WRC

Fazit Spanien: Fast schon peinlich für Ogier und Co

Von - 30.10.2018 17:25

Die Rallye-Rentner Sébastien Loeb und Petter Solberg lassen die aktuellen Piloten alt aussehen

Sind wir doch mal ehrlich. Sébastien Loeb ist nicht gerade in Topform. Also rein körperlich. Seitdem er hauptberuflich Rallycross-WM fährt, lässt der inzwischen 44 Jahre alte neunmalige Rallye-Weltmeister und Ex-Leistungsturner das Fitnesstraining sichtbar schleifen. Die eine oder andere Zigarette darf’s auch sein, sogar zwischen zwei Wertungsprüfungen der Rallye Spanien. Über die physische Verfassung von Beifahrer Daniel Elena, sogar noch zwei Jahre älter als sein Chauffeur, decken wir lieber gleich den Mantel des Schweigens.

Und von diesen beiden Artisten, die zu allem Überfluss auch noch im nach allgemeiner Meinung schlechtesten Auto der WM-Gegenwart sitzen, lässt sich die komplette aktuelle Fahrer-Elite anstreichen. Zugegeben, Loeb/Elena haben die Rallye Spanien nicht durch Schnelligkeit gewonnen, sondern vor allem durch ihre Abgebrühtheit.

Am Freitagabend lagen sie bereits deutlich vor den beiden WM-Kandidaten Sébastien Ogier und Thierry Neuville Auf der Schotter-Etappe hatten die beiden Citroën-Senioren auch von ihrer späten Startposition profitiert.

Mit den weniger als fünf Sekunden vor ihm liegenden Dani Sordo und Elfyn Evans machte Loeb auf den folgenden Asphaltstrecken kurzen Prozess. Ganz wie früher. Nur dass Ott Tänak, der zu diesem Zeitpunkt schon um 30 Sekunden enteilt war, seine ansonsten brillante Leistung durch einen Reifenschaden zunichte machte, kann Loeb als Glück verbuchen.

Am Sonntag lief es auf einen Dreikampf zwischen dem jetzt trotz eines Reifenschadens überraschend führenden Jari-Matti Latvala, Ogier und Loeb hinaus. Und plötzlich war wieder alles wie früher. Als die Reifenwahl wg. Asphalttemperaturen unter 10 Grad und teilweise feuchter Strecke tricky wurde, ließ alleine Loeb die harten Gummis aufschnallen. «Warum die anderen weiche Reifen gewählt haben, ist mir schleierhaft», wunderte sich der Maestro später. Plötzlich lag Loeb mit mehr als sieben Sekunden in Führung. Prompt verlor Latvala die Nerven und zerstörte einen Reifen an einem Leitpfosten.

Vor der letzten Prüfung trennten Loeb und Ogier nur 3,6 Sekunden. So einen Vorsprung lässt sich Loeb auf knapp 15 Kilometern Asphalt nicht nehmen. Nicht 2012, im Jahr seines letzten Titels. Und auch nicht 2018, ganze 16 Jahre nach seinem ersten WM-Sieg (Deutschland 2002). Auch wenn ein Fahrfehler am berühmten Kreisel von Riudecanyes beinahe zum kollektiven Herzinfarkt im Citroën-Camp geführt hätte.

Im Ziel waren noch 2,9 Sekunden Vorsprung übrig - und Loeb den Tränen nahe. «Mir war erst nach dem Blick auf die Zeitentafel klar, dass wir tatsächlich gewonnen haben. Das war vielleicht einer meiner besten Siege», stammelte er sichtlich bewegt. Inzwischen will er nicht ausschließen, 2019 vielleicht doch ein paar WM-Läufe dranzuhängen.

Was uns nahtlos zu Petter Solberg bringt, der zweiten Überraschung der Rallye Spanien. Der Norweger bestritt seine erste WM-Rallye seit ziemlich genau sechs Jahren, wies aber hinterher alle Fragen nach weiteren Einsätzen weit von sich. Dass er’s ebenfalls noch kann, war ihm offenbar Bestätigung genug.

Tatsächlich mischte der 43 Jahre alte Norweger bei seiner ersten Rallye in einem R5-Auto mit einer Selbstverständlichkeit in der Spitzengruppe der WRC2 mit, dass auch hier dem einen oder anderen Stammpiloten die Kinnlade herunterfiel.

Natürlich scheint der VW Polo GTI R5, der in Spanien seine WM-Premiere feierte, kein ganz schlechtes Auto zu sein. Immerhin führte Solbergs Teamkollege Eric Camilli, bis ihn ein defektes Schaltgestänge lahmlegte. Und Solbergs Beifahrerin Veronica Engan wiegt wahrscheinlich weniger als die Hälfte von Daniel Elena.

Dennoch ist Solbergs Leistung aller Ehren wert. Schließlich war auch er nicht topfit. Was allerdings nicht an einem ausschweifenden Lebensstil lag, sondern an einer lebensgefährlichen Lungenkrankheit, mit der er seit über einem Jahr kämpft. Außerdem musste er sich erst wieder daran gewöhnen, auf die Ansagen eines Copiloten zu hören, mit Engan war er zuvor noch nie gefahren. «Ich habe gegenüber den Konkurrenten vor allem in den schnellen Abschnitten verloren. Wenn’s mit Topspeed über nassen Asphalt oder auf Schotter zwischen Bäumen hindurch geht – dazu fehlt mir heute ein bisschen der Mut», gab Solberg zu.

So sprang am Ende «nur» ein dritter Rang hinter den übermächtigen Skoda-Werksfahrern Kalle Rovanperä und Jan Kopecký heraus. Vor der Leistung von Ex-Konkurrent Sébastien Loeb zog Solberg den Hut. «Séb hat mal wieder bewiesen, dass er nicht umsonst der Größte ist.»

Der sogar noch andere Tricks von früher drauf hat. Auf dem Podium in Salou legte Ex-Turner Loeb, genau wie nach seinem Sieg bei der Rallye Korsika 2005, aus dem Stand einen astreinen Salto rückwärts hin. Beifahrer Daniel Elena hielt mit einem ungelenken Purzelbaum vorwärts dagegen.

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