Magere Ausbeute: KTM in Jerez nur vierte Kraft, Pit Beirer nimmt Stellung
Mit Pedro Acosta auf WM-Rang 3 und einmal zuletzt starken Enea Bastianini reiste KTM in Jerez an. Außer Platz 4 durch Brad Binder im Sprint gab es für das Projekt aus Österreich aber nichts zu lachen.
Die Ausgangslage war alles andere als verheerend. Enea Bastianini hatte sich bereits am Freitag unter schwierigen Bedingungen direkt ins Q2 gefahren und Pedro Acosta legte unter noch kritischeren Bedingungen am Samstag mit Regenreifen nach. Startplatz 6 für den WM-Dritten. Damit hofften nicht nur die Fans des Youngsters auf Überraschungen in den Rennen.
Die blieb aber in beiden Wettfahrten aus. Der Sprint endete für den Racer aus Murcia im Kies und auch am Sonntag hatte das Paket aus Österreich mit der Nummer 37 Ladehemmung und Pech. Denn nach Berührung mit einer Trackhouse-Aprilia war das Aerodynamik-Paket der RC16 verstümmelt. Ein faustgroßes Loch im Karbonkleid erschwerte die ohnehin schon mühselige Fahrt, wie KTM-Rennsportchef gegenüber SPEEDWEEK.com ernüchtert bestätigte.
«Tatsache ist, Pedro hat sich während des gesamten Wochenendes nicht 100 Prozent auf dem Motorrad gefühlt. Das konnte man mit bloßem Auge sehen. Besonders im letzten Sektor hatte er konstant Probleme und hat in den schnellen Kurven, in denen es blindes Vertrauen braucht, viel Zeit verloren. Was schon erstaunlich war, denn Enea war genau an diesen Stellen besonders stark.»
Pit Beirer mit der weiteren Einschätzung: «Ich kann nichts anderes sagen, als dass wir enttäuscht sind. Erwartet hatten wir etwas anderes. Die Erkenntnisse, die wir mit dem aktuellen Motorrad gesammelt haben, deuteten auf jeden Fall auf ein positiveres Rennwochenende hin. Bekannt ist, wir haben bewusst Topspeed geopfert, um unser Bike deutlich in Sachen Turning zu optimieren. Und das hat in Thailand und teilweise auch in den USA sehr gut funktioniert. Für Jerez, wo der Topspeed nebensächlich ist, das Turning aber einen hohen Stellenwert hat, hätte das besser funktionieren sollen.»
Nach langer Atempause gestand der Sportchef: «Was mich noch mehr ärgert, als dass Maverick in Jerez nicht dabei war, ist, dass auch Pol ausgefallen ist. Ich denke, er hätte noch wertvoller sein können, um diese Schwäche jetzt besser zu verstehen. Pol kennt das aktuelle Bike und ist damit in Jerez zuhause wie kein anderer. Er ist damit bei dem Test 1:37,5 min als Rennabstimmung gefahren – und wenn unsere Stammpiloten im GP 1:38er-Zeiten fahren, dann stelle ich mir schon Fragen. Am Einsatz der Piloten gibt es keine Zweifel, also müssen wir den Test am Montag nutzen und Neues ausprobieren.»
Pit Beirer: «Es gibt keine Ausreden. Es scheint, wir haben jetzt die Situation, dass unser aktuelles Bike auf den schnellen und technischen Strecken besonders gut, auf den engeren dafür weniger gut arbeitet. Das Beste am GP-Rennen: Alle Fahrer sind ins Ziel gekommen.»
Auch der Erfolg von Brad Binder, der nach Sturz noch als Vierter das Sprint-Ziel erreichte, konnte die Stimmung des Ex-Weltklasse-Motocrossers nicht entscheidend verbessern: «Leistung und Ergebnis im Sprint von Brad waren Spitze – aber am Ende hat der Samstag unsere Arbeit sabotiert. Am Sonntagmorgen ging es wieder von vorne los. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass wir mit Pedro auf WM-Rang 3 hierherkamen. Wir wissen, die Basis ist da – und doch war Jerez eine Enttäuschung.»
Status Quo nach Runde 4 aus KTM-Sicht. Pedro Acosta ist nun WM-Vierter und rangiert fünf Punkte hinter Fabio Di Giannantonio. Bastianini und Binder belegen die Ränge 10 und 11. In der Wertung der Hersteller hält KTM Position 3 – doch der Auftritt in Jerez riss in der noch jungen Saison eine Lücke zu den Werken aus Italien auf.
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