Einfach erklärt: Die wichtigsten Prototypen-Klassen

Von Oliver Müller
Sportwagen
Toyota TS050 Hybrid (LMP1) neben Oreca 07 (LMP2)

Toyota TS050 Hybrid (LMP1) neben Oreca 07 (LMP2)

Im Prototypen-Sport bricht 2021 eine neue Ära an. Die Hypercars lösen die LMP1 an der Spitze der Sportwagen-WM ab. SPEEDWEEK.com gibt einen Überblick über die verschiedenen Klassen im Prototypen-Sport.

Der internationale Sportwagen-Motorsport ist in zwei Bereiche eingeteilt: Die GT-Fahrzeuge und die Prototypen. An dieser Stelle hat SPEEDWEEK.com bereits eine Übersicht über die GT-Klassen erstellt. Prototypen brauchen keinen Bezug zu einem Straßenfahrzeug. Insofern haben die Konstrukteure hier viel mehr Freiraum bei der Entwicklung als bei einem GT. Insgesamt gelten Prototypen auch als Aerodynamik-Fahrzeuge. Das bringt hohe Geschwindigkeiten in schnellen Kurven und sorgt (zumeist) für ordentlich Fahrspaß. SPEEDWEEK.com stellt die wichtigsten Prototypen-Kategorien kurz vor:

Die LMP1-Klasse

Die LMP1 war bis 2020 die Königsklasse des Sports. Das Reglement wurde über die Jahre immer wieder geändert. Den letzten großen Einschnitt gab es 2014. Es wurde eine Hybrid-Formel eingeführt und die maximal zur Verfügung stehende Energie pro Runde festgelegt. Dies hatte technisch hochkomplexe Boliden wie Audi R18, Porsche 919 Hybrid oder Toyota TS050 Hybrid zur Folge, die rund 1000 PS an Leistung aufriefen. Die Klasse scheiterte letztendlich aber an den ausufernden Kosten. Neben den Hybrid-Wagen gab es auch LMP1 ohne Hybrid, die von Privatteams eingesetzt wurden. Diese Fahrzeuge hatten jedoch keine Chance mitzuhalten.

Die LMH-Klasse (Hypercars)

Die LMH lösen ab 2021 die LMP1 als Königsklasse ab. Die Fahrzeuge sind technisch um einiges einfacher ausgelegt als die LMP1. Es gibt beispielsweise Maximalwerte bei der Aerodynamik, was extreme Entwicklungen verhindern soll. Dadurch haben die Hersteller zudem die Möglichkeit, den Fahrzeugen ein attraktives Aussehen zu verleihen. Im Vergleich zu den LMP1 werden die LMH (auf der Rennstrecke in Le Mans) rund zehn Sekunden langsamer sein. Ein Hybridsystem ist weiterhin erlaubt. Es gibt keine Hubraumbegrenzung. Die Gesamtleistung ist jedoch auf 500 kW (rund 680 PS) festgelegt. Bislang haben sich Toyota, Peugeot, Glickenhaus und ByKolles zu einem Engagement bekannt.

Die LMP2-Klasse

Die zweithöchste Klasse ist seit 2016 streng reglementiert. Nur vier Chassis-Konstrukteure wurden zugelassen. Das sind Dallara, Ligier, Oreca und Riley/Multimatic. Das Verkaufspreis ist gedeckelt und liegt bei 483.000 EUR. Über die Jahre stellte sich der Oreca 07 als das beste Fahrzeug heraus. Aufgrund dessen wird dieses Chassis von fast allen Teams eingesetzt. Es gibt zudem einen Einheitsmotor, der von der britischen Schmiede Gibson geliefert wird. Das 4.2-Liter-Aggregat (V8-Saugmotor) bringt rund 600 PS. Der Motor kann jedoch nur geleast und nicht gekauft werden. Für die kommende Saison 2021 werden die LMP2 technisch eingebremst, damit sie auf der Uhr nicht mit den neuen Hypercars konkurrieren. Ab 2023 soll es ein neues technisches LMP2-Reglement geben.

Die LMP3-Klasse

Die LMP3-Kategorie ergänzt die LMP-Pyramide am unteren Ende. Sie ist die Einsteigerklasse in die LMP-Welt. Die LMP3 wurde zur Saison 2015 ins Leben gerufen. 2020 wurde ein überarbeitetes Reglement eingeführt. Auch hier ist die Anzahl der Chassis-Hersteller auf Vier begrenzt: Ligier, Duqueine, Ginetta und Adess. Der maximale Verkaufspreis liegt bei 239.000 EUR. Der Einheitsmotor (V8-Sauger mit 5.6 Liter Hubraum) kommt von Nissan und leistet rund 455 PS. (Wobei der zuvor verwendete 5.0-Liter-Motor aktuell auch noch gestattet ist.) Die Betreuung des Antriebsstrangs (Motor, Getriebe und Elektronik) wird über Oreca abgewickelt. Alte Chassis der Generation 2015 bis 2019 können über ein Upgrade-Kit auf den technischen 2020er Stand gebracht werden.

Die DPi-Klasse

Die DPi (Daytona Prototype international) sind eine Erfindung der amerikanischen IMSA-Serie. Sie bauen auf den LMP2-Chassis auf. Die DPi sind für Autohersteller gedacht. Anstatt des Gibson V8 müssen sie lediglich einen anderen Motor einbauen und das Aussehen der Fahrzeug-Außenhaut in gewissen Bereichen abändern. Somit können Hersteller (im Vergleich zur alten LMP1-Klasse) recht günstigen Motorsport betreiben. Aktuell sind Acura, Cadillac und Mazda in der Klasse vertreten. Es gab auch schon einen Nissan DPi.

Die LMDh-Klasse

Die LMDh sind die Nachfolger der DPi. Sie sollen 2022/2023 eingeführt werden. Auch die LMDh basieren auf den (dann neuen) LMP2-Chassis. Es wird mehr Freiheiten bei der Gestaltung der Fahrzeugoptik geben. Außerdem ist ein kleines Hybridsystem Pflicht. Im Gegensatz zu den DPi sind die LMDh dann auch in der Sportwagen-WM zugelassen. Das hat große Vorteile für die Autohersteller, da sie mit einem Fahrzeug in den beiden großen Sportwagen-Serien (WEC und IMSA) antreten können. Über eine Balance of Performance (BoP) werden die LMDh und die LMH auf ein Rundenzeiten-Niveau gebracht. Die Leistung liegt auch hier bei 500 KW. Audi und Porsche haben bereits LMDh-Pläne verkündet. Weitere Hersteller werden bald folgen.

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