Sturz-Paradox in der MotoGP: WM-Spitze führt auch die Crash-Wertung an
Kurioser Trend nach drei Rennen: Die WM-Führenden liegen auch bei den Stürzen vorne. Besonders auffällig ist die vielen Stürze von Aprilia-Werkspilot Marco Bezzecchi.
Nach drei von 22 Grands Prix der laufenden MotoGP-Saison zeigt sich ein auf den ersten Blick kurioses Bild: Ausgerechnet die Fahrer an der Spitze des Gesamtklassements führen auch die Sturzstatistik an. Allen voran Aprilia-Werkspilot Marco Bezzecchi, der nicht nur die WM anführt, sondern sich mit sechs Stürzen auch in der Crash-Wertung «abgesetzt hat». Dahinter folgen sein Aprilia-Teamkollege Jorge Martin und KTM-Werkspilot Pedro Acosta mit jeweils vier Stürzen – exakt in jener Reihenfolge, wie sie auch im Gesamtklassement zu finden ist.
Diese Konstellation wirkt auf den ersten Blick paradox, ist jedoch ein Spiegel der aktuellen Leistungsdichte und des enormen Risikoniveaus in der Königsklasse. Wer konstant um Siege kämpft, bewegt sich permanent am Limit – und damit zwangsläufig auch näher an der Sturzgrenze.
Bezzecchi: Sturzreicher Weg an die WM-Spitze
Besonders auffällig ist dabei die Bilanz von Bezzecchi: Der Italiener gewann bislang alle drei Grands Prix, leistete sich jedoch Stürze in den Sprints von Buriram und Austin. Trotz dieser Fehler bleibt seine Siegesserie in den Hauptrennen makellos, was seine starke Position in der WM erklärt. Doch seine WM-Führung beträgt lediglich vier Zähler und könnte ohne die Patzer an den Samstag deutlich komfortabler aussehen.
Ein Blick auf die Sturzstatistik der drei zurückliegenden Rennwochenenden zeigt eine Zunahme von Event zu Event. Beim Auftakt in Buriram wurden 33 Stürze registriert, in Goiania bereits 57 und in Austin schließlich 73. Damit erwies sich das US-Wochenende als besonders sturzreich – bemerkenswert auch deshalb, weil im Vorjahr in Austin mit 58 Stürzen trotz wechselhafterer Wetterbedingungen deutlich weniger Zwischenfälle verzeichnet wurden. Die steigenden Zahlen sind ein Indiz für die extreme Konkurrenzsituation und das hohe Grundtempo im Feld.
Auch ein Blick auf die übrigen MotoGP-Piloten zeigt, wie eng die Spitze zusammengerückt ist. Neben Martin und Acosta weisen unter anderem Fabio Di Giannantonio, Alex Marquez, Jack Miller, Franco Morbidelli, Ai Ogura und Joan Mir jeweils vier Stürze auf. Dahinter folgen mehrere Fahrer mit drei oder weniger Ausrutschern, während Fermin Aldeguer und Raul Fernandez bislang sogar noch ohne Sturz durch die ersten Rennwochenenden gekommen sind.
Die «Spitzenreiter» der Moto2 und Moto3 haben weniger Stürze als Bezzecchi
In der Moto3 führt Cormac Buchanan mit fünf Stürzen die Statistik an, gefolgt von Joel Esteban und Guido Pini mit jeweils vier. In der Moto2 liegt Sergio Garcia mit fünf Stürzen vorne, während Angel Piqueras vier Stürze verzeichnet. Eine größere Gruppe von Fahrern – darunter Senna Agius und David Alonso – kommt jeweils auf drei Stürze.
Das Bild nach drei Rennwochenenden ist klar – und durchaus bemerkenswert: In der modernen MotoGP ist der schmale Grat zwischen Triumph und Sturz so präsent wie selten zuvor. Gerade die Schnellsten bewegen sich permanent am Limit, attackieren in jeder Session und nehmen dabei zwangsläufig auch Fehler in Kauf.
Wer in der modernen MotoGP gewinnen will, kann es sich schlicht nicht leisten, unter dem Limit zu fahren – und genau deshalb sind es oft die Topfahrer selbst, die in der Sturzstatistik ganz vorne auftauchen.
Sturzstatistik der MotoGP-Piloten nach 3 von 22 Grands Prix:
Marco Bezzecchi, Aprilia – 6 Stürze
Jorge Martin, Aprilia – 4
Pedro Acosta, KTM – 4
Fabio Di Giannantonio, Ducati – 4
Alex Marquez, Ducati – 4
Jack Miller, Yamaha – 4
Franco Morbidelli, Ducati – 4
Ai Ogura, Aprilia – 4
Joan Mir, Honda – 4
Enea Bastianini, KTM – 3
Brad Binder, KTM – 3
Marc Marquez, Ducati – 3
Toprak Razgatlioglu, Yamaha – 3
Francesco Bagnaia, Ducati – 2
Luca Marini, Honda – 2
Diogo Moreira, Honda – 2
Johann Zarco, Honda – 2
Maverick Vinales, KTM – 1
Alex Rins, Yamaha – 1
Fabio Quartararo, Yamaha – 1
Fermin Aldeguer, Ducati – 0
Raul Fernandez, Aprilia – 0
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