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Kurioser YART-Boxenstopp: Warum Karel Hanika mit Ständer losfuhr

Karel Hanika fuhr beim Bol d’Or nach einem Boxenstopp mit dem Hinterradständer an seiner Yamaha los. YART-Crewchief Max Neukirchner verrät exklusiv, welche ungewöhnliche Verkettung dahintersteckte.

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Es war eine der kuriosesten Szenen des Bol d’Or 2026: Karel Hanika verließ nach einem Boxenstopp die YART-Box, doch an der Yamaha R1 hing noch der Hinterradständer. Der Tscheche musste kurz vor der Boxenausfahrt anhalten, um den Ständer zu entfernen.

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Was während des Rennens wie ein ungewöhnlicher Fehler der Boxencrew aussah, hatte eine Vorgeschichte. YART-Crewchief Max Neukirchner erklärte gegenüber SPEEDWEEK.com, dass sich bereits beim ersten Boxenstopp ein Mechaniker verletzt hatte.

«Beim ersten Boxenstopp verletzte sich unser Hinterradmechaniker Miha an der Wade», berichtete Neukirchner. Seinen eigentlichen Reifenwechsel konnte der Mechaniker zwar weiterhin durchführen. Doch damit war seine Aufgabe bei einem YART-Boxenstopp normalerweise noch nicht beendet.

Eingespielter Ablauf musste verändert werden

«Normalerweise baut er das Hinterrad ein beziehungsweise aus und schiebt den Fahrer anschließend beim Losfahren noch kräftig an», erklärte Neukirchner. Genau dieser Anschub war aufgrund der Verletzung nicht mehr möglich.

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YART musste deshalb mitten im 24-Stunden-Rennen einen Ablauf verändern, den die Mannschaft unzählige Male trainiert hatte. «Markus, der normalerweise die Hinterradachse einschiebt, übernahm zusätzlich das Anschieben des Fahrers. Dadurch verschoben sich natürlich automatisch die Aufgaben innerhalb der Mannschaft», beschrieb Neukirchner die Umstellung.

Und genau bei diesem veränderten Ablauf kam es zu jener Szene, die im Rennen für Aufsehen sorgte. «Bei einem Boxenstopp blieb der Hinterradständer hängen, während Karel bereits losfuhr», berichtete der Crewchief. «Karel musste deshalb an der Boxenausfahrt noch einmal anhalten, damit der Ständer entfernt werden konnte.» Nach Neukirchners Angaben verlor YART dadurch etwa 35 Sekunden.

YART verzichtete danach auf das Anschieben

Die Mannschaft reagierte sofort. «Danach haben wir gesagt: Dieses Risiko gehen wir kein zweites Mal ein», erklärte Neukirchner. Bei den folgenden Boxenstopps verzichtete YART deshalb komplett darauf, den Fahrer beim Losfahren anzuschieben. Die sicherere Variante hatte allerdings ebenfalls einen Preis.

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«So haben wir bei den folgenden Stopps ungefähr zwei bis fünf Sekunden gegenüber unserem normalen Ablauf verloren», rechnete Neukirchner vor. Was nach wenig klingt, summiert sich über ein 24-Stunden-Rennen. YART absolvierte laut Neukirchner rund 28 Boxenstopps. Werden bei zahlreichen Stopps jeweils wenige Sekunden verloren, entsteht daraus schnell ein beträchtlicher Zeitverlust.

«Wenn du ungefähr 28 Boxenstopps absolvierst und bei vielen davon nur zwei, drei oder vielleicht fünf Sekunden liegen lässt, summiert sich das schnell auf eine Minute oder sogar deutlich mehr», erklärte der Deutsche. Hinzu kamen die rund 35 Sekunden durch den Zwischenfall mit dem Hinterradständer.

Ein Beispiel dafür, was Langstrecken-Rennsport ausmacht

Für Neukirchner zeigt die Geschichte exemplarisch, warum bei einem 24-Stunden-Rennen selbst vermeintlich kleine Details eine große Rolle spielen. «Keine einzelne Situation davon entscheidet ein 24-Stunden-Rennen. Aber am Ende setzt sich ein Ergebnis aus genau solchen kleinen Dingen zusammen», stellte der YART-Crewchief fest.

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Besonders bitter: Nach 24 Stunden fehlte YART lediglich eine Runde auf die zweitplatzierte Suzuki von Yoshimura SERT Motul. Platz 2 hätte der Yamaha-Mannschaft bei einem BMW-Sieg gereicht, um den WM-Titel zu verteidigen.

Neukirchner will den verlorenen Titel deshalb keineswegs auf den Zwischenfall in der Box reduzieren. Doch die Geschichte des verletzten Mechanikers verdeutlicht, wie empfindlich das perfekt einstudierte Zusammenspiel einer Langstrecken-Mannschaft ist.

«Wenn ein Mechaniker nicht mehr genau die Position und Aufgabe ausführt, die hunderte Male trainiert wurde, verändert sich automatisch der komplette Ablauf eines Boxenstopps», erklärte Neukirchner.

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Ein verletzter Mechaniker, eine neu verteilte Aufgabe, ein hängen gebliebener Hinterradständer und einige verlorene Sekunden bei den folgenden Stopps: Beim Bol d’Or zeigte sich einmal mehr, dass im Langstrecken-Sport nicht nur Fahrer und Motorrad über Erfolg und Niederlage entscheiden.

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