Das Safety-Car in der Formel 1: Vor Mercedes herrschte die pure Anarchie
Im Rahmen des Ungarn-GP hat Mercedes ein neues Safety-Car vorgestellt. Seit bereits 30 Jahren stellt die Marke mit dem Stern den Führungswagen. Davor herrschte in der Formel 1 pure Anarchie.
Bernd Mayländer hat einen neuen Dienstwagen: Im Rahmen des Traditions-GP von Ungarn hat Mercedes das neue Safety-Car für die Formel 1 präsentiert – den Mercedes-AMG GT 64 PRO 4MATIC+, Vierliter-V8-Biturbo, Allradantrieb, 612 PS.
Immer wieder fragen SPEEDWEEK.com: Wie kam es eigentlich zum Einsatz des Führungswagens? Und wieso in der Formel 1 die Bezeichnung Safety-Car, im amerikanischen Sport hingegen Pace-Car?
Grundsätzlich bestand in der Formel 1 ein anderer Grundgedanke als in den USA. In Amerika wurde der Führungswagen eingeführt, um das Feld auf eine gewisse Geschwindigkeit zu bringen, bevor er ausschert und den Start freigibt.
In der Formel 1 haben wir stehende Starts, keine rollenden wie in Amerika. Im GP-Sport kommt das Safety-Car auf die Bahn, um das Feld nach einem Zwischenfall bei moderater Geschwindigkeit hinter sich zu halten.
Pace-Cars wurden in der Urzeit des Motorsports auch Pacemaker oder Pacesetter genannt. Der Ursprung könnte dabei gar nicht in den USA liegen, sondern auf der britischen Oval-Rennstrecke Brooklands. Alte Bilder zeigen den damaligen Rennleiter Colonel Lindsay Lloyd mit einem Rolls-Royce oder Bentley oft an der Spitze des Felds, schon 1907 oder 1908. Von dort dürfte die Idee in die USA exportiert worden sein, nach Indianapolis. Schon seit rund 100 Jahren gehört nun das Pace-Car zu amerikanischen Rennen.
Die Mercedes für Safety-Car und Medical-Car in der Formel 1 kennen wir in dieser Form seit 1996. Zuvor wurden alle möglichen Autos eingesetzt, der erste Wagen dieses Zwecks kam beim Kanada-GP 1973 auf die Bahn – es war ein VW-Porsche 914!
Weil einige Autos später einfach nicht flott genug waren (Fiat Tempra 1993, Honda Prelude 1994, um nur zwei zu nennen), ging die FIA vor dreissig Jahren eine Kooperation mit Mercedes-AMG ein. Seit der Saison 2000 ist der Deutsche Bernd Mayländer Fahrer des Safety-Car,
Der erste Einsatz eines Führungswagens geht auf den kanadischen Grand Prix von Mosport 1973 zurück. Pilot Eppie Wietzes suchte sich mit dem Porsche 914 gleich mal den falschen Leader aus, bis heute wird darüber diskutiert, wer in Wahrheit den Kanada-GP gewonnen hat. Wietzes fing in einem gelben Porsche 914 das Feld nach einem Unfall zwischen François Cevert und Jody Scheckter ein, blieb aber aus Versehen vor dem Iso-Marlboro-Auto von Howden Ganley. Das ermöglichte es es einigen Fahrern, inklusive des späteren Siegers Peter Revson, eine Runde gut zu machen.
Die nächsten zwanzig Jahre herrschte Anarchie: Die GP-Organisatoren konnten machen, was sie wollten, was das Safety-Car angeht. Das führte zu ziemlich seltsamen Gefährten, wie unsere Liste unten zeigt.
In Monaco kam jahrelang ein Lamborghini zum Einsatz, in Suzuka logischerweise Fahrzeuge von Honda, in Ungarn ein Tatra, ein Modell davon fuhr 1995 den armen Taki Inoue über den Haufen.
Ab 1993 wurde in der Formel 1 vorgeschrieben, dass bei allen Trainings und Rennen ein Safety-Car bereitstehen muss, aber noch immer gab es keinen einheitlichen Lieferanten. 1996 erhielt Mercedes-Benz einen Exklusiv-Vertrag, den Führungswagen zu stellen, erster Einsatz war Magny-Cours 1996.
Safety-Cars in der Formel 1
1973: Porsche 914
1981–1983: Lamborghini Countach
1992: Honda Acura
1993: Fiat Tempra ST
1993: Ford Escort RS
1994: Opel Vectra Turbo 4x4
1994: Honda Prelude
1995: Porche 911 GT2
1995: Tatra 613
1995: Lamborghini Diablo VT
1995: Renault Clio
1996: Renault Clio Williams
1996: Mercedes-Benz C36 AMG
1997–1999: Mercedes-Benz CLK55 AMG
2000: Mercedes-Benz CL55 AMG
2001/2002: Mercedes-Benz SL55 AMG
2003: Mercedes-Benz CLK55 AMG
2004/2005: Mercedes-Benz SLK55 AMG
2006/2007: Mercedes-Benz CL63 AMG
2008/2009: Mercedes-Benz SL63 AMG
2010–2012: Mercedes-Benz SLS AMG
2012–2014: Mercedes-Benz SLS AMG GT
2015–2017: Mercedes-Benz AMG GT S
2018–2021: Mercedes-Benz AMG GT R
2021–2025: Aston Martin Vantage
2022–2026: Mercedes-AMG GT Black Series
2025: Aston Martin Vantage S
2026: Mercedes-AMG GT 64 PRO 4MATIC+
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