KTM und Husqvarna: Echte Rivalität? Oder Kooperation?

Von Günther Wiesinger
Dakar Moto

KTM führt bei der Rallye Dakar mit Toby Price, als bester Husqvarna-Pilot liegt Pablo Quintanilla auf Platz 4. Die Motorräder sind fast identisch, aber auf der Piste herrscht ein klarer Konkurrenzkampf.

Kann es bei der Rallye Dakar sogar noch zu einem internen Fight KTM gegen Husqvarna kommen? Pablo Quintanilla liegt jetzt auf der besten Husqvarna an vierter Stelle. Aber er hat bereits 21:26 min Rückstand auf Leader Toby Price. «Das glaube ich nicht, nein», sagt KTM-Sportmanager Heinz Kinigadner. «Er ist ein Chilene und fährt sehr kontrolliert und sehr sauber. Er hat das Motorrad noch nie umgeschmissen, aber er verliert eigentlich jeden Tag Zeit. Pablo Quintanilla hat gute Chancen, in Podiumsnähe zu kommen. Aber zum Gewinnen wird es ihm noch nicht reichen.»

Heinz Kinigadner hatte vor dem Dakar-Start Barreda, Goncalves, Price und Walkner als Favoriten genannt, Ruben Faria fehlte in seiner Aufzählung, aber der Husqvarna-Pilot lag in der ersten Woche aussichtsreich an zweiter Stelle. Bis zum Crash am Samstag.

«Faria war überraschend gut dabei, den habe ich nie so weit vorne erwartet», räumt Heinz Kinigadner ein, der 250-ccm-Motocross-Weltmeister von 1984 und 1985. «Ich habe ihn nie so weit vorne eingereiht, dass ich sagen hätte können, er hat eine Chance auf einen Podestplatz. Er war für uns alle wirklich eine Überraschung. Leider ist er ausgeschieden. Aber er hat in der ersten Woche gezeigt, dass man mit ihm rechnen muss. Faria hat auch einen Vertrag für nächstes Jahr. Er ist also sowieso noch mit dabei. Leider ist dann bei Husqvarna auch noch Enduro-Weltmeister Bela Renet durch den schweren Sturz ausgeschieden. Er hat eine schwere Gehirnerschütterung erlitten.»

Wie ernsthaft bekämpfen sich die unter einem Dach befindlichen Marken KTM und Husqvarna im fernen Bolivien und Argentinien? Sind die Teams einander spinnefeind? Oder werden Synergien genützt, um gemeinsam gegen den japanischen Feind Honda die Oberhand zu behalten?

Kinigadner: «Es gibt Unterschiede bei der Betreuung der Fahrer, aber keine strenge. Wir haben zum Beispiel zwei Motorenleute mit, die alle 450-ccm-Motoren revidieren, also von KTM und Husqvarna. Die Techniker von WP Suspension kümmern sich natürlich auch um beide Werksteams. Aber alles andere ist getrennt. Es gibt mit Daniel Trauner bei Husqvarna einen eigenen Teammanager, bei KTM ist Alex Doringer verantwortlich. Husqvarna hat einen eigenen Truck für die Fahrer. Das ist alles getrennt. Aber man würde zum Beispiel beim Reifenkontingent zusammenarbeiten, wenn es notwendig wäre. Da würde man sich gegenseitig helfen, schätze ich. Aber da sich Walkner zerlegt hat, besteht auch bei KTM kein Reifenengpass. Wir haben jedoch zwei konkurrierende Fabrikate und zwei konkurrierende Sponsoren drauf, also gibt es unterschiedliche Strategien. Die Fahrer müssen auf der Strecke den Unterschied ausmachen. Da existiert keine gegenseitige Hilfe, es sei denn, es passiert so ein Unfall wie bei Walkner, dem Goncalves wirklich extrem kameradschaftlich geholfen hat. Die Fans hat das begeistert, weil man im Rallyesport nicht nur auf die Sekunden schaut, sondern bei Notfällen auch stehenbleibt, wenn der Gestürzte für eine andere Marke fährt. Das war eine sehr gute Aktion von Goncalves, der sehr nett ist und den alle mögen.»

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