DTM

Bitterer DTM-Titelrückschlag: «Das frisst einen auf!»

Von - 14.09.2019 19:27

Nico Müller macht den ersten Frühstart seines Lebens in der heißen Titelkampfphase. Tabellenführer René Rast fühlt mit, will den Sack trotzdem zumachen.

René Rast steht kurz vor seinem zweiten Titelgewinn in der DTM. Deshalb wird der Audi-Star auch weiterhin an seinen Gewohnheiten festhalten. Heißt: Vor dem 16. Saisonrennen am Sonntag wird er seinen Sieg am Samstag analysieren, Daten studieren, lange wach bleiben also.

Und: Rast wird am Sonntag extrem stinken. Sehr zum Leidwesen der Mechaniker, die ihm zu nahe kommen werden. Denn: Er pflegt das Ritual, den vom Siegeschampagner getränkten Rennanzug nach einem Sieg am Samstag auch am Sonntag anzuziehen. Waschen verboten.

Wenn’s Glück bringt? Auch wenn er das offenbar nicht benötigt, denn der 32-Jährige läuft wie ein Uhrwerk. Nach seinem sechsten Saisonsieg hat er 47 Punkte Vorsprung auf seinen Verfolger Nico Müller. Heißt: Er benötigt am Sonntag neun Punkte mehr als der Schweizer, der ausgerechnet in diesem Rennen den ersten Frühstart seines Lebens fabrizierte und nach einer Durchfahrtsstrafe leer ausging.

Rast fühlt mit. «Wenn ich in der Situation wäre, würde ich mich wahrscheinlich verbuddeln. Wenn die Technik streikt? So what, daran kann ich nichts ändern. Aber wenn ich die Meisterschaft durch einen Frühstart vergeige, dann zehrt das an einem. Das frisst einen innerlich auf», sagte Rast SPEEDWEEK.com.

Müller war es nicht nur anzumerken, er machte aus seinem Frust gar keinen Hehl. «Das wurmt mich richtig. Da habe ich einmal einen Fehlstart im Leben und dann heute, das ist schon richtig Kacke. Das tut weh», sagte er SPEEDWEEK.com.

Doch warum kam es überhaupt zu diesem Frühstart? «Die Kupplung hat zugemacht. Anstatt das Auto abzuwürgen, habe ich darauf spekuliert, dass die Ampel ausgeht.« Ein paar Zehntelsekunden fehlten dann allerdings, er zuckte viel zu früh und konnte nichts mehr retten – Durchfahrtsstrafe.

Generell sind die Starts in dieser Saison schwieriger geworden, da es weniger technische Hilfsmittel gibt, um das Auto vorzuspannen. Früher konnten die Fahrer die Starts im Schlaf, heute sind sie fast schon knifflige Kunststücke. Erinnerungen werden da wach an Rasts peinlichen Abwürger am Norisring. Das Fehlerpotenzial ist mit dem neuen Prozedere hoch.

Vorspannen können die Fahrer immer noch, dabei müssen sie jetzt aber mit zwei Füßen drei Pedale betätigen. So wie Müller das bereits die ganze Saison macht. «Es ist schwierig hinzubekommen. Es bringt mehr Performance beim Start, hat aber auch ein größeres Risiko», sagte er.

Vor allem dann, wenn die Ampel wie am Samstag lange auf Rot bleibt. Müller: «Denn dann generiert die Kupplung unter Spannung Temperatur, und je wärmer eine Carbon-Kupplung wird, desto höher wird der Reibwert, und dann macht sie zu.» Müller wollte das Prozedere für den Titelkampf noch optimieren, was aber in die Hose ging. «Es war wohl etwas zu aggressiv.» Beibehalten will er es trotzdem.

Auch Rast wird sich vor dem nächsten Showdown nicht mehr ändern. Soll heißen: Er stinkt und haut auch immer noch keine Titel-Parolen raus. Vielmehr weiß er, dass es für die DTM natürlich besser wäre, wenn der Titelkampf bis zum Finale halbwegs spannend bleiben würde.

Doch er weiß auch aus eigener Erfahrung, dass es schnell gehen kann mit technischen Defekten oder Ausfällen: «Das war ein großer Schritt, aber stell dir vor, ich habe einen Nuller und Nico gewinnt, dann fahren wir mit ganz anderen Voraussetzungen nach Hockenheim», sagte er: «Deshalb würde ich es natürlich annehmen. Das Qualifying wird entscheidend sein.»

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