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Vyrus Alyen: 200 PS der Ducati Panigale und technologische Extravaganz

In der Welt der High-End-Motorräder gibt es Maschinen, die funktionale Transportmittel zur schnellen Rundenzeit sind, und es gibt Kreationen, die die Grenzen des technologisch Machbaren sprengen.

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Die aus Rimini stammende Edelschmiede Vyrus, tief verwurzelt in der italienischen Tradition revolutionärer Fahrwerksarchitektur, hat mit der Vyrus Alyen 998 ein Meisterwerk auf zwei Räder gestellt, das die Grenzen des technisch Machbaren auslotet. Inspiriert von den visionären Ideen früherer Bimota-Modelle bricht die Alyen radikal mit fast jeder Konvention des modernen Motorradbaus. Sie wirkt weniger wie ein Serienfahrzeug, sondern vielmehr wie der fahrbare Prototyp aus einem Science-Fiction-Film. Die Italiener selbst beschreiben ihr Werk als «pura follia tecnologica», als reine technologische Verrücktheit.

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Das markanteste und technisch faszinierendste Merkmal der Vyrus Alyen ist der Verzicht auf eine herkömmliche Teleskopgabel. Stattdessen setzt die Manufaktur auf eine Radnabenlenkung. Das Vorderrad von einer markanten Zweiarmschwinge geführt. Die Lenkung erfolgt im Inneren der Radnabe und wird über ein geschlossenes hydraulisches System angesteuert. Der Kopf hinter dieser Konstruktion: Ascanio Rodorigo, einst Ingenieur bei Bimota, der Vyrus vor 40 Jahren gründete.

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Dieses aufwendige Setup trennt die Funktionen Lenken und Federn vollständig voneinander. Beim harten Anbremsen taucht die Front nicht ein, es steht in dieser Phase der volle Federweg zur Verfügung. Die Bremskräfte werden direkt ins Chassis geleitet, wodurch die Aufhängung frei arbeiten kann und das Motorrad selbst bei abrupten Bremsmanövern absolut stabil bleibt. Das System von Vyrus bietet grosse geometrische Flexibilität. Der Winkel der Lenkachse lässt sich zwischen 65 und 73 Grad justieren, während der Nachlauf zwischen 84 und 112 mm variiert werden kann. Damit wird die Geometrie zu einem schnell anpassbaren Parameter und damit in der Praxis zu einem echten Abstimmungswerkzeug.

Unter der futuristischen Hülle der Alyen schlägt ein bekanntes, extrem potentes Herz: Vyrus verbaut den Superquadro-V2-Motor von Ducati mit 1.285 ccm Hubraum – das Aggregat, das unter anderem die Panigale 1299 berühmt machte. Dieser wassergekühlte, Zweizylinder mit desmodromischer Ventilsteuerung leistet 200 PS bei 10.500/min.

Nicht nur die Vorderradführung ist unkonventionell, auch das Chassis der Alyen ist einzigartig. Der Motor ist als tragendes Element in eine Rahmenkonstruktion integriert, die aus zwei seitlichen Magnesium-Gussteilen im Omega-Design besteht, welche die beiden Schwingenachsen aufnimmt. Da erinnern sich SPEEDWEEK-Leser gesetzteren Alters an die einst flopende Yamaha GTS1000. Das Federhein der Hinterrad-Aufhängung ist quer zur Fahrtrichtung zwischen Motor und Schwinge verbaut und wird über ein Hebelsystem betätigt.

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Kombiniert wird die ultraleichte Konstruktion mit einer selbsttragenden Tank-Sitz-Kombination aus Karbon. Die Karbon-Räder stammen vom slowenischen Spezialisten Rotobox und tragen Reifen der Dimensionen 120/70 ZR17 vorne und mächtige 200/60 ZR17 hinten. Das Resultat dieser extremen Materialauswahl ist ein Trockengewicht von 171 kg.

Optisch macht die Alyen ihrem Namen alle Ehre. Die Linienführung gleicht einer aggressiven Skulptur aus Winkeln, Kanten und dunklen Kohlefaser-Paneelen. Die spitz zulaufende LED-Scheinwerfermaske erinnert an das Gesicht einer außerirdischen Kreatur. Über dem massiven Kühler ragen aerodynamische Flügelelemente empor. Massive Handprotektoren dienen als aerodynamische Schilde und tragen die Lenkerendspiegel.

Unter dem Motor streckt sich ein geschuppter Bugspoiler, während das minimalistische Ein-Mann-Sitzbrötchen aus feinstem Leder in zwei seitlichen Flügeln ausläuft. Dahinter mündet die Auspuffanlage in zwei riesigen, unter dem Heck platzierten Trichtern.

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Die Vyrus Alyen ist kein Massenprodukt. Neun Jahre Entwicklungszeit flossen in dieses Projekt, und die weltweite Produktion ist auf lediglich 20 Exemplare limitiert. Jede einzelne Maschine wird im Werk in Rimini in Handarbeit maßgeschneidert auf die Ergonomie ihres Besitzers abgestimmt, sodass keine Vyrus Alyen gleich ist wie eine zweite.

Einen offiziellen Listenpreis gibt es nicht – Vyrus nennt den Preis nur auf ernsthafte Anfrage. Bereites Sie sich seelisch auf die Nennung einer sechsstelligen Zahl vor für den Erwerb dieses rollenden Kunstwerks.

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