Jubel, Crash, Jorge Martin nach verrücktem Tag: «Wusste, dass ich stürze»
Jorge Martin hat mit seinem Sprint-Sieg auf dem Circuit of the Americas nicht nur sportlich ein Ausrufezeichen gesetzt. Er sprach über Schmerzen, Zweifel und den Weg zurück an die Spitze der MotoGP.
Noch am Vortag war das Thema körperliche Verfassung allgegenwärtig. Die Situation belaste ihn aber mental nicht, so Martin vor der Session der Königsklasse auf der körperlich extrem herausfordernden Piste nahe Austin. «Ich spüre keinen Druck. Körperlich haben wir im Vorfeld gut gearbeitet. Ich hatte am Abend keine Schmerzen mehr, die Entzündung ist zurückgegangen.» Am Sprint-Samstag fühlte er sich großartig, doch die Belastung im Sprint hinterließ Spuren: «Jetzt habe ich starke Schmerzen in der linken Hand. Die Belastung war extrem. Ich habe jede Runde bis zum Ende gepusht. Als ich gesehen habe, dass ich gewinnen kann, habe ich 110 Prozent gegeben.» Diese Überbelastung zollt ihm nun Tribut. «Wir müssen die Entzündung reduzieren, um auch im Rennen bereit zu sein, es gibt Arbeit.»
Entscheidend für den Sieg war Martins Vertrauen beim Anbremsen sowie der Mut, im richtigen Moment alles zu riskieren. «Ich hatte beim Bremsen eigentlich die ganze Zeit eine gewisse Reserve. Als ich sie gebraucht habe, habe ich alles auf den Tisch gelegt und Pecco überholt.» Das Manöver gegen Francesco Bagnaia war dabei ein Ritt auf der Rasierklinge: «Für mich war das am Limit. Das Vorderrad war in Bewegung, ich wusste nicht, ob ich das Motorrad stoppen kann oder ob ich ihn kreuze.»
Vor einem Jahr auf Fentanyl
Nach einem Katastrophenjahr 2025 sprach er über die bisher schwerste Phase seiner Karriere. «Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie tief ich letztes Jahr abgesunken war. Wie sehr ich von dieser Welt, von der MotoGP, entfernt war. Ich wollte nicht zurückkommen.» Umso glücklicher ist er, wieder zurück an der WM-Spitze zu sein. «Ich bin gegenüber Aprilia dankbar. Sie helfen mir, mein Level wieder zu erreichen. Als ich im Krankenhaus war – wenn mir da jemand gesagt hätte, dass ich ein Jahr später wieder um die Weltmeisterschaft kämpfe … Ich war auf Fentanyl, vielleicht hätte ich einfach ja gesagt.»
Übermütig wird Martin nicht. Er weiß, dass die WM-Führung, die er im Sprint erreicht hat, schnell vorüber sein kann. Der Schlüssel liegt daher in der Konstanz. «Wir sind immer in den Top 5, immer konkurrenzfähig. Wir haben uns gesteigert: Fünfter, Vierter, Dritter, Zweiter – und jetzt Erster.»
Selbst der Jubel geriet zum Sinnbild des wilden Tages, als er nach einem Wheelie in der Auslaufrunde stürzte. «Ich wusste, dass ich stürzen würde. Zweiter, dritter Gang … Ich habe gesehen, dass das Bike nicht hoch genug kommt. Im vierten Gang konnte ich das Vorderrad nicht mehr kontrollieren – dann bin ich gestürzt.» Seine Reaktion? «Für das Team tut es mir leid. Aber sie werden trotzdem gerne arbeiten.»
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