Werbung

Werbung

Werbung

Werbung

Werbung

Formel 1
Kolumne

Daniele Audetto über Niki Lauda: Was 1976 bei Ferrari alles passierte

Die GP-Saison 1976: das Duell zwischen Niki Lauda im Ferrari und McLaren-Ass James Hunt. Unter dem Titel «Rush» wurde die Story sogar verfilmt. Ex-Ferrari-Rennchef Daniele Audetto sagt, wie es war.

Werbung

TV-Programm

Werbung

Niki Lauda und Daniele Audetto (rechts) 1976
Niki Lauda und Daniele Audetto (rechts) 1976
Foto: Grand Prix Photo
Niki Lauda und Daniele Audetto (rechts) 1976
© Grand Prix Photo

Es war eine Formel-1-Saison wie keine davor: Der amtierende Weltmeister mit Serienerfolgen zu Beginn, Proteste und erfolgreiche Einsprüche, der Champion nach Crash in Lebensgefahr und mit einem wundersamen Comeback, der Griff nach Ersatz und ein Saisonfinale am 24. Oktober, in dem die Welt unterzugehen schien.

Werbung

Werbung

1976, vor 50 Jahren, standen Niki Lauda und sein Ferrari-Team im Mittelpunkt. Neuer Rennleiter der Scuderia wurde Anfang des Jahres der frühere Rallye-Copilot und Marketingmann Daniele Audetto. Der heute 83-Jährige schildert im Gespräch mit speedweek.com, was sich damals intern abspielte.

Audetto über den Saisonstart 1976: «Als Luca di Montezemolo, der seit 1974 Rennleiter von Ferrari war, zum Direktor für Öffentlichkeitsarbeit von Fiat ernannte wurde, wurde mir die Teamführung angeboten. Es sollte eine schwierige Saison werden. Niki trennte sich von Mariella Reininghaus und war mit Marlene zusammen. Auch unser Technikdirektor Mauro Forghieri hatte private Angelegenheiten zu klären.»

Werbung

Werbung

«Aber insgesamt waren wir alle sehr motiviert und zuversichtlich, denn der 312 T war sehr konkurrenzfähig. Clay Regazzoni war der spektakulärere Fahrer, aber Niki hatte die ersten Rennen in Sao Paulo und Kyalami gewonnen, dann siegte Clay in Long Beach vor Niki. Mit dem großen WM-Vorsprung war der Start der Saison verheißungsvoll.»

TV-Programm

Über den ersten Unfall Laudas im April: «Ich bin nicht sicher, was bei diesem merkwürdigen Vorfall vor dem Spanien-GP passierte. Ich hörte viel später von Heinz Prüller das Gerücht, es sei nicht ein Traktorunfall bei der Gartenarbeit gewesen. Bei Ferrari war den Piloten das Ausüben gefährlicher Sportarten wie Fallschirmspringen etc. verboten. Ich erfuhr, dass Niki gern Motocrossfahren mit seiner KTM-Maschine (Laudas Busenfreund Rupert Wimmer war KTM-Mitarbeiter, die Redaktion) ging.»

«Für mich war nicht das Problem, ob es ein Traktor- oder Motocrossunfall war, sondern dass Niki wegen der gebrochenen Rippen wirklich Schmerzen hatte. Er litt, und der spanische GP stand vor der Tür.»

«Wir überlegten, Niki zu ersetzen, und zwar mit F2-Fahrer Maurizio Flammini. Wir planten bereits einen Test in Fiorano. Als Niki davon Wind bekam, beschleunigte das seine Erholung, auch durch die Hilfe von Therapeut Willi Dungl, was fast wie ein Wunder war. Ich merkte in Jarama, wie stark Niki mental war. Niki gewann dann tatsächlich den Grand Prix, weil James Hunts McLaren disqualifiziert wurde, weil das Auto zu breit war.»

Werbung

Werbung

Über das verhängnisvolle Nürburgring-Wochenende: «Niki kam zum Nürburgring mit einem Riesenvorsprung in der WM. Aber er verwendete sehr viel Energie in seiner ablehnenden Haltung zum Ring. Ich versuchte ihm zu erklären, dass es jetzt unmittelbar vor dem Wochenende zu spät sei, um etwas zu ändern, und dass er sich auf das Rennen konzentrieren sollte. Aber man weiß ja, wenn Niki sich etwas in den Kopf setzte, wollte er es durchziehen.»

«So kam es zum Fahrermeeting, aber die Mehrheit war für das Rennen. Das alles kostete ihn viel Energie, anstatt sich wie üblich auf die Arbeit mit Mechanikern und Forghieri zu konzentrieren. Auch Renndirektor Fritz Huschke von Hanstein erklärte ihm, dass er nichts mehr ändern könnte. Aber Niki war nicht zu überzeugen.»

Werbung

Werbung

«Nun, das Rennen wurde bei Regen rund um die Boxengasse gestartet – von allen auf Regenreifen außer Jochen Mass, der von Freunden entlang der Strecke informiert worden war, dass die meisten Streckenteile trocken waren. Nach der ersten Runde kamen alle anderen zum Reifenwechsel an die Box.»

