Jan Mohr beendete IDM-Karriere mit Offenheit und klarer Selbsteinschätzung
Im kommenden Jahr wird es in der IDM Superbike kein Wiedersehen mit dem Österreicher geben. Jan Mohr findet klare Worte und erklärt seinen Rücktritt von der Sprint-Strecke.
Die Gründe, eine Motorsport-Karriere zu beenden, sind vielfältig. Oftmals bremsen einen alte Verletzungen aus, jüngere Piloten entscheiden sich, beruflich auf einem anderen Gebiet durchzustarten oder der Geldbeutel ist nach jahrelangem Racing schlicht leer. Manch einer hat auch ein gesetzteres Alter erreicht, sodass es an den Zeit ist, die Rennfahrer-Rente einzureichen. All diese Gründe treffen auf Jan Mohr, dieses Jahr für das Team Masteroil-alpha-Van Zon-BMW am Start der Euro Moto Superbike 2026, nicht zu. Dennoch ist der Österreicher beim Finale auf dem Hockenheimring seine letzten beiden Sprintrennen gefahren. Mohr hört auf.
«Es reicht eben einfach nicht», lautet seine ehrliche Antwort, «zumindest für meinen Geschmack nicht.» Wer vermutet, dass es Mohr nach seinem doch sehr heftigen Sturz vor vier Jahren auf dem Schleizer Dreieck und anschließend einer langen Rekonvaleszenz den Racing-Zahn gezogen hat, der irrt. «Nein mit Schleiz hat das nichts zu tun», versichert Mohr. «Meine besten Ergebnisse bin ich danach gefahren. Vor zwei Jahren konnte ich beim IDM Superbike-Finale noch mit um den Sieg kämpfen. Ich war nah an der Spitze.»
Die Verletzung aus Most bleibt in Erinnerung
Im Jahr 2025 machte Mohr dann einen Abstecher bei Yamaha, da lief es für ihn nicht ganz so rund, bis er dieses Jahr wieder ins BMW-Team des Belgiers Werner Daemen zurückgekehrt war. «Ich bin in diesem Jahr auf jeder Euro Moto-Strecke schneller geworden», berichtet der Österreicher, «aber das ist nicht genug. Ehrlich gesagt hatte ich schon letztes Jahr darüber nachgedacht, es bleiben zu lassen. Nach dem Unfall in Most und der erneuten Verletzung. Die Knocken heilen ja wieder. Aber nach der Gehirnerschütterung litt ich zwei Monate unter Kopfschmerzen und Schwindelgefühlen.»
Nach Gesprächen mit dem Team, den Sponsoren und seiner Familie, Bruder Ken macht sich nach erfolgreichem Studium unter anderem in der IDM als Videograph einen Namen, war man sich einig: «So kann man nicht aufhören. Werner hat mir dann nochmals eine Chance gegeben.»
Ausreden sucht Mohr keine. «Es liegt an mir», ist er beim Blick auf die Ergebnislisten sicher, «und es liegt nicht an irgendwelchen Umständen. Im Leistungssport kommt einfach der Moment. Man muss es dann eben auch selbstkritisch sehen.» Angefangen hatte die Racing-Reise vor elf Jahren im ADAC Junior Cup und ging nun auf dem Hockenheimring zu Ende. «Oh ja, wir haben viel Geld verbrannt», weiß er, «aber auch unheimlich viele Erinnerungen geschaffen. Alleine das Podium in der IDM und auch in der EWC. Das war fantastisch. Einfach große Erfolgserlebnisse.»
Studium statt IDM Superbike
«Wenn man ins Fahrerlager reinläuft», beschreibt er, «kennt man da alle und es herrscht eine tolle Atmosphäre. Man braucht eben auch Leute, die mit einem feiern können.» In der Langstrecken-WM möchte Mohr weiterhin bleiben. «Das sind vier Rennen, da ist der Aufwand überschaubar. Finanziell ist es entspannter und die Erfolgsaussichten größer. Außerdem werde ich mich mehr bei meinem Psychologie-Studium reinhängen. Ich bin aktuell nicht so gut, dafür war ich zu oft an der Rennstrecke.»
Gerne würde Mohr, der 2027 seinen Bachelor machen will, im Bereich Sport bleiben. «Traurig bin ich nicht», beschreibt er seine Gefühlswelt nach dem Ende seiner Karriere. «Eher nostalgisch. Ungewohnt wird es im Frühjahr werden, wenn ich nicht zu Tests nach Spanien fahre.» Beim Finale in Hockenheim fuhr Mohr mit Platz 6 noch rasch sein bestes Ergebnis des Jahres ein. Eigentlich nicht schlecht, doch nach dem Geschmack des Österreichers eben einfach zu weit weg von der Spitze. In einem stillen Moment verabschiedete sich Jan Mohr nach dem letzten Rennen der Saison in der turbulenten Sachskurve von einem aufregenden Lebensabschnitt.
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