Sandbahn

Für die Rettung des Langbahnsports: Ein Dutzend Tipps

Von - 18.01.2018 10:28

Mit dem Langbahnsport ging es jahrelang bergab. Was kann man dagegen tun, wie könnte man es besser machen? SPEEDWEEK.com hat sich einige Anregungen überlegt.

Bahnsport gehört zu den Randsportarten, denen nicht viel mediale Aufmerksamkeit vergönnt ist. Einzig die Grands Prix der Speedway-Weltmeisterschaft bilden eine Ausnahme.

Deutschland war einmal die Hochburg des Langbahnsports, worunter wir an dieser Stelle alle Sand- und Grasbahnrennen, unabhängig von der reinen Bahnlänge, verstehen wollen. Doch immer weniger Nachwuchs ist in Sicht, die Fahrerfelder werden kleiner, reihenweise haben die letzten acht Jahre internationale Toppiloten ihre Karriere beendet.

Seit Jahren schrumpft auch die Zahl der Veranstalter, es kommen immer weniger Zuschauer zu den Rennen, nur wenige Clubs haben guten Zuspruch und die Zeichen der Zeit erkannt.

Woran liegt das, fragt SPEEDWEEK.com seit Jahren und gibt wertvolle Tipps, wie die Situation verbessert werden könnte.

Die Sand- und Grasbahnrennen dauern oft viel zu lange, manchmal vier Stunden und darüber hinaus. Bei einer reinen Rennzeit von knapp einer Dreiviertelstunde werden sich viele, vor allem neue Bahnsport-Besucher überlegen, ob sie sich das in Zukunft noch einmal antun wollen.

Wir stellen heute noch einmal ein Dutzend Tipps zur möglichen Rettung des Langbahnsports zur Diskussion.

Tipp 1: Moderate Preise

15 bis 20 Euro Eintritt für ein Rennen? Das geht gar nicht, denn schon eine kleine Familie mit nur einem Kind müsste hier ganz schön das Portemonnaie öffnen, um überhaupt erst mal hinein zu kommen, von der nötigen Verpflegung mal ganz abgesehen. Weniger Eintritt bringt mehr Fans an die Bahn, vor allem, wenn man auch Familienkarten mit entsprechenden Ermäßigungen anbietet. Auch Koppelungen der Eintrittskarte mit einem Getränk, einem Stück Kuchen oder einer Wurst könnten Besucher locken.

Der radikalste Vorschlag: Eintritt frei für alle. Dafür wird die Zahl der Buden für Essen und Trinken drastisch erhöht und die Vielfalt der Angebote deutlich erweitert. Damit wird großflächig und geschickt Werbung gemacht.

Tipp 2: Keine langatmige Fahrervorstellung

Oft sieht man, dass sich das gesamte Fahrerfeld eine halbe Stunde vor dem ersten Start in sengender Sonne im Innenraum nebeneinander aufreiht. Dann werden Reden gehalten, zuerst der Vorsitzende, danach der Bürgermeister und anschließend wird vielleicht auch noch ein verdientes Mitglied geehrt. In der Folge stellt der Sprecher langatmig jeden einzelnen Akteur vor, vom Weltmeister bis hinunter zum Anfänger in der Juniorenklasse A. Völlig verkehrt! Lasst alle Aktiven mit ihren Motorrädern auf der Bahn langsam und ohne Helm ein paar lockere Runden drehen. Derweil stellt der Sprecher das gesamte Fahrerfeld kurz und knackig vor. Kurze Zeit später geht es los.

Tipp 3: Bahndienste besser organisieren

Im Vorfeld der Veranstaltung muss die Bahn so vorbereitet werden, dass so wenig Bahndienste wie möglich während des Renntags nötig sind. Vor den Rennen müssen genaue Absprachen erfolgen, wann und wie lange die Bahndienste sein sollen. Bei aller Zügigkeit darf es aber nicht zu Lasten der Sicherheit der Aktiven, aber auch nicht zu Lasten des Komforts der Fans (Staub, Dreck, Steinschlag) gehen.

Tipp 4: Zügige Rennabfolge

Pausen zwischen den einzelnen Läufen verzögern den gesamten Rennablauf. Fahrerlagerchef und Rennleiter müssen in engem Kontakt dafür sorgen, dass der nächste Lauf immer schon bereitsteht, wenn der vorherige fertig ist. Und der Schiedsrichter sollte die 3-Minuten-Regel konsequent anwenden, ebenso sollte er das ewige «Buddeln» am Startband für eine bessere Rille unterbinden. Bei Verstößen Start 15 Meter zurück.