«Wir hatten keine Reifenwärmer, und die Goodyears waren sehr kritisch in den ersten Runden. Niki verlor einige Zeit in der Box und wollte dann sehr aggressiv Plätze gutmachen. Dann kam es zum Unfall knapp vor Bergwerk. Niki meinte später, es habe ein Aufhängungsproblem gegeben. Faktum war aber, dass die Curbs noch nass waren und Niki darüberfuhr, dazu war die Piste dort im Schatten noch feucht. Daher verlor Niki die Kontrolle und crashte.»

Über das Zittern um Niki Laudas Leben: «Ich fuhr mit Hanstein ins Spital nach Adenau. Als wir eintrafen, erzählte uns der Arzt, dass es sehr schlimm um Niki stand und in diesem Spital nichts gegen seine durch das Einatmen der giftigen Gase beschädigte Lunge zu machen sei.»

«Mein Freund Huschke rief den Spezialisten in der Klinik Mannheim an. Wir konnten Niki in einem Militärhelikopter dorthin fliegen. Niki ersuchte mich noch, Marlene zu verständigen und seine persönlichen Sachen aus dem Transporter zu holen. In Mannheim erklärte der Arzt, man hätte alles Mögliche getan, könne aber nicht sagen, ob Niki überleben würde. Man müsse mindestens 48 Stunden abwarten. Niki bekam die Sterbesakramente. Ich musste natürlich Enzo Ferrari informieren.»

Werbung

Werbung

Über die Suche nach dem Lauda Ersatz: «Ferrari instruierte mich, sofort Emerson Fittipaldi zu kontaktieren, der im Copersucar nicht konkurrenzfähig war. Wir dachten, er würde das Angebot mit einem starken Auto annehmen. Aber Emerson bedankte sich und ließ ausrichten, er könne wegen seines Vertrags mit dem Team und Sponsor Copersucar nicht annehmen. Also rief ich Ferrari an und informierte ihn. Er beorderte mich sofort nach Maranello.»

«Das Team war zu diesem Zeitpunkt im Chaos. Wir sagten die Teilnahme im nächsten Rennen auf dem Österreichring aus Respekt für Niki und aus Protest gegen die FISA-Entscheidung, Hunt nach der Berufung von McLaren den Sieg in Jarama zurückzugeben, ab. Teddy Mayer, McLarens Teamchef, war auch Anwalt und kam mit dem Argument, die Breite des Autos hätte keinen Einfluss auf die Leistung gehabt, durch.»

«Im Rückblick war es ein Fehler, Österreich auszulassen und in Zandvoort nur ein Auto einzusetzen, denn es wurde die Chance vertan, Hunt mehr Punkte wegzunehmen. Zudem passierte nichts in der Vorbereitung der Autos.»

«Schließlich wurde beschlossen, Ronnie Peterson als Ersatz für Niki zu verpflichten, der Hunt Punkte wegnehmen könnte. Aber March-Boss Max Mosley verlangte viel zu viel Ablöse. Die sollte dann aber ein Sponsor übernehmen. In der Zwischenzeit informierte Sante Ghedini Niki, dass ein Test für Peterson in Fiorano vorbereitet wurde.»

Werbung

Werbung

«Niki drehte fast durch und rief Montezemolo an. Er erklärte, wieder fahren zu können. Luca sprach darauf mit Fiat-Boss Giovanni Agnelli. Ich wurde zu Ferrari ins Büro gerufen und er ordnete an, den Test mit Ronnie sofort zu canceln. Ferrari hat mich richtig angeschrien. Ich musste also Ronnie absagen.»

Über die Verpflichtung von Carlos Reutemann: «Dann passierte Folgendes: Bernie Ecclestone hatte Wind bekommen und bot Ferrari Carlos Reutemann für Monza an. Ich hatte in der Zwischenzeit ein Interview mit Heinz Prüller, in dem es auch um die Unfallursache auf dem Ring ging. Ich erklärte ihm, dass wir nach allen Untersuchungen keinerlei Anzeichen eines Defekts festgestellt hatten. Heinz schrieb dann sinngemäß, Teammanager Audetto erklärte, es sei Nikis Fehler gewesen. Niki war natürlich sehr aufgebracht. Aber er rief uns an und sagte, er wolle das Auto testen und in Monza antreten. Ich erklärte Ferrari, Niki sei unter Vertrag und wir könnten ihn nicht abhalten, wenn er im Test ausreichend schnell wäre. Niki kam abgemagert nach Fiorano, er fuhr im Test aber schnell sehr gute Rundenzeiten. Daher mussten wir ihn in Monza einsetzen.»

Über Laudas Rückkehr in Monza: «In Monza passierte noch etwas anderes. Der Treibstoff aller Teams wurde in einem Eni-Labor in Mailand untersucht, der von McLaren und Penske war 2,1 Oktan über dem Limit. Die McLaren von Hunt und Mass und der Penske von Watson mussten als Letzte ins Rennen gehen.»

