Seinen Fans blutet das Herz: Toprak Razgatlioglu fährt mit Yamaha hinterher
Nach 3 Titelgewinnen bei den Superbikes hat sich Toprak Razgatlioglu in die MotoGP gewagt. Dort erlebt er als Rookie das schwerste Jahr seiner WM-Karriere und kämpft meist nur gegen Yamaha-Kollegen.
Seit 2015 verfolge ich die Karriere von Toprak Razgatlioglu so intensiv wie nur wenige andere Journalisten. Zum ersten Mal traf ich ihn 2015, als er in die Superstock-600-EM kam und auf Anhieb Meister wurde. Damals sprach er kaum ein Wort Englisch und war viel schüchterner, als er es heute noch ist. Mit dem Kawasaki-Team von Manuel Puccetti trat Toprak 2016 im Superstock-1000-Cup an, nach Platz 5 wurde er im Folgejahr hinter Michael Ruben Rinaldi auf der überlegenen Ducati Vizemeister.
2018 begann Topraks unvergleichliche Karriere in der Superbike-WM. Als Kawasaki-Privatier konnte er 2019 zwei Rennen gewinnen und 13 Mal aufs Podium fahren, was eine Sensation war. Mit seinem ersten WM-Titel 2021 für Yamaha verhält es sich gleich: Seit Ben Spies 2009 hatten die Blauen nicht mehr gewonnen. Als der Türke 2024 Champion wurde,
Toprak sorgte für Superbike-Boom
Razgatlioglu sorgte mit seiner spektakulären Fahrweise und seinen atemraubenden Kämpfen gegen Jonathan Rea, Alvaro Bautista und in den vergangenen zwei Jahren Nicolo Bulega für Staunen und reges Interesse an der seriennahen Weltmeisterschaft. Der Boom ging so weit, dass ServusTV eine türkische Tonspur für die Übertragungen implementierte. Toprak ist das goldene Kind der Superbike-WM, ein Künstler auf zwei Rädern (oft auch nur einem), ein Gigant seines Sports.
Als Razgatlioglu in die MotoGP wechselte, realisierten sich gleich mehrere Befürchtungen. Bulega ist in der Superbike-WM ohne Gegner und hat
Razgatlioglus Hoffnung ist, und die seiner riesigen Fanschar, dass Yamaha 2027 mit neuem V4-Motor mit dann nur noch 850 ccm und Reifen von Pirelli statt Michelin deutlich konkurrenzfähiger sein wird.
Die MotoGP verlangt einen anderen Stil
Das größte Problem von Toprak ist, abgesehen von seinem schwachbrüstigen Arbeitsgerät, dass er in der MotoGP nicht so fahren kann, wie er das seine ganze Karriere tat. Seine besondere Stärke war immer das Bremsen, er balancierte auf dem Vorderrad wie kein anderer. In schnellen Kurven waren seine Fähigkeiten hingegen nie herausragend.
Doch ein heutiges MotoGP-Bike lässt sich so nicht fahren. Übertrieben formuliert hatten Razgatlioglus Motorräder immer eine Balance wie ein Chopper, waren also vorne hoch und hinten niedrig eingestellt. Er hat versucht, seiner MotoGP-Maschine wenigstens ein bisschen Superbike-Charakter einzuhauchen, scheiterte damit aber. Und bekam von Yamaha mitgeteilt, dass er sich an
Topraks langjähriger Crew-Chief bei Kawasaki, Yamaha und BMW, der heute in KTM-Diensten stehende Ire Phil Marron, sagte mir, seine größte Stärke wären nicht seine Bremsmanöver, sondern seine Anpassungsfähigkeit. Seiner Überzeugung nach braucht der 29-Jährige – genauso wie Yamaha – lediglich Zeit. Denn der Hersteller steht mit der neuen V4-Maschine ebenso am Beginn eines neuen Wegs wie Razgatlioglu als MotoGP-Fahrer.
Immerhin: Toprak hat doppelt so viel Punkte wie Miller
Nach den ersten sechs GP-Wochenenden hat der Zweiradartist aus Alanya vier WM-Punkte auf dem Konto und damit fünf weniger als Markenkollege Alex Rins, aber zwei mehr als Pramac-Boxennachbar Jack Miller. Was mit der M1 maximal möglich ist, offenbart Quartararo, der 37 Punkte gesammelt hat und damit WM-13. ist.
In der Superbike-WM qualifizierte sich Razgatlioglu 24-mal für die Pole-Position, es gibt keine Zweifel daran, dass er alles aus einem Motorrad herausholen kann. Doch mit der MotoGP-Yamaha gelingt ihm das mit den Michelin-Reifen bislang nicht, lediglich in Brasilien schaffte er es ins Q2 und auf Startplatz 12. Beim Saisonstart in Thailand stand er auf dem vorletzten Startplatz, in Barcelona sogar auf dem letzten. In keinem Sprint konnte er mehr als einen Gegner hinter sich lassen, der das Rennen ohne Zwischenfälle zu Ende fuhr. Auch das zeigt, dass er den ohnehin schon nicht beeindruckenden Speed seiner Yamaha und den anfänglichen Grip der Reifen nicht optimal nutzen kann.
In den langen Rennen steht er besser da und wurde in Austin 15. und in Le Mans 13. Toprak muss sich selbst ununterbrochen klarmachen, dass 2026 ein Lernjahr ist und er auf keinem konkurrenzfähigen Motorrad sitzt. Ich frage mich, wie lange diese Durchhalteparolen funktionieren und er sich motivieren kann? Unzählige Male hat er mir nach einem Superbike-Wochenende erzählt, dass er nicht zufrieden wäre, weil er neben zwei Siegen in einem Rennen «nur» Zweiter wurde. Bereits das war für ihn kaum akzeptabel.
Wie Toprak-Fans auf der ganzen Welt teile ich die Hoffnung, dass ihm Yamaha 2027 ein viel besseres Motorrad baut. Und sollte dieser Wunsch nicht in Erfüllung gehen, muss sich um seine Karriere auch niemand Sorgen machen: Bei den Superbikes würde ihm jedes Werksteam für 2028 sofort den roten Teppich ausrollen.
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