Tipp 5: Keine Startdisqualifikation

Wie oft sieht man dies: Die Fahrer fahren an das Startband, einer gibt zu früh Gas oder die Kupplung fasst zu früh – Disqualifikation, keine Chance mehr auf den Sieg. Warum das? Besser wäre ebenfalls ein Handicap-Start wie beim «Buddeln», das heißt 15 Meter von weiter hinten.

Tipp 6: Keine 5er-Fahrerfelder

Langbahnrennen mit fünf Fahrern, so wie bei den Grands Prix üblich? Das geht gar nicht. Sechs Fahrer sind Minimum, wenn Bahnbreite und -radius das zulassen.

Tipp 7: Flotte Moderatoren

Fast nichts im schlimmer als ein lahmer Sprecher oder ein zu übereifriger. Eine gute Moderation, möglichst das eines Duos, kann Schwächen im Ablauf eines Rennens kaschieren. Sich eigene Leute im Club heranzuziehen ist zugegebenermaßen schwer, aber immer den Versuch wert. Auf jeden Fall sollen die Besucher kurz und pointiert über den kommenden Lauf informiert werden. Wer fährt? Was gibt es kurz zu den einzelnen Fahrern zu sagen und wie viele Punkte hat jeder? Ist der Lauf vorbei, werden die Punkte verteilt und der aktuelle Stand verkündet. Der Co-Moderator erklärt kurze Zeit später aus dem Fahrerlager, woran es bei dem einen oder anderen haperte. Er sucht sich auch interessante Gesprächspartner unter den Zuschauern. Aber Vorsicht, zu flotte Moderation kann auch gehörig nerven. Schlechte Läufe können nicht gut gequatscht oder gebrüllt werden und die Sprüche dürfen auch nicht immer die gleichen sein, die über das Mikro abgelassen werden.

Tipp 8: Musik für alle spielen

Mit der eingespielten Musik kann ein Rennen stehen oder fallen. Eintönigkeit ist hier jedenfalls fehl am Platz. In jedem Club gibt es heutzutage junge Leute, die gewitzt genug und technisch versiert sind, einen Cocktail von Top-Hits und bewährten Klassikern zusammenzustellen. So bindet man sie auch gleich in die Vereinsarbeit mit ein und schafft interessante Aufgabengebiete für sie.

Tipp 9: Lesbare und interessante Programmhefte

Wer hat das nicht schon mal erlebt? Man sucht sich im Programmheft die Finger nach der nächsten Rennklasse wund. Ein System ist oftmals nicht zu erkennen. Das Heftchen erweist sich als Sammelsurium von Firmenwerbungen, die allesamt ohne Sinn und Sachverstand zusammengezimmert wurden. Lasst das doch Fachleute machen, viele Clubs haben solche unter ihren Mitgliedern oder im Umfeld.

Tipp 10: Früher anfangen

Ein Langbahnrennen beginnt bei uns üblicherweise um 9 Uhr mit dem Training und vielleicht einigen Vorläufen der Jugendklassen. Nach einer ausgiebigen Mittagspause geht es dann gegen 13 oder 14 Uhr endlich los. Und wenn man Pech hat, sind die Rennen gegen 18 Uhr beendet. Manch einer hat dann noch einige hundert Kilometer Heimweg vor sich. Warum das? Besser: Trainingsbeginn 9 Uhr, Rennbeginn 11 Uhr, dann können alle spätestens gegen 16 Uhr wieder heim. Auch ist zu überlegen, ob man von seinem Traditionstermin Sonntag nicht abgeht und auf Samstag vorzieht, dann können viele abends noch ordentlich vor Ort feiern.

Tipp 11: Bessere Jugendförderung

Die Jugend muss mehr gefördert werden, denn ohne Nachwuchs geht gar nichts. Das bedeutet aber auch, dass man qualifizierte Betreuer und Trainer braucht. Die muss man unter den Erwachsenen gewinnen und entsprechend schulen lassen. Hier wäre auch eine regionale Zusammenarbeit der Vereine wichtig.

Tipp 12: Nach vorne schauen

Wie oft hört man von den Fans, dass früher alles besser gewesen sei, dass die Rennen damals von (Zehn-) Tausenden von Zuschauern besucht wurden, dass der ein oder andere deutsche Held unter den Fahrern für Zulauf auf den Bahnen gesorgt habe und so weiter. Und unter den Clubvorständen scheint sich immer noch nicht überall herumgesprochen zu haben, dass das, was man schon immer so gemacht hat, heutzutage nicht mehr unbedingt das Maß aller Dinge ist. Mitspracherecht ist hier gefordert, die Einbindung junger Leute mit Ideen, neue Wege gehen. Das Motto muss für alle sein: Nicht immer nur auf gestern, sondern vor allem auch nach vorne schauen!

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