Sekunde sind, braucht es nur eine Kleinigkeit, um vorne dabei zu sein.»
Nach dem positiven MotoGP-Saisonstart – welche Erwartungen hat Heinz Kinigadner an den Rest des Jahres? «Wir hoffen, dass es noch ein wenig besser wird. Aber die Gefahr, dass du zwei Millimeter zu weit links oder rechts und dann gar nicht mehr dabei bist, ist groß. Die Spur, wo alles funktioniert, ist sehr eng. Wenn man es mit Offroad-Fahren vergleicht, wo der Fahrer so viel wettmacht… wenn im Straßen-Rennsport das Motorrad nicht passt, dann kann der Fahrer auch keine Wunder vollbringen.»
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