MotoGP

Sachsenring-GP: Bei Promoter SRM wird das Geld knapp

Von - 14.05.2016 15:15

Seit vier Jahren veranstaltet die Sachsenring Rennstrecken Management GmbH den deutschen Motorrad-GP. Von schwarzen Zahlen ist die SRM weit entfernt. Schon Ende 2013 lagen die Schulden bei 1,2 Millionen Euro.

Als die Sachsenring Rennstrecken Management GmbH im Herbst 2011 als neuer Promoter das geschäftliche Risiko für den Motorrad-GP von Deutschland übernahm, war zweierlei klar:

1. Der Zusammenschluss der Nachbargemeinden und des Kreises Zwickau durfte kein Steuergeld aufs Spiel setzen.

2. Es würde kein Kinderspiel werden, mit dem Sachsenring-GP Gewinne zu erwirtschaften, nachdem die Dorna die Gebühren von 1,5 auf 3 Millionen Euro erhöht hatte.

Tatsächlich blieb die SRM GmbH gleich im ersten Jahr auf einem saftigen Verlust von 209.000 Euro sitzen.

Mittlerweile wurde zur Erleichterung der SRM die Ticketsteuer abgeschafft, die der ADAC Sachsen noch alljährlich auf die Ticketeinnahmen bezahlen musste, was der langjährige GP-Promoter (1998 bis 2011) immer angeprangert hatte.

Trotzdem ist die finanzielle Situation der Sachsenring Rennstrecken Management Gmbh inzwischen ziemlich prekär geworden.

Eines ist klar: Würden sich Dorna Sports und der ADAC nicht über einen weiteren Fünf-Jahres-Vertrag einigen, was inzwischen – zum Glück – gewiss ist, wäre die SRM von der Insolvenz bedroht.

Wolfgang Streubel, Bürgermeister von Gersdorf und Geschäftsführer der SRM, bemüht sich zwar, die wirtschaftlichen Probleme der SRM GmbH schönzureden.

Aber in Sachsen wird erzählt, die SRM habe sogar Schulden beim ADAC in München, weshalb ADAC-Sportpräsident Hermann Tomczyk gar nicht so gerne Aussagen von Streubel liest, wonach die SRM keine Verluste mache.

Ein Blick in die Bilanzen der SRM GmbH fördert nicht gerade verheissungsvolle Zahlen ans Tageslicht.

Es begann damit, dass Wolfgang Streubel für den Grand Prix 2012 offiziell einen Verlust von 209.000 Euro einräumte. Kein Wunder: Die Dorna hatte die Gebühr von 1,5 auf 3 Millionen Euro erhöht.

2013 versicherte Streubel, die SRM GmbH sei beim zweiten Grand Prix mit einer schwarzen Null ausgestiegen. Nach dem Grand Prix 2014 sprach er gegenüber SPEEDWEEK.com von einer «leichten Ertragssteigerung».

«Sie waren aber nicht so stark. dass sie die Verluste von 2012 aufwiegen konnten», räumte Streubel damals ein.

In den SRM-Bilanzen hat sich diese angebliche «Ertragssteigerung» jedenfalls nicht niedergeschlagen.

Bilanz 2012:

Es wird ein Verlust von 79.000 Euro ausgewiesen. Aus 2011 wurde ein Verlust von 445.000 Euro übernommen. Macht als Verlustvortrag mehr als 524.000 Euro.

Buchmäßig waren damit die Schulden höher als das eigene Vermögen; deswegen der nicht gedeckte Fehlbetrag, die SRM GmbH war überschuldet.

III. Verlustvortrag 444.928,06
IV. Jahresfehlbetrag 79.072,10
V. nicht gedeckter Fehlbetrag 348.500,16

Bilanz 2013:

Anstatt einer schwarzen Null hatte die SRM GmbH 737.000 Euro Verlust fabriziert; dazu gesellten noch die kumulierten Verluste aus den Vorjahren in der Höhe von 524.000 Euro.

Das ergab einen Gesamt-Fehlbetrag von 1,261 Millionen Euro.

III. Verlustvortrag 524.000,16
IV. Jahresfehlbetrag 737.493,14
V. nicht gedeckter Fehlbetrag 913.493,30

Fazit: Die SRM GmbH war überschuldet mit 1,2 Millionen Euro.

Bilanz 2014:

III. Verlustvortrag 1.261.493,30
IV. Jahresüberschuss 138.590,46
V. nicht gedeckter Fehlbetrag 774.902,84

Es wurde im Jahr 2014 ein Gewinn von 138.590 Euro erwirtschaftet. Die SRM schleppte aber noch eine Schuld von 1.261.493 Mio aus den Vorjahren mit und galt somit weiter als bilanziell überschuldet.

