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Gerd Schüler wird 85: Das pralle Leben des Rennfahrers und Disco-Betreibers

Profi-Rennfahrer und Disco-Betreiber in Personalunion – Gerd Schüler zählte zu den schillerndsten Figuren der deutschen Rennsport-Szene. Am 20. August wird der umtriebige Vollgas-Athlet 85 Jahre alt.

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Racer Gerd Schüler mit 25 und als umtriebiger Unternehmer 60 Jahre später
Racer Gerd Schüler mit 25 und als umtriebiger Unternehmer 60 Jahre später
Foto: Seufert/Otto
Racer Gerd Schüler mit 25 und als umtriebiger Unternehmer 60 Jahre später
© Seufert/Otto

Wer kannte damals nicht die Discos «Cockpit» in Mannheim, «Grand Prix» in Ludwigshafen, «Perkins Park» in Stuttgart oder die exklusive Party-Location «Dorian Gray» im Untergeschoß des Frankfurter Flughafens?

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Und welcher Fan hat zu dieser Zeit nicht den Racer Gerd Schüler im Alfa GTA oder im Werks-Escort TC am Berg und auf der Rundstrecke bewundert?

Gerd Schüler gehörte zu jener berühmten Mannheimer Racing-Clique der 60er Jahre, die das legendäre Bergrennen Eberbach und das HMSTC-Saisonfinale in Hockenheim zu ihrem alljährlichen Racing-Happening erhoben.

Unvergessen sind die Duelle, die Schüler mit seinen Markenkollegen und Gegnern ausgefochten hat. Das war auch die Zeit, in der er seine Frau Tamara kennenlernte – heute sind die beiden noch immer zusammen und haben schon ihre Goldene Hochzeit gefeiert.

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An Schülers Alfa Giulia Super TI schraubte noch der junge Kfz.-Mechaniker-Lehrling Jochen Mass, sein Teamchef war der rennsportbegeisterte Mannheimer Alfa-Händler Helmut Hähn. «Eine wahnsinnig gute Zeit war das damals», schwärmt Schüler noch heute, «ich habe jeden einzelnen Tag genossen.»

Im Laufe der Jahre wurde aus dem Berg-Spezialisten Schüler einer der vielseitigsten und erfolgreichsten deutschen Rennfahrer. Herausragend sind sein Bergtitel 1965 im Alfa (punktgleich mit Heinz Liedl im Steyr-Puch) und seine zehn Siege bei zehn Starts als Ford-Werkspilot im Bergchampionat 1969.

Zusammen mit Dieter Glemser bildete Schüler 1969 übrigens auch das erste Werksfahrer-Duo der neu geschaffenen Ford-Rennabteilung in Köln unter Sportchef Jochen Neerpasch. Beide Piloten gewannen ausnahmslos all ihre Starts am Berg (Schüler) und auf der Rundstrecke (Glemser).

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Als einen der ganz großen Höhepunkte auf der Rennstrecke bezeichnet Schüler den zweiten Platz im Porsche 908 beim 1000 km Sportwagen-WM-Lauf in Monza 1972 zusammen mit Reinhold Joest. «Im strömenden Regen haben wir uns ein traumhaftes Duell mit dem Ferrari 312 PB von Ickx und Regazzoni geliefert.»

Ausgerechnet Monza, wo Schüler vier Jahre zuvor als Alfa-Werksfahrer bei einem Lauf zur Tourenwagen-EM nur um Haaresbreite einer Katastrophe entging. Nach einem haarsträubenden Crash zog man ihn mit einem doppelten Rückenwirbel- und Beinbruch aus dem völlig zertrümmerten Auto Delta-GTA. «Ich hatte unheimliches Glück, dass ich nicht querschnittsgelähmt im Rollstuhl gelandet bin.»

Ob Abarth TC, Alfa Giulia und GTA, Ford Escort RS, Opel Kadett oder Commodore, Porsche Carrera 6 und 908 oder zum guten Schluß noch der Lola Formel Super VW im ATS-Rennstall seines Kumpels Günther Schmid - rückblickend hat Schüler mit jedem seiner zahlreichen Wettbewerbs-Autos Freundschaft geschlossen und Erfolge eingefahren.

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Nach der motorsportlichen Laufbahn von 1962 bis 1974 hat Gerd Schüler dann gleich seine zwei Karriere gestartet – als Disco-Betreiber und Groß-Gastronom. Zusammen mit seinem Geschäftspartner Michael Presinger betrieben die beiden bis zu 50 Discos und Restaurants gleichzeitig. «Über die Zeitspanne von mehreren Jahrzehnten waren es sogar über 100 Betriebe», rekapituliert Schüler.

