Superbike-WM

Fatale Dummheit: Die Ursache von Lavertys Handbrüchen

Von - 14.05.2019 15:54

Eugene Laverty sprach nach seinem Unfall bei der Superbike-WM in Imola von einer «Fehlfunktion der Traktionskontrolle». Wie sich herausstellte, hat der Nordire diese nach Rücksprache mit dem Go-Eleven-Team abgeschaltet!

Weil die Mehrfachbrüche in Eugene Lavertys linker und rechter Hand so gravierend sind, dass sein Kreislauf eine lange Operation nicht verkraftet hätte, wurde der Nordire nach seinem Sturz im ersten freien Training der Superbike-WM in Imola auf zweimal operiert.

Die Erstversorgung erfolgte am Freitag im Krankenhaus von Imola, die Operation am rechten Handgelenk nahm Dr. Xavier Mir in der Klinik Dexeus in Barcelona am Samstagmorgen vor, am Montag folgte das linke.

Während Laverty nach dem Sturz von einer «Fehlfunktion der Traktionskontrolle» sprach, räumte Go-Eleven-Teamchef Gianni Ramello gegenüber SPEEDWEEK.com bereits am Freitag ein, dass es ein größeres Problem mit der Elektronik gab. «Im Computer konnten wir sehen, dass die Traktionskontrolle mal arbeitete und mal nicht. Was genau los ist kannst du aber nur herausfinden, wenn du mit dem Motorrad fährst.»

Obwohl Laverty sechs Sekunden langsamer fuhr als gewöhnlich, stürzte er!

Bei Ducati herrschte über die Handhabung des Elektronikproblems Entsetzen. «Die Traktionskontrolle wurde ausgeschaltet», erklärte einer der Technikexperten. «So geht das nicht. Wenn es ein Problem mit der Elektronik gibt, dann muss das Motorrad in der Box bleiben.»

Inzwischen haben alle bei Go Eleven eingesehen, dass sie einen kapitalen Fehler machten, den ihr Fahrer teuer bezahlen muss.

«Wir hatten ein Problem mit der Traktionskontrolle, also kam Eugene nach einer Runde zurück an die Box», schilderte Teammanager Denis Sacchetti. «Wir haben dann alle Daten überprüft, alles sah korrekt aus, wir konnten das Problem nicht finden. Wir erzählten das Eugene und er stimmte zu, noch einmal auf die Strecke zu fahren und es zu versuchen. Sollte es erneut ein Problem mit der Traktionskontrolle geben, würde er sie manuell abschalten – die Entscheidung lag bei ihm. So fuhr er eine Runde, weit entfernt von seiner normalen Pace, sicher und langsam. Dann kam er in Acque Minerali auf die Kerbs, der Hinterreifen verlor den Kontakt zum Asphalt, drehte durch und bei der nächsten kleinen Welle flog er ab.»

«Ich stimme den Ducati-Technikern zu», zeigt sich Sacchetti reumütig. «Aber den Daten nach war alles in Ordnung. Und Eugene hat für sich selbst entschieden, so zu fahren und es zu versuchen.»

Für Laverty ist es die zweite schmerzhafte Erfahrung mit seinem neuen Team in diesem Jahr: In Thailand musste er bei über 200 km/h von seiner Ducati V4R abspringen, weil die Vorderradbremse versagt hatte – wahrscheinlich war Luft im Öldrucksystem.

Wie lange der Nordire ausfällt, steht noch nicht fest. Bis zum nächsten Event in Jerez am zweiten Juni-Wochenende sind es noch gut drei Wochen. Sollte Laverty nicht fit sein, was angesichts der Schwere der Verletzungen wahrscheinlich scheint, wird von Go Eleven Ducati erneut BSB-Leader Tommy Bridewell aufgeboten, der sich in den Rennen mit den Plätzen 12 und 11 beachtlich schlug. Der Brite hatte nur FP3 am Samstagmorgen und das Qualifying als Training, nie zuvor fuhr er mit der ausgefeilten Ducati-Elektronik von Magneti Marelli. Auch die Federelemente von Bitubo und die Bremsscheiben von Galfer waren neu für ihn.

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Eugene Laverty (li.) mit Teammanager Denis Sacchetti © Gold & Goose Eugene Laverty (li.) mit Teammanager Denis Sacchetti Tommy Bridewell (vorne) ließ einige Gegner hinter sich © Gold & Goose Tommy Bridewell (vorne) ließ einige Gegner hinter sich
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