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Rallye

Kolumne

Happy Birthday, Mister Maximum Attack: Markku Alén ist 75

Er gewann 19 Weltmeisterschaftsläufe, war 1986 für elf Tage Champion. Doch ausgerechnet bei seiner Lieblings-Rallye in Portugal 1980 demütigte ihn Fiat-Teamkollege Walter Röhrl.

Friedbert Holz

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Markku Alén im Lancia
Markku Alén im Lancia
Foto: XPB
Markku Alén im Lancia
© XPB

„Mister Maximum Attack“, so hieß das Aushängeschild eines der Superstars in der Geschichte des Rallye-Sports: Markku Alén, einer jener berüchtigten „fliegenden Finnen“, der am 15. Februar seinen 75. Geburtstag feiert, war bekannt dafür, stets ans absolute Limit zu gehen.

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Dabei blieb ihm jedoch der ganz große Erfolg verwehrt, 1986 und 1988 verpasste er jeweils den Gewinn der FIA-Weltmeisterschaft nur knapp. Dafür hielt er lange mit 801 Etappensiegen den Rekord, bis ihn 2011 Sébastien Loeb, mit neun Titeln der erfolgreichste Rallyefahrer der Welt, übertrumpfte.

Grosse Vorbilder

Schon früh war der junge Markku dem Rausch der Geschwindigkeit erlegen. Bereits mit zwölf Jahren bekam er von seinem Vater, einem erfahrenen Eisrennen-Piloten, ein Motorrad, fuhr mit 15 Jahren erste Rennen. Als er schließlich seinen Auto-Führerschein in der Tasche hatte, legte er einen Tag später schon mit einem Renault 8 Gordini los, wurde Zweiter bei einer Schneerallye, Jahre später Neunter bei der legendären 1000-Seen-Rallye.

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Er wollte es unbedingt seinen Vorbildern Timo Mäkinen, Pauli Toivonen und Hannu Mikkola gleich tun – schnelles Querfahren auf Schotter, Eis oder Schnee war nun zu seinem Lebensziel geworden.

Um weiter zu kommen, hatte er Toivonen, von dem er viel gelernt hatte, dessen Sunbeam Imp abgekauft, es folgten ein braver Opel Kadett und ein Volvo, bis schließlich 1973 sein Durchbruch auf einem Ford Escort erfolgte. Dies geschah bei der RAC-Rallye in Großbritannen: Zwar war der Finne zusammen mit seinem langjährigen Co-Pilot Ilkka Kivimäki in den Graben gefahren, wurde aber nach sensationeller Aufholjagd noch Dritter. Was nun folgte, waren unzählige Werks-Angebote für den gerade 22-jährigen Finnen.

Zwei Verträge unterschrieben

So unterschrieb er 1974 gleichzeitig bei Ford und bei Fiat, entschied sich letztlich aber für die Italiener. Hier konnte er sein Talent so richtig ausleben: In Portugal holte er 1975 den ersten WRC-Sieg auf einem Fiat 131 Abarth, den er vom biederen Straßenauto zu einem ernst zu nehmenden Rallye-Gefährt entwickelt hatte. Übrigens zusammen mit Giorgio Pianta, jenem späteren Rennleiter von Alfa Romeo, der 1993 den DTM-Gesamtsieg für seine Marke in Mailand gemanagt hatte.

Nachdem er 1978 sowohl im Fiat 131 als auch im legendären Lancia Stratos, einem speziell für Rallyes gebauten Zweisitzer, den Titel der FIA gewonnen hatte, erinnert er sich am liebsten zurück an den Nachfolger Lancia 037. „Wir hatten zwar keinen Allradantrieb wie die Audi Quattro, aber dieses Auto war sensationell zu fahren. Vielleicht mochte ich es aber auch deshalb, weil ich mich mit dem 037 niemals überschlagen habe.“

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Lancia 037 und Delta S4 – Kult-Autos im Rallyesport

Es folgten der Lancia Delta S4, „ein bockiges Gerät“, so der Finne, „obwohl dieses Gruppe-B-Auto mehr Spaß machte zu fahren, als die schwächeren Gruppe-A-Autos.»

