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MZ-Insolvenz: Schwere Zeiten für Martin Wimmer

Von - 06.01.2013 09:46

Beim sächsischen Motorradwerk MZ gehen bald die Lichter aus. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ex-Chef Wimmer.

Um die Motorenwerke Zschopau GmbH (MZ) und um MZ Racing ist es in den letzten Monaten ruhig geworden. MZ leistete sich zwar auf der Intermot in Köln noch einen prächtigen Stand, es wurde von neuer Patenten für Zylinderköpfe fantasiert und die «neue» 125-ccm-Viertakt-MZ ausgestellt, deren Motor im Grunde 15 Jahre alt ist und schon damals in erster Linie wegen seines schwachen Drehmoments verlacht wurde.

Seit September ist bei MZ in Hohndorf der Insolvenzverwalter am Ruder. Er lässt noch einen Auftrag der Schweizer Post abwickeln, es geht hier um dreirädrige Elektro-Mopeds. Der im September von Martin Wimmer eingereichte Sanierungsplan verdiente offenbar seinen Namen nicht. Die ständigen Finanzlücken und das dauernde Bitten um weitere Darlehen dürften auch Investor Peter Ertel irgendwann vergrämt haben.

Der gescheiterte MZ-Geschäftsführer Martin Wimmer geht schweren Zeiten entgegen. Seine Gläubiger haben im Herbst auf Ersuchen der Kripo Chemnitz, Abteilung Wirtschaftskriminalität, umfangreiche Vernehmungsbogen ausfüllen müssen. Die Staatsanwaltschaft Chemnitz ermittelt gegen Wimmer wegen des Verdachtes auf Insolvenzverschleppung und schweren Betrug. «Unsere Antworten im Vernehmungsbogen haben diese Anschuldigungen natürlich bestätigt», erklärte ein Gläubiger gegenüber www.speedweek.com

Wimmer schien bald nach der Übernahme von MZ im Frühjahr an Realitätsverlust zu leiden. Er liess mehrmals anklingen, wenn all seine Patente angemeldet seien, könne KTM zusperren, er verglich sich immer wieder mit dem erfolgreichen österreichischen Werk. Auch als MZ im Frühjahr 2012 Kurzarbeit anmelden musste, erklärte Wimmer: «KTM musste das 2008 auch machen.»

Wimmer machte im April 2010 plötzlich «dunkle Kräfte» für die Absage des Bankenkonsortiums verantwortlich. «Die ‹dunklen Kräfte›, die hinter der Bankenabsage stecken, befinden sich möglicherweise im Wirtschaftsministerium Sachsens», vermutete Wimmer damals gegenüber SPEEDWEEK. «Es gibt ein Gerichtsverfahren unter dem Aktenzeichen 9 O 1443/09, bei dem ich als Zuhörer anwesend war und bei dem ich interessante Neuigkeiten erfahren habe. Um Fördergelder vom Vorbesitzer von MZ, der MuZ Motorrad und Zweiradwerke GmbH,  zurückfordern zu können, wurde von den rechtlichen Vertretern des Freistaats Sachsen behauptet, die Investorengruppe um mich sei unglaubwürdig und nicht in der Lage, die Produktion zu beginnen! Die schon fast feststehende Bankenzusage wurde kurz vor dem Gerichtstermin abgewürgt! Die absagende Bank steht im direkten Zusammenhang mit dem Freistaat Sachsen», gab  Wimmer seine Verschwörungstheorien preis. «Ich prüfe gerade die Zusammenhänge!»

Die Absicht, bei MZ möglichst viele der 49 Arbeitsplätze zu retten, war im September 2012 längst zum Scheitern verurteilt. Mit Elektrorollern ist heute kein Staat zu machen. Vielversprechende Motorradprodukte fehlten auch nach vier Jahren. «Ich habe immer dafür plädiert, MZ zu den Ursprüngen zurückzuführen, also preiswerte, bodenständige Enduro-Maschinen mit 125, 250 oder 600 ccm zu bauen», sagt der ehemalige 250-ccm-Vizeweltmeister Ralf Waldmann, der seine MZ-Anteile nach einem Jahr wieder verkauft hat.

MZ Racing (Firmensitz in Hongkong) sieht sich mit Sammelklagen diverser Gläubiger vom Racing Team Germany über Pro-Ride-Teamchef Marco Nicotari, dem IAMT-Team bis zu Dietmar Franzen konfrontiert, denn Wimmer (54) ist vielen Partnern Geld schuldig geblieben. Rund 140.000 Euro zum Beispiel beim spanischen Rennstallbesitzer Alex Debon. Dessen Truck, den Wimmer trotz eines aufrechten Vertrags nie bezahlte, hat inzwischen das Dynavolt Intact GP Moto2 Team (Fahrer: Sandro Cortese) gekauft.

Der Australier Warren Willing, ehemaliger Technik-Direktor bei MZ, verzichtete wie manch anderer Gläubiger (zum Beispiel Jonas Folger) auf eine Klage. «Bei MZ ist ohnedies nichts zu holen», hielt Willing fest. Er hat für die ersten fünf Monate Arbeit 2012 weder Gage noch Spesen erhalten. Als er schliesslich in Le Mans nicht mehr aufkreuzte, hiess es bei MZ, er sei an Grippe erkrankt.

Kurz zuvor hatte Martin Wimmer noch ausposaunt, demnächst werde Toni Finsterbusch für seinen NSF 250R-Motor ein exklusives neues MZ-Chassis erhalten, womöglich schon für den dritten WM-Lauf in Estoril.

Willing schüttelte angesichts solcher Aussagen ungläubig den Kopf. «Das Design befindet sich auf meinem Computer», hielt er beim Saisonauftakt in Katar fest. «Da ich 2012 nie bezahlt wurde, wird es nie bei MZ landen. Selbst wenn ich die Zeichnungen zur Verfügung stellen würde, wäre bei MZ niemand im Werk fähig, ein Chassis anzufertigen. Es fehlt hinten und vorne an Geld.»

Von Martin Wimmer ist nicht viel zu hören. Er pendle zwischen Amerika und Deutschland, wird erzählt. Es heisst, er habe keinen Wohnsitz in Deutschland und selbst während seiner MZ-Zeit jahrelang im Hotel gewohnt. Der ehemalige 250-ccm-Werksfahrer von Yamaha, Suzuki und Aprilia hat zu Beginn seiner MZ-Ära am Gebaren seines Vorgängers Petr Karel Korous kein gutes Haar gelassen. Er ist aber als Geschäftsmann genau so grandios gescheitert.

Es fällt schwer, in diesem Zusammenhang das Wort Grössenwahn zu vermeiden.

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Martin Wimmer und Jonas Folger © Weisse Martin Wimmer und Jonas Folger
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