Den eigenen Forderungen von ca. 200.000 Euro standen ca. 800.000 Euro an Verbindlichkeiten gegenüber. Rechnet man diese in das Ergebnis mit ein, fällt das Betriebsergebnis ebenso katastrophal aus wie im Jahr zuvor. Die Schulden werden damit weiter wachsen. Das Ausweisen des Jahresüberschusses kann nur als Bilanzkosmetik betrachtet werden.

Die Bilanz für das Jahr 2015 ist noch nicht einsehbar.

Die Überschuldung lässt sich jedenfalls nicht mehr leugnen.
Nach § 19 Abs. 2 InsO liegt eine Überschuldung dann vor, wenn das Vermögen des Schuldners (des Unternehmens) die bestehenden Verbindlichkeiten nicht mehr deckt, es sei denn, die Fortführung des Unternehmens ist nach den Umständen überwiegend wahrscheinlich.

Kein Wunder, wenn den SRM-Verantwortlichen langsam der Boden unter den Füssen heiss wird. Würde 2017 kein WM-Lauf in Sachsen zustande kommen, möchte ich nicht Geschäftsführer oder Gesellschafter der SRM GmbH sein.

Im normalen Geschäftsleben fiele es schwer, im Zusammenhang mit der SRM das Wort «Insolvenzverschleppung» zu vermeiden, in Deutschland ein strafbarer Tatbestand. Die SRM-Gesellschaft ist schwer verschuldet, verfügt nur über geringes Eigenkapital und kann die Liquidität zum Ende eines jeden Jahres nur deswegen garantieren, weil jeweils im alten Jahr der Ticket-Vorverkauf für die nächste Saison beginnt und dadurch frische Ticketeinnahmen vorliegen.

Würde die SRM GmbH den GP von Deutschland nach 2016 als wichtigsten Geschäftszweck verlieren, wäre der Zusammenschluss der Kommunen Hohenstein-Ernstthal, Oberlungwitz, Lichtenstein, Berndorf, Gersdorf und des Kreises Zwickau vom Bankrott bedroht.

Das heisst: Die Bürgermeister haben inzwischen einsehen müssen, wie schwer es ist, den Grand Prix zu finanzieren, zumal bei Dorna-Gebühren von 3 Millionen.

Es blieb der SRM GmbH nichts anderes übrig, als die Eintrittspreise in den letzten Jahren gegenüber 2011 um 40 oder 50 Prozent zu erhöhen. Dazu erhält die SRM Steuergeld zur Durchführung des Grand Prix, Investitionen übernehmen mitunter der ADAC oder der Freistaat Sachsen, die Ticketsteuer wurde abgeschafft – zu Lasten der Kommunen.

Die Finanzierung des Grand Prix auf dem Sachsenring wird in den nächsten Jahren nicht einfacher. Denn die Dorna will die Gebühren schrittweise auf 4 Millionen pro Jahr erhöhen.

Warum wird um den neuen Fünf-Jahres-Deal mit der Dorna seit fast einem Jahr diskutiert? Es geht um einen Rabatt auf die übliche GP-Gebühr.

Weil bei der SRM GmbH akute Geldknappheit herrscht. Sie muss wie einst der ADAC Sachsen Streckenmiete bezahlen, dazu existiert das leidige Problem der Privattribünen auf den Grundstücken der Eigentümer. So gehen 8000 Tribünenplätze verloren, die SRM erhält nur die Kosten für Stehplätze, es gehen also rund 50 Prozent des Umsatzes von 8000 Plätzen verloren.

Dieses Problem beklagte einst auch der ADAC Sachsen, die Kommunen sahen damals tatenlos zu.

Eines ist klar: Die ADAC-Zentrale in München, die SRM, der AMC Sachsenring, die Sächsische Staatskanzlei, der ADAC Sachsen sowie alle Fans und Wirtschaftstreibenden in der Region wollen den WM-Lauf unbedingt dauerhaft in Sachsen halten.

Aber bei allen Beteiligten herrschen persönliche Eitelkeiten und Eifersüchteleien vor. Auch wenn es immer wieder scheinheilig bestritten wird: Jeder kocht sein eigenes Süppchen.

Wolfgang Streubel ist ein Konsens-Politiker, offenbar nicht die Idealbesetzung für den harten Wettbewerb der Privatwirtschaft.

Es fehlt ein starker Mann, der alle Beteiligten an einen Tisch bringt und ein Konzept erstellt, wie man es gemeinsam besser machen und wie man gemeinsam Einsparungspotenziale festlegen kann.
Dass die Einnahmen erhöht und die Kosten gesenkt werden müssen, leuchtet jedem halbwegs aufgeweckten Beobachter ein.

Alle Beteiligten sind am Fortbestand des Grand Prix auf dem Sachsenring interessiert.

Aber bisher beackert jeder nur sein eigenes Gärtchen. Da gehört auch die Problematik Ankerberg dazu.

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