Immerhin holte Alén später auf den eher seriennahen Delta 4WD und Integrale noch einige Siege für den Mutterkonzern in Italien. Aber er saß auch in Autos wie dem Toyota Celica Turbo oder dem Subaru Impreza 555, und selbst auf der Rundstrecke wurde er manchmal noch gesehen. Dabei gestand er in einem Interview einmal, „dass ich mehr Angst dabei hatte, in einem Lancia Beta Montecarlo in Le Mans eine Gerade entlang zu rasen, als ein Auto auf blankem Eis bei Maximal-Tempo quer zu stellen“.

Für 11 Tage Weltmeister

Als ein sehr spezielles Jahr geht 1986 für Markku Alén, seinen Lancia Delta S4 und das WM- Championat ein. Juha Kankkunen hatte auf Peugeot 205 Turbo 16 gewonnen, Alén und Lancia belegten in Fahrer- und Herstellerwertung jeweils Platz zwei. Weil das Peugeot-Team aufgrund angeblicher technischer Mängel zwar während der Saison disqualifiziert worden war, später von der Sportbehörde dies aber wieder aufgehoben wurde, hatte Alén nur elf Tage Freude an diesem Titel. Letztlich sollte er ihn nie erreichen, obwohl er ein brillanter Fahrer war.

Eine spezielle Rallye bleibt ihm sicher ebenfalls zeitlebens in Erinnerung, wenn auch nicht gut: die Portugal-Rallye 1980. Alén gewann in Portugal zwar fünf Mal, doch in diesem Jahr war alles anders. Die Stimmung im Fiat-Team war unglaublich gereizt, denn der Finne und sein Kollege Walter Röhrl hatten sich bis zur berüchtigten Sonderprüfung Arganil nichts geschenkt. Zudem war Röhrls Fiat 131 Abarth durch ein Serviceauto aus dem eigenen Team böse angerempelt worden, brauchte einen neuen Kotflügel. Und zu allem Übel zog langsam Nebel auf, Feind jeder schnellen Fortbewegung, wenngleich in Portugal im März nicht ungewöhnlich.

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Tolles Duell mit Walter Röhrl

So stand Röhrls Entscheidung – nachdem er und Alén fast gleich viele Teiletappen gewonnen hatten – fest: Er wollte in Arganil unbedingt die Entscheidung holen gegen den hoch nervösen Finnen! Und er hatte sich, wohl wissend um die zu erwartende Sicht-Einschränkung, minutiös mit seinem Beifahrer Christian Geistdörfer darauf vorbereitet.

Dieter Scharnagl, mein Pressesprecher-Kollege bei Audi, ein enger Freund Röhrls und lange Zeit auch Rallye-Reporter, hatte mir Jahre später die Taktik des Oberpfälzers einmal erklärt. „Der Walter fuhr seine Zeit in einer wundersamen Verständigungsmethode mit seinem Co-Pilot, dem Christian. Schon im Training hatten sie dieses System ausgetüftelt, bis zum Geht-nicht-mehr. Christian las aus seinem Schrieb „300 Meter – Mittel Rechts Plus“, Röhrl fuhr die 300 Meter voll und zählte in gleichbleibendem Rhythmus mit, 1,2,3 etc. Dieses Spiel wurde so lange fortgesetzt, bis sicher war, dass bei kontinuierlicher Zählweise und vollem Fahren bei 300 Metern bis 15, bei 200 Metern bis zehn usw. gezählt werden musste.“

Das Nebel-System

Tatsächlich sollte dieses System funktionieren, Röhrl später: „Ich bin gefahren, als hätte es keinen Nebel gegeben. Christian las vor, ich orientierte mich am Rand der Piste, zählte und lenkte im entscheidenden Moment in die Kurve ein. Sie musste da sein, und sie war auch immer da.“

Das Ergebnis, schön für ihn, erniedrigend aber für Alén: Der Deutsche lag allein nach dieser Etappe vier Minuten und 41 Sekunden vor dem Finnen, im Gesamtergebnis waren es sogar über 14 Minuten.

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Das focht Alén aber nur kurz an. Denn er trat zu seinem 50. Geburtstag im Jahr 2001 noch einmal bei der heimischen Rallye Finnland an, belegte immerhin Rang 16 auf einem Ford Focus WRC und verabschiedete sich so endgültig von der Rallye-Weltmeisterschaft.

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