Später Triumph für Weltmeister Ogier nach Reifenschäden bei Neuville
Bei der Rallye Griechenland feierte Sebastien Ogier (Toyota) seinen zweiten Saisonsieg in der Rallye-WM. Der lange führende Thierry Neuville (Hyundai) verliert nach 2 Pneuschäden in der Schlussphase.
Der neunmalige Rallye-Weltmeister Ogier sicherte sich seinen ersten Sieg bei der Akropolis-Rallye seit 2011. Über die gesamte Rallye hinweg lieferte er sich mit seinem Rivalen Neuville einen engen Kampf, der letztendlich durch dessen Doppelpech in der vorletzten Wertungsprüfung entschieden wurde.
Neuville hatte am Freitag zunächst das Tempo bestimmt, doch im Laufe der Wertungsprüfungen am Samstag begann Ogier, den Vorsprung des Belgiers zu verkürzen. Auf der ersten WP am Sonntag übernahm Ogier die Führung.
Das doppelte Reifenpech beim zweiten Durchgang durch die WP Aghii Theodori kostete Neuville eine Minute und damit die Chance bis zum Schluss mit Ogier um den Sieg zu kämpfen.
«Wir haben es schon vorher gesagt: In manchen Abschnitten ist das einfach Glückssache. Wir sind über ein paar Steine gefahren. Bei diesen kleinen Steinen kann man natürlich nicht viel ausrichten», kommentierte der Weltmeister von 2024 sein Malheur.
Ogiers Leistung am letzten Tag war dennoch überragend: Er dominierte das Geschehen am letzten Tag, gewann zudem – sehr zu seiner eigenen Überraschung – die Powerstage und führte die Wertung am Sonntag mit 28 Sekunden Vorsprung an.
Durch dieses Ergebnis rückt Ogier auf den dritten Platz in der WM-Zwischenwertung vor. Der Franzose liegt nun 33 Punkte hinter Spitzenreiter Elfyn Evans, der nun sieben Punkte Vorsprung vor Takamoto Katsuta hat.
«Endlich stehen die griechischen Götter hinter mir!», freute sich Ogier im Ziel und beendete damit eine 15-jährige Durststrecke auf einen weiteren Sieg in Griechenland. «Es war ein langes Wochenende. Wir wussten, dass es bis zu dieser Powerstage, die so holprig war, keine Zeit zum Entspannen gab. Dort konnte ich nicht voll angreifen und bin einfach so vorsichtig wie möglich gefahren und habe jeden Stein gespürt. Jetzt haben wir es geschafft – eine kleine Revanche für den verlorenen Sieg in Portugal».
Im Ziel zeigte sich Neuville großmütig und lobte Ogiers Leistung. Er hob aber auch als positiv hervor, wie konkurrenzfähig sein Hyundai i20 N Rally1 gewesen war.
«Ich schwanke zwischen Enttäuschung und irgendwie auch ein bisschen Freude darüber, dass wir wieder ein Auto haben, das gut läuft und in dem ich mich wohlfühle», kommentierte Neuville im Ziel. «Hut ab vor Ogier, er ist ebenfalls eine unglaubliches Rallye gefahren. Es war sehr knapp. Wir wissen nicht, was passiert wäre, wenn wir keine Reifenschäden gehabt hätten». «In Portugal haben wir von Ogiers Reifenpech profitiert. Jetzt war es umgekehrt. So ist das eben im Rallyesport».
Takamoto Katsuta holte sich mit Platz drei sein viertes Podium in diesem Jahr, obwohl er am Freitag als zweites Auto mit dem Handicap einer Straßenkehrmaschine ins Rennen gehen musste. Sein einziges Problem während der Rallye war ein Reifenschaden auf WP4 gewesen. Am Samstagmorgen konnte er bereits das M-Sport-Ford-Duo Josh McErlean und Martins Sesks wieder überholen und lag an vierter Position.
