Ducati-Teammanager Tardozzi: «Rossi war ein Star und Held sogar für Omas»
Die MotoGP Sports Entertainment Group, früher bekannt unter dem Namen Dorna, betreibt eine Gratwanderung, was die Ausstrahlung der Grands Prix im Bezahlfernsehen und die erzielte Reichweite betrifft.
Die Medienwelt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten drastisch gewandelt. Heute leistet sich beinahe jeder Haushalt ein Abo für Streamingdienste und/oder Pay-TV-Sender; das vermeintliche Free-TV des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in verschiedenen europäischen Ländern kann in seiner jetzigen Form nur überleben, weil es durch den Steuerzahler mit Zwangsgebühren finanziert wird.
Für Zuschauer ist es inzwischen normal, dass sämtliche digitalen Inhalte jederzeit auf dem Smartphone, Tablet, Notebook oder Smart-TV geschaut werden können, durch die veränderte Mediennutzung ist die Akzeptanz von Bezahlinhalten gestiegen. Sportvermarktungsagenturen stellt das vor die Aufgabe, genau abzuwägen zwischen möglichst viele Fans über das Free-TV erreichen und lukrativere Verträge mit Pay-TV-Sendern abzuschließen. Eine Gratwanderung – denn Sportarten, die nur im Pay-TV stattfinden, laufen Gefahr, aus der öffentlichen Wahrnehmung zu verschwinden. Das macht sich zum Beispiel in der MotoGP-Hochburg Italien bemerkbar.
Das Zugpferd Valentino Rossi fehlt
«In den vergangenen Jahren haben wir in Italien Marktanteile verloren», sagte Ducati-Lenovo-Teammanager Davide Tardozzi im Gespräch mit SPEEDWEEK.com. «Über andere Länder kann ich nichts sagen. Dass wir Valentino Rossi nicht mehr haben, ist ein Problem. Valentino Rossi war ein Star, ein Held sogar für die Omas. Er hat dafür gesorgt, dass sie sich die MotoGP anschauten. Andererseits ist Pecco Bagnaia seit ein paar Jahren sehr bekannt in Italien und natürlich auch Ducati und Aprilia – sie leisten bei der Promotion gute Arbeit. Fest steht aber auch, dass Pay-TV nicht hilft. Aber diese Welt muss überleben und Pay-TV-Sender bezahlen gutes Geld, also tendieren die Organisatoren in diese Richtung. Ich weiß nicht, wie sich das mit den neuen Eigentümern entwickeln wird, wie sie die Meisterschaft vermarkten wollen. Ich glaube, dass sich die Zeit bezüglich Pay-TV nicht zurückdrehen lässt.»
Das lässt mich darüber nachdenken, dass wir irgendwo Fehler machen.davide tardozzi
Die Hoffnungen im MotoGP-Paddock sind groß, dass durch Liberty Media, dem Eigentümer der MotoGP Sports Entertainment Group, wenigstens ansatzweise ein Boom entsteht, wie wir ihn weltweit in der Formel 1 erleben. Denn damit würde eine massive Wertsteigerung der Serie einhergehen.
«Ich bin erstaunt, wenn ich mir die Preise für die Tickets in der Formel 1 anschaue, und die Tribünen sind alle von Freitagmorgen an voll», hob Tardozzi hervor. «Das lässt mich darüber nachdenken, dass wir irgendwo Fehler machen. Es ist aber auch offensichtlich, dass die MotoGP nicht nach Las Vegas, Dubai oder Monte-Carlo gehen kann. Bei uns sind gewisse Dinge ganz anders und wir müssen uns um die Sicherheit deutlich mehr Gedanken machen. Das macht einen großen Unterschied aus.»
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