Arnaud Friedrich: Seltsame Strafe wegen Garderobe

Von Esther Babel
Rundstrecke

Der Sachse hat sich in der Startaufstellung zum Superstock-1000-Cup in Oschersleben zu spät angekleidet. Daher verpasste ihm die Rennleitung in Lauf 1 später eine Durchfahrtsstrafe.

Am vergangenen Wochenende stand für Arnaud Friedrich und sein Team LRP Poland wieder das Saisonhighlight des FIM Europe Superstock 1000 Cup an, das Heimrennen im Rahmen der Alpe Adria International Motorcycle Championship in der Motorsport Arena Oschersleben.

In der letzten Saison konnte der junge Fahrer vom Sachsenring an selber Stelle gleich zweimal den Sieg einfahren und sich den Vizemeister-Titel der Saison 2018 sichern. Auch in diesem Jahr fährt mit dem Schweden Bergman wieder ein Fahrer in seiner ganz eigenen Liga vorne weg, aber hinter ihm ist es im Kampf um Platz 2 immer recht eng, denn auch der letztjährige Meister Michal Filla ist nach einer Verletzung wieder zurückgekehrt und hat von seiner Stärke nichts eingebüßt.

So waren die Vorzeichen klar und in den Freien Trainings sowie im Qualifying galt es für Arnaud, sich so nah wie möglich an Bergman heran zu kämpfen und den Heimvorteil in eine maximale Punkteausbeute umzuwandeln. Nachdem bei den Hitzerennen am Pannonia-Ring die Unterschiede beim Reifenmaterial noch eine entscheidende Rolle spielten, waren die Bedingungen in Oschersleben wieder etwas kühler und damit auch ausgeglichener. Friedrich konnte sich im Qualifying de zweiten Startplatz erfahren, nur von Bergman geschlagen aber vor dem Rest der Konkurrenz platziert.

In das erste Rennen am Samstag startete Arnaud Friedrich gewohnt gut, konnte sich sogar in der ersten Kurve vor Bergman platzieren, der sich dann aber in der dritten Kurve wieder an ihm vorbei bremste und einen ungefährdeten Sieg einfahren sollte. Für den Sachsen lief es dahinter etwas anders als eigentlich erwartet.

Zwischenzeitlich auf Platz 3 hinter Filla zurückgefallen, wurde ihm in Runde 4 plötzlich eine Durchfahrtsstrafe angezeigt. Team und Fahrer rätselten, was der Grund für diese Strafe sein könnte, und so wurden hektisch die Aufnahmen vom Start durchgeschaut während Arnaud in Runde 5 gezwungenermaßen einen Umweg durch die Boxengasse nehmen musste und dadurch knapp 30 Sekunden im Feld verlor. So fand er sich zur Rennmitte auf dem letzten Platz wieder und startete eine bravouröse Aufholjagd. Am Ende, nach 15 Rennrunden, überquerte er die Ziellinie als Achter und mit knapp 40 Sekunden Rückstand auf den Sieger.

Was war passiert? «Wir dachten zuerst, ich hätte eventuell einen Frühstart hingelegt - obwohl ich mir eigentlich sicher war, dass dem nicht so war», erklärte Arnaud Friedrich nach dem Rennen im Interview. «Ich bin direkt zur Rennleitung hoch und man hat mir erklärt, dass ich in der Startaufstellung, vor der Warm-Up Runde, meinen Helm und die Handschuhe zu spät angelegt habe. Ich war - wie immer vor den Rennen - in meinem Tunnel, hatte die Kopfhörer auf, habe mich konzentriert, stand in der ersten Startreihe und hatte auch keinen Fahrer mehr direkt vor mir, an dem ich mich hätte orientieren können. Leider sind die Warnschilder mit den Minutenhinweisen dieses Mal nicht vor uns gezeigt worden, sondern links irgendwo an der Boxenmauer. Ich selber habe nix gehört, mein Team hat es wohl auch etwas verpennt und daher habe ich Helm und Handschuhe erst angelegt, als die Mechaniker aus der Startaufstellung gegangen sind. Das hat mir zwar keinen Vorteil verschafft und auch keine Verzögerung verursacht, aber die Rennleitung hat sich dazu entschlossen dies mit der Drive-Through Penalty zu bestrafen. Ein sehr ärgerlicher, weil unnötiger Fehler, der mich einige Punkte gekostet hat. Ohne diese Strafe hätte ich mit Filla um Platz 2 gekämpft, aber so ist es jetzt.»

Warum sich die Rennleitung zu dieser recht drakonischen Strafe entschieden hat, statt ihm z.B. nachträglich eine 5 oder 10 Sekundenstrafe aufzubrummen, bleibt etwas unklar. Aber mit diesem Vergehen bzw. einer Bestrafung für „Helm zu spät auf“, dürfte der Sachse nun wohl der weltweit erste Fahrer sein, der sich damit in die Motorsport-Geschichtsbücher einträgt.

«Am Anfang hatte ich etwas Grip-Probleme am Hinterrad», beschreibt er sein zweites Rennen. «So habe ich auch im ersten Streckenabschnitt immer etwas Zeit beim Herausbeschleunigen auf Bergman verloren und die Fahrer hinter mir konnten in Schlagweite an mir dran bleiben. Etwa zur Rennmitte hatte ich mich dann mit dem Grip am Hinterrad arrangiert bzw. an die leichten Rutscher gewöhnt und konnte mich dann sukzessive von der Konkurrenz absetzen. Am Ende fuhr ich einen ungefährdeten zweiten Platz ein und habe damit - nach dem blöden Malheur vom Samstag - noch die bestmöglichen Punkte in der Meisterschaft eingefahren.»

Die Ergebnisse aus Oschersleben

Qualifying / Startaufstellung

1. 1:27.014 Christofer Bergman (SWE, Yamaha)
2. 1:27.501 Arnaud Friedrich (GER, Team LRP Poland, BMW)
3. 1:27.671 Michal Filla (CZE, BMW)

Rennen 1

1. Christofer Bergman (SWE, Yamaha)
2. Michal Filla (CZE, BMW)
3. Kamil Krzemien (POL, Yamaha)
8. Arnaud Friedrich (GER, Team LRP Poland, BMW)

Rennen 2

1. Christofer Bergman (SWE, Yamaha)
2. Arnaud Friedrich (GER, Team LRP Poland, BMW)
3. Kamil Krzemien (POL, Yamaha)

Meisterschaftstand nach 8 von 12 Rennen

1. 175 Punkte Christofer Bergman (SWE, Yamaha)
2. 137 Punkte Arnaud Friedrich (GER, Team LRP Poland, BMW)
3. 125 Punkte Kamil Krzemien (POL, Yamaha)

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