Werbung

Werbung

«Niki wurde wie bekannt sensationeller Vierter. Leider gab es bei uns keine Weiterentwicklung für die Amerika-Rennen mehr. Niki konnte bei den zwei Siegen von Hunt nur als Dritter in Watkins Glen punkten. Somit kam er mit drei Zählern Vorsprung nach Fuji. Wir waren sehr zuversichtlich, denn die Konstrukteursmeisterschaft hatte Ferrari schon gewonnen.»

Über das Chaos in Fuji: «Am Renntag brach in Fuji ein Tornado herein. Man konnte nicht einmal aufrecht gehen. Aber Bernie sagte, wir müssten starten, denn wir bekämen eine Menge Geld von den Organisatoren und vom Fernsehen für den ersten GP von Japan. Wir würden viel verlieren, würde das Rennen abgesagt.»

«Ich hatte ein Gespräch mit Fittipaldi. Er, Niki und James schüttelten die Hände vor Bernie und kamen überein, das Rennen nach zwei Runden zu beenden. Es wurde inzwischen immer dunkler, das Fernsehen drängte auf den Start. McLaren setzte Hunt massiv unter Druck. Niki aber erwartete immer noch, dass sich Hunt an die Vereinbarung halten würde.»

Werbung

Werbung

«Als Niki nach zwei Runden ausgestiegen war (wie auch Fittipaldi und Carlos Pace), verlangte Ferrari in einem Telefonat, ich müsste ihn wieder zur Fortsetzung des Rennens bewegen, doch Niki war nach zehn Runden schon abgereist. Abgesehen davon: Ich war dabei, als Niki auf dem Nürburgring im Sterben lag. Wie sollte ich ihn da bei diesen Verhältnissen überreden, wieder ins Auto zu steigen?»

«Hunt gewann den Titel, weil er sich nicht an die Abmachung gehalten hatte. Wir hatten Reutemann für 1977 schon unter Vertrag und Clay Regazzoni wusste, dass er keinen Platz mehr haben würde. Er war sehr enttäuscht. Das erklärt vielleicht, warum Clay in Fuji keinen Widerstand im Zweikampf mit Hunt leistete.»

Über sein Resümee zu Niki Lauda: «Wenn ich an diese Saison zurückdenke, muss ich sagen: Was Niki in diesen Monaten leistete, war übermenschlich.»

«Und es konnte ihn nicht abhalten, 1977 wieder Champion zu werden. Aber er war enttäuscht über unsere Versuche, Fittipaldi und Peterson zu engagieren, er empfand zu wenig Rückhalt durch das Team. Das wirkte sich zum Saisonende aus, als Lauda als Weltmeister feststand und er nach dem vierten Platz in Watkins Glen auf die letzten beiden Rennen in Mosport und Fuji verzichtete, zumal bereits Gilles Villeneuve vor seinem Debüt für Ferrari stand. Sein Verhältnis zu Ferrari war zerrüttet.»

Werbung

Werbung

«Mein persönliches Verhältnis zu Niki war auch nach 1976/77 sehr gut. Als er Jaguar-Sportchef war, kam er zu mir ins Arrows-Motorhome zum Spaghetti-Essen. Ich verstand, dass Niki nicht happy war mit meinen Aussagen zum Unfallhergang. Aber Niki verstand auch, dass ich Ferrari-Angestellter und weisungsgebunden war. Ich wusste schon vor Beginn der Saison 1977, dass er Ferrari am Ende verlassen würde. Es gab dahingehende Andeutungen von Parmalat-CEO Calisto Tanzi. Aber Niki schenkte Ferrari den zweiten WM-Titel. Er war immer ein Profi. Ich arbeitete in meiner langen Laufbahn mit vielen Fahrerpersönlichkeiten zusammen, aber Niki war

Schon gesehen?

Verpassen Sie keine Highlights mehr: Der Speedweek Newsletter liefert Ihnen zweimal wöchentlich aktuelle Nachrichten, exklusive Kommentare und alle wichtigen Termine aus der Welt des Motorsports - direkt in Ihr E-Mail-Postfach


Themen

Events

Alle Formel 1 Events
  1. Vergangen

    Bahrain Grand Prix

    Sepang International Circuit, Malaysia
    02.–04.10.2026
  2. Vergangen

    Singapore Grand Prix

    Marina Bay Street Circuit, Singapur
    09.–11.10.2026
  3. Demnächst

    US Grand Prix

    Circuit of the Americas, USA
    23.–25.10.2026
  4. Demnächst

    Mexican Grand Prix

    Autódromo Hermanos Rodríguez, Mexiko
    30.10. – 01.11.2026
  5. Brazilian Grand Prix

    Autodromo Jose Carlos Pace, Brasilien
    06.–08.11.2026

Formelsport News

Alle News

    Speedweek.com - Der beste Motorsport im Netz

    Die aktuellsten News rund um die Uhr, von Experten analysiert und kommentiert und exklusive Einblicke hinter die Kulissen. Hier schreiben Fans für Fans.