Im Hyundai lag Adrien Fourmaux am Samstagnachmittag noch aussichtsreich auf dem dritten Rang. Am Freitag hatte er sogar kurzzeitig das Klassement angeführt, ehe ihn ein Reifenschaden vorne rechts auf der vierten WP wieder hinter Neuville und Ogier zurückwarf.
Fourmaux befand sich in prominenter Gesellschaft: Viele Fahrer klagten über Reifenschäden, weil die Pneus den brutalen Bedingungen schlichtweg nicht immer gewachsen waren. Auf der zwölften Prüfung kassierte der Franzose seinen zweiten Plattfuß und musste den dritten Rang kampflos an Katsuta abtreten.
Josh McErlean (M-Sport-Ford) feierte als Vierter derweil das beste Rallye-WM-Ergebnis seiner Karriere. Dabei überstand der Ire auf der vorletzten Prüfung am Samstag sogar noch einen späten Ausritt ins Unterholz.
Letztlich verteidigte er seine Platzierung mit 6,7 Sekunden Vorsprung auf Toyota-Youngster Sami Pajari ins Ziel. Pajari selbst hatte auf WP5 fast zwei Minuten durch einen Radwechsel auf der Strecke verloren. Als WM-Spitzenreiter war Elfyn Evans (Toyota) in die Akropolis gestartet - mit der unliebsamen Aufgabe, am Freitag die Piste frei fegen zu müssen.
Die schlechten Gripverhältnisse kosteten den Waliser prompt über zwei Minuten, was nach der Auftaktetappe nur für den siebten Platz reichte. Obwohl er sich zwischenzeitlich auf Rang fünf vorarbeiten konnte, warf ihn ein Reifenschaden auf WP13 wieder zurück. Ein weiterer, schleichender Plattfuss am Sonntag bremste seinen Vorwärtsdrang endgültig, sodass nur der siebte Gesamtrang blieb.
Fourmaux hatte Katsuta auf dem Weg zum letzten Podiumsplatz eingeholt und war auf der ersten Etappe am Sonntag der Schnellste, bevor ihn die erste von zwei Reifenpannen am Sonntag zurückwarf.
«Ich muss mich wirklich beim Team bedanken, denn wir hatten ein sehr gutes Auto, um den Sieg zu kämpfen», erläuterte Fourmaux. «Wir hatten wahrscheinlich das beste Auto. Ich bin ziemlich zuversichtlich für uns, was die Schotterpisten angeht. Es ist nur schade, was an diesem Wochenende passiert ist».
Hyundai-Teamkollege Dani Sordo war auf dem Weg zu einem achten Platz, wurde jedoch vor der Powerstage von seinem Team aus strategischen Gründen aus dem Rennen genommen.
Somit rückte Martiņs Sesks einen Platz nach vorne. Der M-Sport Ford-Teilzeitfahrer war icht mehr im Kampf um die Gesamtwertung gewesen, da er am Samstagnachmittag aufgrund technischer Probleme mit 19 Minuten Verspätung erst den Service verlassen konnte und 3.10 Minuten Zeitstrafe kassierte.
Rallye Monte Carlo-Sieger Oliver Solberg erlebte eine Rallye zum Vergessen. Nach einem frühen Reifenschaden fand er nie wirklich seinen Rhythmus und flog auf der siebten Prüfung zudem spektakulär ab. Der Schwede verlässt Griechenland mit einer mageren Ausbeute von nur einem einzigen Super Sunday-Punkt.
Ford-Pilot Jon Armstrong erreichte das Ziel auf Platz 21, nachdem er am Freitag wegen eines Turboproblems ausgeschieden war und erst am Samstag wieder ins Rennen gegangen war. Die Akropolis-Rallye verlässt er trotzdem mit Genugtuung, denn erstmals gelang ihm eine Bestzeit auf einer Rallye-WM-Wertungsprüfung.
Robert Virves holte sich seinen zweiten WRC2-Saisonsieg in Folge vor seinem Toksport-Skoda-Teamkollegen Andreas Mikkelsen, der am Sonntagmorgen die Führung durch einen Reifenwechselstopp verloren hatte. Toyota-Pilot Alejandro Cachon fuhr auf Platz drei.
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