MotoGP-Zukunft: Die Frage ist nicht ob, sondern wann China am Start steht
Am Beispiel von CFMOTO und der besonderen Verbindung zu Teaminhaber Jorge «Aspar» Martinez zeigt sich, wie ernst es China mit der MotoGP nimmt. Auch der Stolperstein Moto3 wird sie nicht aufhalten.
Es ging alles ganz schnell. Die Anfrage auf ein Gespräch mit GP-Teambesitzer Jorge «Aspar» Martinez wurde fix und höflich von der Pressestelle mit erhobenem Daumen retourniert. Inmitten des hektischen Samstags zum Deutschland-GP öffnete sich die Türe der Teamzentrale. Aus den angesetzten 15 Minuten wurden 25 – wertvolle Zeit für einen Austausch mit Martinez, der nichts anderes ist als ein Eckpfeiler des riesigen Fahrerlagers.
Martinez, der als Pilot auch jene Zeiten miterlebte und prägte, als Begriffe wie «Globalisierung», «Kommerzialisierung» oder «Social Media» die Szene noch lange nicht erreicht hatten, arbeitete das Fragenprotokoll zur
Opulente Trucks der Moto2- und Moto3-Einheiten und die Hospitality im Rahmen der MotoGP sind nur die Spitze des Eisbergs. Der eigentliche Vulkan des Unternehmens sitzt in der Nähe von Valencia und bricht eigentlich ständig aus, wenn es um neue Initiativen zur Motorrad-Nachwuchsförderung geht.
Au dem Kinderwagen zum augebildetenen GP-Held
Der Kosmos von Jorge Martinez beginnt bei der untersten Stufe. Gefühl können Eltern ihren Nachwuchs im Kinderwagen im Fahrerlager des «Aspar Circuit» abstellen und als Weltmeister mit MotoGP-Ausbildungszertifikat wieder abholen. Der springende Punkt: Martinez versteht sein Engagement nicht als lokale Förderung – die Akademie des Circuits ist weltoffen und mit Blick auf seinen wichtigsten Kooperationspartner wenig überraschend auch voll auf Chinas zukünftige Rolle in der MotoGP ausgerichtet. Schon heute bildet das Team von Martinez chinesische Kids in den verschiedensten Altersklassen aus.
Und der Tag wird kommen – davon ist man sowohl bei CFMOTO als auch bei Jorge Martinez überzeugt –, entschlüpft dem Projekt, das aktuell bis 2031 vertraglich geregelt ist, Chinas GP-Pilot – und MotoGP-Athlet. Allen Beteiligten ist klar, dass 2031 nicht reichen wird, um das Fahrerlager auf den Kopf zu stellen. Denn Geld allein reicht nicht, um in der entstandenen MotoGP erfolgreich mitzumischen. Paradebeispiel – die beiden japanischen Werke fahren trotz formell bester Rahmenbedingungen nicht erst seit 2026 hinterher.
Bei CFMOTO nimmt man sich die Zeit, die es brauchen wird. Mehr als nur interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Entwicklung der neuen Moto3-Formel ab 2028. Bekanntlich wurde die unterste WM-Klasse 2025 unter allen Herstellern ausgeschrieben. Auch CFMOTO hatte sich bekannt und Vorschläge für einen 450er-Renner mit einem Zweizylinder-Triebwerk eingereicht. Auch deshalb, weil man sich zunächst im Herstellerverband MSMA auf diese groben Eckpfeiler geeinigt hatte.
Strategischer Niederschlag beim Moto3-Projekt
Dass am Ende
Eine leichte Entscheidung war es für den Motorradsport-Weltverband FIM und die MotoGP-Group sicher nicht. Es galt abzuwägen, einen neuen Hersteller aufzubauen – oder auf einen bereits jetzt rundum etablierten Big Player zu setzen. Eine verpasste Chance auch aus Sicht der MotoGP mit Blick auf die Zukunft – aber zugleich auch eine sichere Bank im Umgang mit dem wichtigen Vermarktungsbaustein Moto3. So oder so, China kommt, dass wissen auch die Regelhüter, Rechteinhaber und Promoter.
Von der strategischen Niederlage wird sich CFMOTO aber schnell erholen. Bekanntlich lernt man daraus weit mehr als auf reibungslosen Durchmärschen. Ohne Polemik mit Blick auf die global tobenden Krisen: China, zunächst vertreten durch CFMOTO als aktivstes Projekt (mit Kove, QJMotor, Zontes oder Voge machen sich weitere große Unternehmen aus China bereit), hat sich vor Jahren entschlossen, ebenfalls vom Geschäftsmodell MotoGP zu profitieren.
Der Vision sind Taten gefolgt. Wer denkt, CFMOTO verteilt im Fahrerlager Aufkleber und fährt Werbung für spanische Moto3-Piloten, der liegt, vorsichtig ausgedrückt, komplett daneben. CFMOTO baut Schritt für Schritt, Umdrehung für Umdrehung alle notwendigen Kompetenzen auf. Produktplanung, Forschung und Entwicklung, Vertrieb und Marketing – und die noch kompakte Sportabteilung laufen auf Hochtouren.
Das Wissens-Puzzle setzt sich zusammen
In Europa sind wohl Design- als auch Testeinrichtungen in Position. Dazu die wichtige Verbindung zu Jorge Martinez – auch weil klar ist, dass sich die MotoGP nur durch ein spanisches Portal erobern lässt. Teamstruktur, Netzwerk, Fahrerausbildung – abgehakt. Dazu die ebenfalls langfristige Partnerschaft mit Kalex Engineering. In Bayern entstehen heute, wie gerne vermutet, noch keine MotoGP-Chassis, doch es fließen Informationen, die stand heute wichtiger sind als ein eilig gefräster Prototyp mit CFMOTO-Typenschild.
Der Stolperstein Moto3 als zusätzliche Motivation. Es wird dauern, lange dauern, aber die MotoGP der Zukunft mit China, das ist keine Frage, sondern eine Aussage. Jorge Martinez' souveräne Ruhe sagte noch viel mehr als die formulierten Inhalte. Das enorme Investment in die eigene Basis, für das der Ende des letzten Jahrzehnts auch das eigene MotoGP-Team zusperrte, scheint gut angelegt.
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