Liam Lawson (Racing Bulls): «Meine Familie hat so viel aufgegeben...»
Seltene Einblicke von Liam Lawson: Der Racing Bulls-Pilot spricht offen über die Opfer, die seine Familie für seine F1-Karriere gebracht hat. Welche Rolle eine Botschaft von seinem Bruder spielt...
Der Weg an die Spitze des Motorsports ist schwierig, teuer und für viele junge Fahrer ein Traum, der nie in Erfüllung geht. Nur 22 Fahrer pro Saison – bis einschließlich 2025 sogar nur 20 – können sich den Traum von der Formel 1 verwirklichen. Auf dem Weg dorthin wurden hunderttausende, meist eher Millionen Euro investiert, um im Kartsport und später den Nachwuchsserien zu fahren. Neben Talent braucht es Geld, Sponsoren und jede Menge Hartnäckigkeit, Ehrgeiz und manchmal auch eine Prise Glück. Und ein weiterer Preis, der gezahlt werden muss, wird oft übersehen: der emotionale. Für den Fahrer, aber auch für seine Familie.
Ist ein Formel-1-Fahrer glücklich?
Racing Bulls-Pilot Liam Lawson spricht nun im «High Performance Podcast» erstaunlich offen darüber. Der Neuseeländer sagt: «Die Menschen denken vermutlich, dass ich um einiges glücklicher bin wegen der Position, in der ich bin.» Dabei verwendet er das englische Wort happy, nicht lucky. Er bezieht sich also auf den emotionalen Zustand, nicht die Umstände seiner beruflichen Situation.
Lawson: «Versteht mich nicht falsch, es ist nicht so, dass ich nicht verstehe, was für ein Glück ich habe, hier zu sein (hier sagt er dann lucky, Anm.). Aber gerade, weil wir so fokussiert und zielstrebig auf dieses eine Ziel hinarbeiten, habe ich das Gefühl, dass ich erst glücklich (happy, Anm.) bin, wenn ich es erreicht habe. Ich habe natürlich Momente, in denen ich glücklich bin, es ist nicht so, dass ich die ganze Zeit nicht glücklich bin, aber insgesamt gesehen im Leben im Moment...»
Familie gab alles für Lawsons Rennsportkarriere
Und auch für Lawsons Familie war es nicht immer einfach. Der Kiwi-Pilot verrät: «Meine Eltern haben kürzlich diese Karte gefunden, die mein Bruder geschrieben hatte, als er fünf oder sechs Jahre alt war, und darauf stand: ‹Lieber Papa, wenn ich Rennsport mag, verbringst du dann auch ein bisschen mehr Zeit mit mir, so wie mit Liam?›» Lawson ist das mittlere von fünf Kindern. Neben seinem Bruder Marcos hat er drei Schwestern (Jessica, Holly und Leah).
Eine Motorsportkarriere bedeutet für eine Familie viel: Die meisten Wochenenden sind voller Reisen, all das ist furchtbar teuer. Oft muss der Wohnort, der Job gewechselt, Vermögen fürs Racing ausgegeben werden... Gerade, wenn die aufstrebenden Fahrer noch minderjährig sind, müssen die Eltern viel managen und dabei sein (und wollen es vermutlich auch). Viel los – und da fällt dann ein Geschwisterchen schon mal durchs Raster wie offenbar bei Lawson.
Lawson stolz auf seine Familie
Lawson: «Ganz ehrlich, meine Geschwister und meine ganze Familie haben so viel aufgegeben. Niemals in den Urlaub gefahren, nie irgendwas zu machen. Nur immer…» Er bringt den Satz nicht zu Ende, ist merklich emotional. «Ich habe eine großartige Familie.» Zwischen seinem Bruder und Liam ist aber kein böses Blut. Lawson: «Ich habe ihm gesagt, sorry mate! Er schaut sich das jetzt an und lacht und findet das lustig. Aber ich denke da an jedes einzelne Wochenende, das ich weg war...» Für Lawson haben sich die Opfer gelohnt. Er geht am Wochenende in seinen 43. Grand Prix.
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