Red Bull Romaniacs: FIM entzieht Hard-Enduro-Event offizielle Anerkennung
Die FIM streicht die Red Bull Romaniacs aus dem NMFP-Kalender und entzieht alle FIM-Leistungen inklusive Fahrer-Versicherung. Grund: Teilnahme am Hard Enduro World Ranking (HEWR). Ein Machtkampf?
Die Fédération Internationale de Motocyclisme (FIM) hat in einem Rundschreiben an alle internationalen Büros klargestellt: Ein Event, das seit Jahren zu den absoluten Highlights und Härtetests im Hard Enduro zählt, die Red Bull Romaniacs, gehören nicht mehr zum «National Meetings open to Foreign Participation (NMFP)»-Kalender. Damit verliert das traditionsreiche Event jegliche FIM-Sanktionierung und vor allem die wichtige Fahrer-Versicherung.
In dem Schreiben, das SPEEDWEEK.com vorliegt, begründet die FIM den Schritt mit «anhaltender Verwirrung» in der Szene. Man habe versucht, die Romaniacs in den Kalender der FIM Hard Enduro World Championship (HEWC) zu integrieren, sei aber mit dem Veranstalter zu keiner Einigung gekommen. Entscheidend sei jedoch die Beteiligung der Romaniacs am Hard Enduro World Ranking (HEWR).
Was ist das Hard Enduro World Ranking eigentlich?
Im Gegensatz zu dem, was das FIM-Schreiben suggeriert, handelt es sich beim HEWR eben nicht um eine weitere Weltmeisterschaft oder die Vergabe eines offiziellen Weltmeister-Titels. Es ist ein unabhängiges, globales Ranglisten-System nach dem Vorbild des ATP-Rankings im Tennis. Organisiert von den Veranstaltern von Red Bull Romaniacs (Martin Freinademetz) und Red Bull Erzbergrodeo (Karl Katoch), bewertet es Ergebnisse aus internationalen Hard-Enduro-Events und schafft eine transparente, globale Vergleichbarkeit der Fahrerleistungen – jedoch ohne zentrale «World Champion»-Krönung.
Trotzdem sieht die FIM hier eine Verletzung ihrer Rechte. Im Schreiben heißt es wörtlich, dass die Verwendung des Begriffs «World» sowie die Nutzung von Ergebnissen für ein externes Ranking «eine direkte Verletzung von FIM-Eigentumsrechten» darstelle. Die FIM beruft sich dabei auf ihre Statuten und ihre alleinige Anerkennung durch das Internationale Olympische Komitee (IOC).
Dieses harte Durchgreifen wirft Fragen auf. Die FIM positioniert sich als alleinige Hüterin des internationalen Hard-Enduro-Sports – ein Anspruch, der vielleicht durch ihre eigenen Statuten gedeckt sein mag. Gleichzeitig wirkt der Schritt wie ein klassischer und verzweifelter Versuch der Machterhaltung. Statt den Boom des Hard Enduro zu fördern und innovative, fahrerfreundliche Formate wie das HEWR zu integrieren oder damit im Sinne der Entwicklung des Sports zu kooperieren, wird mit Ausschluss und Versicherungsentzug nicht nur gedroht, sondern dieser auch vollzogen. Freinademetz und Katoch haben immer wieder betont, mit der FIM durchaus kooperieren zu wollen und waren gesprächsbereit. Die zunächst vielversprechenden Gespräche endeten dann aber in einem einseitigen Abbruch durch die FIM.
Richtig ist, dass Katoch und Freinademetz im vergangenen Jahr zwei Weltmeistertitel vergeben haben. Das aber wurde initiiert, als sich der ehemalige Promoter der FIM Hard Enduro World Championship zurückgezogen hatte und eine Saison ohne WM-Titel drohte. Wäre also 2025 eine theoretische Berechtigung vorhanden gewesen, so entbehrt die Argumentation der FIM 2026 jeder Grundlage.
Besonders problematisch: Die Betroffenen sind in erster Linie die Fahrer. Sie müssen nun privat nicht nur für adäquate Ergänzung zum Versicherungsschutz sorgen, wenn sie bei der Romaniacs starten wollen, sondern sich komplett selbst absichern.
Das Vorgehen der FIM erscheint massiv überzogen und verzweifelt. Ein Ranglisten-System, das wie im Tennis Ergebnisse verschiedener Veranstaltungen bündelt und Transparenz schafft, bedroht keinen Weltmeistertitel. Es ergänzt den Sport vielmehr. Indem die FIM Druck auf nationale Verbände und Veranstalter ausübt, nicht am HEWR teilzunehmen, schadet sie letztlich der Vielfalt und der Attraktivität des Hard Enduro.
Die Red Bull Romaniacs haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten gezeigt, dass man ein Aushängeschild des Sports ist – unabhängig von FIM-Sanktionen. Die Szene wird bewerten, ob dieses Vorgehen der FIM zu mehr Einheit oder zu weiteren Abspaltungen führt. Der Sport selbst sollte im Mittelpunkt stehen, nicht der Kampf um Deutungshoheit und Macht eines Verbandes. Man gewinnt den Eindruck, dass die FIM keine Gelegenheit auslässt, um ihr ohnehin schon bescheidenes Renommee im Hard Enduro weiter zu verringern.
Die FIM versucht mit aller Macht, eine Sportart unter ihrer Kontrolle zu halten, die sich längst emanzipiert hat. Hard Enduro ist nicht das Eigentum der FIM. Die Zeiten, in denen ein Verband aus Genf der Welt vorschreiben konnte, was in diesem Sport erlaubt ist und was nicht, sind vorbei. Die FIM unternimmt einen weiteren Versuch, ihre exklusive Sicht auf eine Sportart der Welt als verbindliche, maßgebliche und fast schon gottgegebene Sicht aufzudrängen. Das sind die Menschen und die Sportler schon seit längerem leid. Dass die Welt sich weiterdreht, das scheint sich noch nicht bis Genf, dem Sitz der FIM, herumgesprochen zu haben.
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