Toprak Razgatlioglu über sein größtes Problem: Er kann niemanden überholen
Im Ungarn-Grand-Prix eroberte Toprak Razgatlioglu als Elfter sein bestes MotoGP-Ergebnis, die Rennstrecke in Brünn ist das genaue Gegenteil. Der Yamaha-Pilot weiß, welch schwere Aufgabe ihn erwartet.
Letztmals fuhr Toprak Razgatlioglu 2018 ein Rennen im malerischen Autodrom Brünn, in seinem ersten Jahr in der Superbike-WM, damals auf einer Kawasaki ZX-10R. «Es ist lange her, dass ich hier war», erzählte der 29-Jährige in kleiner Medienrunde am Donnerstagnachmittag. «Seither hat die Strecke einen neuen Asphalt bekommen, es wird ein paar Runden dauern, bis ich mit dem GP-Bike drin bin. Es braucht einen anderen Stil und ich muss auch die Linien gegenüber dem Superbike anpassen. Ich mag die Strecke, auch wenn sie meinem Stil mit den langgezogenen schnellen Kurven nicht entgegenkommt. Mein größtes Ziel: Dass ich mit den anderen Yamaha-Jungs mithalten kann.»
Nach den ersten acht MotoGP-Wochenenden hat der dreifache Superbike-Weltmeister neun WM-Punkte auf dem Konto und damit drei und zwei weniger als Yamaha-Markenkollege Alex Rins und Pramac-Boxennachbar Jack Miller. Was mit der M1 maximal möglich ist zeigt Fabio Quartararo, der 37 Punkte gesammelt hat und damit WM-15. ist.
Seine besten Grands Prix zeigte Razgatlioglu in Austin (15.), Le Mans (13.) und am Plattensee (11.). Er muss sich ununterbrochen daran erinnern, dass 2026 ein Lernjahr ist und er auf keiner konkurrenzfähigen Maschine sitzt. «Außerdem haben die anderen Yamaha-Fahrer mehr Erfahrung als ich und kennen diese Strecke besser. Ich weiß, dass es für mich hier sehr schwierig wird. Vor allem im letzten Sektor, wo man viel Motorleistung braucht. Das ändert nichts daran, dass alle Yamaha-Fahrer ihr Bestes geben werden.»
Toprak über sein größtes Problem
«El Turco», dem das Wort Selbstkritik nicht fremd ist, räumt ein, dass er sich den Superbike-Fahrstil noch nicht völlig abgewöhnt hat und auch weiterhin die Michelin-Reifen nicht zur Gänze versteht. «Manchmal gelingt uns eine gute Abstimmung, diese hilft mir in den Rennen», bemerkte Toprak. «Aber es ist nicht immer perfekt, ich bewege mich trotzdem am Limit und wurde im vergangenen Rennen Elfter. Mein größtes Problem: Ich kann niemanden überholen. Auf der Geraden sind die anderen schneller. Auf der Bremse schließe ich die Lücke, habe aber keine Möglichkeit für einen Angriff. Wenn ich allein fahre, ist meine Pace gut. Aber sobald ich jemandem hinterherfahre, fahre ich hinterher.»
Auf der Bremse schließe ich die Lücke, habe aber keine Möglichkeit für einen Angriff.toprak razgatlioglu
«Das gibt mir ein mieses Gefühl», unterstrich der 78-fache Superbike-WM-Laufsieger. «Ich fuhr immer aggressiv und konnte leicht attackieren. Aber mit dem GP-Bike kann ich gar nichts machen. Fahre ich gegen andere Yamaha, kann ich angreifen. Geht es gegen andere Marken, ist es schwierig.»
Razgatlioglu gehört zu wenigen Stammfahrern, die am Montag in Brünn mit der nächstjährigen 850er-Maschine und Pirelli-Reifen testen werden. All jene, die für 2027 den Hersteller wechseln, bekommen diese Gelegenheit nicht. Wunder erwartet er keine: «Es braucht ein gutes Paket, die Pirelli-Reifen allein sind nicht genug.»
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