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Formel 1

Kolumne

Tod in Le Mans: Vor 40 Jahren starb Fahr-Talent Jo Gartner

Fahrwerks-Defekte an Sportwagen konnte der schnelle Österreicher bis dato gut beherrschen. Doch am 1. Juni 1986, bei über 300 km/h, schlugen Physik und Schicksal unbarmherzig zu.

Im Artikel erwähnt

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Jo Gartner im Formel-1-Auto von Osella
Jo Gartner im Formel-1-Auto von Osella
Foto: XPB
Jo Gartner im Formel-1-Auto von Osella
© XPB

Die Götter müssen Jo Gartner, jenen ebenso sympathischen wie schnellen Wiener, sehr geliebt haben: Denn einen gerade 32-Jährigen zu sich zu holen, steht wohl für dieses Sprichwort.

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Dabei hatte der höchst talentierte Österreicher, der im Ruhm seinen Landsleuten Niki Lauda und Jochen Rindt folgen sollte, tatsächlich noch viel vor. Doch ein technischer Defekt am schwarzen Kremer-Porsche 962 mit der Startnummer 10 sollte am 1. Juni 1986 alle Hoffnungen zunichte machen.

Auch ich hatte bis dato noch einen unerledigten Punkt auf meiner To-do-Liste: die 24 Stunden von Le Mans, den Sportwagen-Langstrecken-Klassiker in Frankreich. Und ich hatte Glück, denn durch meine Kontakte als Reifen-Testfahrer in der Redaktion „mot“ zu Dunlop-Pressesprecher Peter Schmidt bekam ich just im Mai 1986 eine Einladung zu diesem Motorsport-Event. Also setzte ich mich ins Auto, fuhr von Stuttgart an die Sarthe, war überaus gespannt auf das, was kam. Auf der Rückfahrt allerdings wusste ich, dass es ein schwarzes Wochenende war. Denn ich hatte miterlebt, wie Jo Gartner, ein hoffnungsvoller junger Rennfahrer, dort ums Leben gekommen war.

Augenzeugen berichten, dass die Uhr exakt 3:12 morgens angezeigt hatte, als Gartners Porsche auf der damals noch nicht durch Schikanen unterbrochenen Mulsanne-Geraden angeflogen kam. Dann, auf einmal, sei dieses Auto nach links ausgebrochen, dort an die Leitplanken geknallt und wieder nach rechts geschleudert. Es habe sich überschlagen, sei neben der Strecke liegen geblieben. Sofort habe es zu brennen begonnen – Gartner hatte keine Chance mehr, dem Wrack zu entkommen. Bis heute ist nicht restlos geklärt, was zu diesem Unfall geführt hatte. Doch der Verdacht erhärtete sich, dass eine hintere Radaufhängung gebrochen sein musste, übrigens nicht das erste Mal.

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Zwar stand ich selbst zu diesem Zeitpunkt nicht an der Kremer-Box, doch als unsere Besucher-Gruppe wenig später zu den Porsche-Werksautos ins Fahrerlager kam, herrschte dort grausige Stille. Bis uns Porsche-Rennleiter Peter Falk mit fast erstickender Stimme kurz aufklärte: «Leider ist in der Nacht Jo Gartner in einem Kundenauto von uns getötet worden. Es ist schrecklich, aber wir fahren weiter, Jo hätte das sicher so gewollt.»

Einer seiner Fahrer, der diesen 24-Stunden-Marathon schließlich auch in einem Werks-Porsche 962 gewann, Hans-Joachim Stuck, berichtete nach dem Rennen, immer noch geschockt, den vielen Journalisten, dass er eigentlich nicht mehr weiterfahren wollte. «Als ich die Todes-Nachricht eines Mit-Konkurrenten, mit dem ich auch befreundet war, erfahren hatte, wollte ich aussteigen. Doch es ging schließlich um den Gesamtsieg, also musste ich zurück ins Auto, und ich fuhr auch für Jo.»

Gartners Talent war früh erkennbar, schon bei seinen ersten Versuchen im Formel Super V, in den Europameisterschaften der Formeln 3 und 2, wurde sein großes Talent sichtbar.

Und so bekam er 1984 die Chance, beim italienischen Osella-Alfa Romeo-Team ein Formel-1-Auto zu fahren. Von seinen acht Saison-Starts war das Rennen in Monza mit einem fünften Platz sicher das beste, doch für eine weitere Saison fehlte Gartner schlicht das nötige Sponsoren-Geld.

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Und so wechselte er zu den superschnellen Sportwagen. 1985 überraschte er auf Platz 4 mit dem TV-Kommentator David Hobbs und Guy Edwards auf einem Porsche 956 in Le Mans. Dabei kam es zu einem kuriosen Ende, denn Gartner hatte das Kunststück fertiggebracht, auf nur drei Rädern an die Box zu fahren, denn das linke Vorderrad war abgerissen. Ein Jahr später, bei den 12 Stunden von Sebring in den USA, gewann er sogar zusammen mit „Strietzel“ Stuck und Bob Akin im Coca-Cola-Porsche 962. Wäre nicht das Unglück ein paar Monate später in Le Mans passiert, hätte er sicher eine aussichtsreiche Position für den Gewinn der Sportwagen-Weltmeisterschaft gehabt.

Doch in der 170. Runde an der Sarthe, bei weit über 300 km/h, entschieden die Götter dann anders.

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