Teammanager zur Liberty-Zukunft der Superbike-WM: «Sie sind nicht dumm»
Yamaha-Teammanager Paul Denning spricht exklusiv bei SPEEDWEEK.com über die neue Ära unter Liberty Media und ist überzeugt, dass die Superbike-WM früher oder später spürbar profitieren wird.
Mit der Übernahme der Dorna durch Liberty Media im Sommer 2025 hat eine neue Ära im Motorrad-WM-Sport begonnen. Der Promoter wurde inzwischen in MotoGP Sport and Entertainment Group umbenannt – und während in der MotoGP bereits erste Veränderungen sichtbar sind, läuft in der Superbike-WM bislang vieles wie gewohnt.
Das sorgt im Fahrerlager für gemischte Eindrücke. Einige kritische Stimmen behaupten sogar, Liberty ist sich gar nicht bewusst, dass sie neben der MotoGP auch die Superbike-WM kontrollieren. Yamaha-Teammanager Paul Denning sieht das anders: «Sie sind nicht dumm. Sie wissen genau, was sie gekauft haben.»
«Und nach einigen Kontakten innerhalb von Liberty und natürlich Dorna denke ich, dass es für sie ein komplett neues Projekt ist. 100 Prozent ihres Fokus werden darauf liegen, genau zu verstehen, welche Möglichkeiten es innerhalb der MotoGP für 2026 gibt, und dann beginnen sie, sich auch das größere Bild der Superbikes anzuschauen», erklärte Denning im Exklusiv-Gespräch mit SPEEDWEEK.com.
Wann kümmert sich Liberty Media um die Superbike-WM?
Für die Superbike-WM bedeutet das vor allem eines: Geduld. Kurzfristige Änderungen erwartet Denning nicht. «Ich bin überzeugt, dass wir hier Veränderungen sehen werden, aber ich bin auch überzeugt, dass das nicht kurzfristig passieren wird. Aber sie haben eine Marke gekauft, um damit Geld zu verdienen, und sicher werden sie sich alles ansehen, was sie tun können, um beide Meisterschaften zu stärken. Aber bei den Superbikes wird es ganz klar der zweite Schritt nach der MotoGP sein.»
Aktuell steht die Superbike-WM deutlich im Schatten der MotoGP. Während die Königsklasse weltweit expandiert, kämpft die serienbasierte Serie seit Jahren mit strukturellen Problemen. Abgesehen von Australien finden alle Rennen in Europa statt, die internationale Vermarktung bleibt überschaubar und insbesondere für private Teams wird die Finanzierung zunehmend schwieriger.
Denning beschreibt die Situation differenziert: «Die Superbike-WM ist in mancher Hinsicht ziemlich gesund und hat in anderen Bereichen zu kämpfen. Das Offensichtliche ist der Mangel an internationalen Rennen außerhalb Europas. Auch die Budgets werden für die privaten Teams immer schwieriger zusammenzustellen.»
Sportlich hingegen sieht der Yamaha-Teammanager die Serie auf einem sehr guten Niveau. Trotz des Verlusts von Toprak Razgatlioglu, den Denning als «den Marc Marquez der Superbike-WM» bezeichnet, sei das Racing weiterhin hochklassig. Zudem hebt er die besondere Nähe zu den Fans hervor: «Der Zugang, den die Fans im Fahrerlager haben, ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal und schafft eine besondere Atmosphäre für die Superbikes.»
Dennings großer Traum: Kombinierte MotoGP/Superbike-Events
Für die Zukunft wünscht sich Denning vor allem ein Umdenken bei den neuen Eigentümern. Liberty Media solle die bestehenden Strukturen hinterfragen und neue Wege gehen. «Ich würde mir einfach wünschen, dass Liberty in Zukunft beide Meisterschaften wie ein unbeschriebenes Blatt betrachtet. Weniger fokussiert auf Tradition und das, was vorher war», erklärte er.
Konkret denkt Denning dabei auch an innovative Eventformate und eine engere Verzahnung mit der MotoGP. «Warum sollte die Superbike-WM nicht ein MotoGP-Event in Brasilien unterstützen? Warum nicht beide Rennserien auf derselben Plattform, beim selben Event stattfinden lassen?»
Solche Ideen seien in der Vergangenheit unter Dorna kaum denkbar gewesen. Doch mit Liberty Media könnte sich das ändern. «Das sind die Arten von Ideen, die aufgrund von Tradition und Vergangenheit mit Dorna nie funktioniert hätten, die aber vielleicht in Zukunft auf dem Tisch liegen könnten. Zumindest sind das die Arten von Ideen, von denen ich hoffen würde, dass sie in Betracht gezogen werden.»
Klar ist: Die Superbike-WM steht am Beginn einer möglichen Neuausrichtung. Noch ist von der Liberty-Übernahme wenig zu spüren – doch die Weichen für die Zukunft könnten bereits gestellt werden.
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