Hard Enduro WM: Manuel Lettenbichler (KTM) siegte beim Alestrem
Manuel Lettenbichler wird nachträglich zum Sieger des Alestrem in Frankreich, einer denkwürdigen 1. Runde der FIM Hard Enduro WM, erklärt. Billy Bolt wird Zweiter, Teodor Kabakchiev Dritter.
Bevor wir auf das Rennen eingehen: Nicht nur das Wetter sorgte beim Main Event des Alestrem in der Nähe von Montpellier im Süden Frankreichs am Sonntag für chaotische Verhältnisse, sondern auch der Umgang der Rennleitung und des Promoters mit der Situation im und nach dem Rennen. Darüber hinaus resultierten die neuen Restriktionen des Promoters der FIM Hard Enduro WM, der Hard Enduro Promotions Marketing Management LLC mit Sitz in Dubai, darin, dass eine Reihe von internationalen und renommierten Pressevertretern erst gar nicht zum Event erschienen. Die Live-Übertragung vom Hauptrennen wurde auch daher mit Spannung erwartet – und die Erwartungen wurden mehr als enttäuscht. Die entscheidenden Passagen wurden nicht gezeigt, die Kommentatoren waren völlig orientierungslos und im Ziel wurden die Fahrer nicht interviewt. Das macht dem Zuschauer nicht Lust auf mehr, es schreckt ab. Der Publikumswirksamkeit des Sports wurde hier ein Bärendienst erwiesen!
Doch nun zum Renngeschehen: Alle Fahrer absolvierten am Freitag einige Runden auf der «Xtrem-Strecke», bevor es am Samstag in den Prolog ging, den Billy Bolt auf seiner Husqvarna für sich entschied. Am Sonntagnachmittag ging es dann auf die zunächst staubtrockene Strecke, auf der insgesamt drei unterschiedliche Runden zu absolvieren waren. In der zweiten Hälfte der insgesamt knapp vier Stunden Renndauer setzte dann wolkenbruchartiger Regen ein, der insbesondere den Amateuren in den Auffahrten arg zu schaffen machte.
Lettenbichler lag zunächst vorne, der Bulgare Teo Kabakchiev (Sherco), der das Alestrem im vergangenen Jahr für sich entscheiden konnte, und Billy Bolt auf seiner Husqvarna blieben dem Bayern aus Kiefersfelden allerdings im Nacken. Nach dem 2. Tankstopp legte Bolt dann zwei Bestzeiten vor, bevor Lettenbichler dann souverän in vier gezeiteten Sektionen vorne lag.
Was dann passiert ist, kann man aktuell nur den Aussagen von Fahrern wie Lettenbichler und Bolt in ihren Social Media Accounts entnehmen. Eine offizielle Stellungnahme seitens des Promoters ist auch einen Tag später nicht vorhanden. Während des Rennens wurde der Track aufgrund der Witterungsverhältnisse in der dritten Runde geändert, sodass der Track der ersten Runde gefahren werden sollte, weil das Limit von vier Stunden Renndauer auch für die Top-Fahrer an der Spitze des Rennens nicht gereicht hätte. Die zwei Marshalls auf der Strecke hatten den zu dem Zeitpunkt führenden Lettenbichler an der relevanten Stelle nicht in den Shortcut auf die Strecke der ersten Runde geleitet, sodass der Bayer einige Zeit auf der falschen Strecke unterwegs war. Nach ihm wurden alle weiteren Fahrer richtig geleitet, sodass Lettenbichler im Ziel mit einem Rückstand von gut zehn Minuten hinter Bolt gestoppt wurde. Die FIM hat dann entschieden, das Rennen nicht im Ziel, sondern mit den Zeiten des letzten Checkpoints vor dem Ziel zu werten. Skandalös dabei: Diese Entscheidung wurde erst getroffen, als dem «FIM Clerk of the course» Beweismittel vorgelegt wurden, die den Vorgang wie oben beschrieben eindeutig nachgewiesen haben. Somit gewann Lettenbichler vor Bolt und Kabakchiev.
In der (provisorischen) Punktwertung liegt Bolt nun nach dem ersten von neun Rennen mit 29 Punkten einen Punkt vor Lettenbichler mit 28 Punkten. Kabakchiev folgt als Dritter mit 22 Punkten.
Erwähnenswert noch: Der Brite Toby Martin fuhr mit seiner elektrisch angetriebenen Stark in die Top-10 und wurde Neunter, der Schwede Eddie Karlsson pilotierte seine Stark auf Platz 10.
Nachdem das Alestrem ebenfalls in dem Hard Enduro World Ranking und dort in der Kategorie Premium gelistet ist, wird dort ein Führungswechsel erwartet, wenn die Ergebnisse aus Frankreich offiziell von der FIM bestätigt und in das Ranking eingepflegt wurden. In der FIM Hard Enduro WM folgt nun Anfang Mai das XL Lagares in Portugal.
Manuel Lettenbichler: «Das war alles ein Durcheinander. Ich war in der dritten Runde an der Spitze unterwegs, als die Rennleitung entschieden hat, den Track zu ändern. Die Marshalls hatten mich allerdings nicht in den geänderten Track geleitet. Das Wochenende ist sonst für mich ganz ordentlich verlaufen.»
Billy Bolt: «Es war ein ziemlich chaotisches Rennen, das nicht einfach zu kontrollieren war. In der ersten Runde fühlte ich mich mit dem Tempo nicht ganz wohl, und Mani fuhr wirklich gut, deshalb musste ich hart kämpfen, um im Rennen zu bleiben. Als der Regen einsetzte, änderte sich alles. Die Strecke wurde dadurch viel technischer und rutschiger, was mir besser lag und mir erlaubte, mich auf sauberes Fahren und einen guten Rhythmus zu konzentrieren. In der letzten Runde gab ich alles, um wieder nach vorne zu kommen, und hatte das Gefühl, dass noch mehr drin war. Durch die Verkürzung des Rennens wurde mir diese Chance jedoch etwas genommen. Trotzdem bedeutet der zweite Platz und der Prolog-Sieg, dass wir als Führende der Meisterschaft abreisen, was ein solider Saisonstart ist. Die Atmosphäre war das ganze Wochenende über unglaublich.»
Ergebnisse FIM Hard Enduro WM Runde 1 von 9, Alestrem, Frankreich:
Manuel Lettenbichler (D, KTM) 3:40:50
Billy Bolt (UK, Husqvarna) +0:48
Teodor Kabakchiev (BG, Sherco) +5:56
Mario Román (E, Husqvarna) +6:15
Wade Young (ZA, KTM) +10:21
Mitch Brightmore (UK, GASGAS) +13:24
Ashton Brightmore (GBR, GASGAS) +14:32
Matthew Green (ZA, KTM) +20:05
Toby Martyn (GBR, STARK) +27:46
Eddie Karlsson (S, STARK) +29:10
Vorläufiger WM-Stand Top-5 nach 1 von 9 Rennen:
Billy Bolt (UK, Husqvarna) 29 Punkte
Manuel Lettenbichler (D, KTM) 28
Teodor Kabakchiev (BG, Sherco) 22
Mitch Brightmore (UK, GASGAS) 20
Ashton Brightmore (GBR, GASGAS) 17
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