Aber wo Licht ist, gibt’s auch Schatten. «Leider wir haben auch kaufmännische Fehler gemacht und teuer dafür bezahlt», so Schülers selbstkritischer Rückblick. Zumindest mit der Edel-Location und Edel-Disco «Dorian Gray» im Frankfurter Flughafen hat er absolut nichts falsch gemacht.

Die bundesweit bekannte und populäre Großraum-Disco mit einem Fassungsvermögen von rund 2000 Gästen wurde zum festen Treffpunkt für den Jet-Set und die Prominenz aus Showbusiness, Sport und Wirtschaft.

In bester Erinnerung sind bis heute die Formel 1-Partys von 1979 bis Ende der 80er-Jahre im Gray geblieben, zu denen immer donnerstags vor dem deutschen Grand Prix in Hockenheim nahezu alle F1-Piloten einliefen.

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«Bernie Ecclestone persönlich hatte nach einer Vorbesichtigung der Location für den Besuch der F1-Party sogar eine Art kollektiven Marschbefehl ausgegeben», so Schüler. Besonders stolz ist er darauf, dass er für das regelmäßige Erscheinen der F1-Superstars «nicht einen Pfenning Startgeld» bezahlen musste.

«Bedauerlicherweise mussten wir diese Goldgrube aber nach 22 Jahren zum 31.12.2000 schließen, weil die neuen Brandschutzauflagen rein baulich nicht mehr umsetzbar waren», erläutert der ehemalige Betreiber nicht ohne Wehmut in der Stimme.

«Wenn ich heute nur daran denke, dass im Gray die berühmtesten DJ’s Europas aufgelegt haben, die abgefahrene Licht- und Lasershows stattfanden und Superstars wie Grace Jones, Roger Moore, Stevie Wonder oder Bianca Jagger öfter bei uns reinschauten, werde ich geradezu sentimental.»

Es waren wirklich wunderbare Jahre, die wir und unsere Gäste im Gray erlebt haben. An das legendäre Dorian Gray erinnert im Frankfurter Flughafen heute wenigstens noch der «Dorian Lounge Airport Club».

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Und natürlich hat Schüler alle Erinnerungen und Erlebnisse aus dieser Zeit sowie auch aus den frühen Rennjahren in seiner kürzlich erschienenen Biografie aufgeschrieben. Titel: «Ein Leben am Limit». Das Werk hat 400 Seiten und ist mit mehr als 1.000 Fotos ausgestattet.

Die erste Auflage ist schon vergriffen, gerade wird nochmal eine überschaubare Stückzahl nachgedruckt. Weil das Buch mit seinen Zusatz-Goodies nicht gerade preiswert ist, spendet der Autor einen Teil des Verkaufs-Erlöses für karikative Zwecke.

Überhaupt hat Gerd Schüler schon immer ein offenes Ohr für Charity-Aktionen. «Mir war ein verdammt gutes Leben vergönnt, also sollen auch Menschen und vor allem Kinder von mir profitieren, deren Leben einen nicht so guten Verlauf genommen hat.»

Der Jubilar wohnt jetzt im hessischen Neu-Isenburg ganz in der Nähe von Frankfurt. Er ist noch total fit und arbeitet derzeit gerade an einem neuen Projekt, das sich mit der Re-Aktivierung der «Frankfurter Goldkammer» beschäftigt. Er möchte daraus einen exklusiven Privatclub mit Museum und Charity-Hintergrund entstehen lassen.

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Lieber Gerd, wir kennen uns seit jenen Tagen, in denen du deine ersten Berge mit Alfa Giulia TI und GTA erstürmt und hast. Das ist jetzt über 60 Jahre her. Zum Abschluss unseres langen Gesprächs für diese Speedweek-Geschichte hast du gesagt, «ich bin ein glücklicher Mensch und vollkommen mit mir im Reinen». Das glaube ich dir ohne Abstriche.

Lass dir gratulieren, gib weiter Gas auf deinem vertrauten Promi-Parkett. Wenn Gesundheit und Glück es gut mit dir meinen, kriegst du vielleicht sogar deinen 90. noch hin. Ich würde dann auch wieder deine Geburtstags-Geschichte mit neuen Taten aus deinem aufregenden Promi-Leben schreiben. Schau’ mehr mal, ob’s klappt.

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