Jochen Kiefer: Fassungslosigkeit nach dem Rausschmiss

Von Ivo Schützbach
Moto2
Teameigentümer Jochen Kiefer

Teameigentümer Jochen Kiefer

Seit 2004 war das deutsche Kiefer-Team in der Motorrad-Weltmeisterschaft unterwegs, für 2020 bekommt es keinen Startplatz in der Moto2-WM. Teameigentümer Jochen Kiefer will kämpfen.

2011 gewann Kiefer Racing mit Stefan Bradl die Moto2- und 2015 mit Danny Kent die Moto3-Weltmeisterschaft. Trotzdem wurde Teameigentümer Jochen Kiefer am Samstag von der Teamvereinigung IRTA und dem Selektions-Komitee informiert, dass Kiefer Racing den Moto2-Startplatz von Lukas Tulovic verlieren und in der Moto2-WM 2020 nicht mehr dabei sein wird. Vorausgegangen ist der Entschluss, das Startfeld in der mittleren GP-Klasse von 32 auf 28 Fahrer zu reduzieren.

Jochen Kiefer ist zwei Tage nach der Hiobsbotschaft immer noch fassungslos, denn sein Team hat im Gegensatz zu anderen nirgends Schulden.

«Für uns ist es absolut unverständlich, dass wir gehen müssen», teilte er mit. «Auf der anderen Seite war es schon lange offensichtlich, dass der Dorna und IRTA Ein-Fahrer-Teams ein Dorn im Auge sind. Daher haben wir uns um einen zweiten Startplatz bemüht. Wir haben in dieser Hinsicht mehrmals angefragt und haben auch gute und vielversprechende Optionen vorlegen können. Vor allem aus deutscher Sicht wären diese sehr interessant.»

Der Rheinland-Pfälzer weiter: «Wir sind auch soweit, die Finanzierung eines Zwei-Fahrer-Teams belegen zu können. Doch das hat alles nicht gezählt. Wir sind bis dato ein Ein-Fahrer-Team und diese sollen ausgemustert werden. Es ist trotzdem nicht nachvollziehbar, dass ein Team mit langer Tradition in der Weltmeisterschaft rausgeschmissen wird. Wir haben uns in all den Jahren in diesem Paddock nichts zu Schulden kommen lassen. Abgesehen davon können wir große Erfolge mit zwei WM-Titeln und insgesamt elf Grand-Prix-Siegen vorweisen. Darüber hinaus haben wir uns immer auf unsere Fahnen geschrieben, den deutschen Nachwuchs zu fördern und junge Fahrer aus Deutschland in die Weltmeisterschaft zu bringen. Aktuell gibt es in Mitteleuropa sowieso nur sehr wenige aussichtsreiche Talente. Mit Lukas Tulovic haben wir in diesem Jahr wieder ein Projekt in dieser Hinsicht gestartet. Wir haben mit ihm ein Drei-Jahres-Programm geplant. Außerdem haben wir in Mugello die Offerte bekommen, in die neue KTM-ETC-Serie einzusteigen. Wir wollten nächstes Jahr mit vier Fahrern in diesem Cup antreten, während wir in der CEV-Serie mit Moto3-Junioren-WM und European Talent Cup schon seit mehreren Jahren dabei sind.»

«Auch diese Engagements unsererseits wurden nicht berücksichtigt. Die Entscheidung seitens der Verantwortlichen, uns keinen Startplatz mehr zu geben, ist also in vielerlei Hinsicht nicht nachvollziehbar. Es wurde uns in der Vergangenheit immer das Gefühl gegeben, dass wir der Ansprechpartner rund um das Thema Nachwuchs in Deutschland sind. Daher fragen wir uns nach der Ernsthaftigkeit, deutsche bzw. deutschsprachige Talente zu fördern, wenn deutschen Teams keine Türe im Fahrerlager der Weltmeisterschaft offen steht. Wir werden aber nicht so schnell aufgeben, damit vielleicht maßgebliche Herrschaften in Deutschland aufmerksam werden und gemeinsam mit den Verantwortlichen der Weltmeisterschaft diese Entscheidung nochmals überdenken. Unsere Chancen sind nicht groß, doch man sollte nichts unversucht lassen. Wir sind überwältigt von den Reaktionen seit Bekanntwerden dieses Entschlusses. Wir hätten nie gedacht, dass wir so viele Fans haben. Es ist gut zu wissen, diesen Rückhalt zu haben.»

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