George Russell/Mercedes nach Baku-Pole baff: «Das ist noch nie passiert!»
George Russell hat in der Quali zum Aserbaidschan-GP die Pole-Position erobert. Der Mercedes-Pilot lässt Leclerc und Piastri hinter sich. Was den Briten nach der tollen Leistung selber erstaunt hat.
Abschlusstraining zum Grand Prix von Aserbaidschan: Mercedes-Pilot George Russell krallt sich die zwölfte Pole-Position seiner Formel-1-Karriere (gleich viele wie Gerhard Berger und David Coulthard), die fünfte in dieser Saison (nach Australien, Kanada, Barcelona und Österreich) und die erste auf dem Baku City Circuit. Für seinen Rennstall Mercedes ist es die elfte Pole in der GP-Saison 2026, die 154. insgesamt und die dritte in Baku (nach 2017 und 2019).
Gut für Russell: Titelrivale und WM-Leader Kimi Antonelli leistete sich einen Patzer und wird aus dem Mittelfeld losfahren müssen.
Russell blickt so auf seine Quali zurück: «Schon eine Weile her, dass ich mir eine Pole holen konnte, ich bin sehr froh. Ich glaube nicht, dass ich je einen solchen Vorsprung auf den Zweitschnellsten hatte, nicht mal zu meinen Tagen in der Formel 3 oder Formel 2.»
«Das Auto fühlt sich das ganze Wochenende schon toll an, und wenn dir dann eine solche Runde gelingt, dann ist das extra süss. Ich spürte viel Zuversicht, auch zwischendurch, als ich nicht in Führung lag. Ich hatte immer den Eindruck, dass ich noch kontern kann. Am Ende war es eine perfekte Runde, mit Windschatten von Hadjar.»
«Max Verstappen war das ganze Wochenende über stark, ich weiss nicht, was zum Schluss mit ihm passiert ist. Eigentlich rechnete ich damit, dass er noch da vorne auftaucht.»
«Was das Rennen angeht, so stimmt die Ausgangslage. Aber das ist Baku, und jeder weiss, was hier alles passieren kann.»
So lief das Abschlusstraining
Bei freundlichem Wetter (25 Grad, die Rennstrecke bei 40,7 Grad) ging es in die Qualifikation für den Aserbaidschan-GP. Die Quali begann um vier Minuten verspätet, weil die Piste nach einem turbulenten Formel-2-Rennen und wegen des starken Windes nochmals gereinigt werden musste. Teils lagen nicht nur Kohlfasersplitter auf der Bahn, sondern sogar ganze Äste.
Der böige Wind kam vom Kaspischen Meer (also in Fahrtrichtung von rechts bei der langen Vollgaspassage zurück zu Start und Ziel), schon im dritten Training hatten wir zahlreiche Verbremser der schnellen 22 Herren erlebt.
Das erste Ausrufezeichen kam von Red Bull Racing-Rückkehrer Isack Hadjar: schneller als Max Verstappen. Dann Hamilton zwischen den beiden RBR-Rennwagen. George Russell beklagte sich über Vorderräder, die zum Blockieren neigen.
Verstappen meldete sich am Funk: «Der Wagen setzt vorne zu stark auf, ich kann kaum richtig bremsen.»
Sorgen auch für Kimi Antonelli, nach zehn Minuten: «Ah, Mist, ich habe die Mauer berührt.» Links vorne löste sich der Reifen von der Felge, offenbar hatte auch die Spurstange einen Schlag erhalten. WM-Leader Antonelli wurde angewiesen, das Auto zur Seite zu stellen, der Bologneser versuchte dennoch, den Mercedes an die Box zu bringen, gab dann aber auf – aus.
Die Wiederholung zeigte: In Kurve 1 links innen angeschlagen, der Schlag war ziemlich heftig. Kimi am Funk: «Es tut mir so leid, Jungs.» Das wird wohl Startplatz 16 werden für den Italiener.
Anderes Sorgenkind: Champion Lando Norris. «Ich habe links vorne Funken fliegen gesehen, da stimmt mit dem Wagen etwas nicht.» Die McLaren-Mechaniker guckten sich den vorderen Teil des Unterbodens an.
Bei der ganzen Aufregung ging fast vergessen, dass Verstappen vor Hadjar lag, dann Hamilton, Russell, Leclerc und Norris. Dann rückte Russell wieder auf P1.
Als Q1 zu Ende ging, hatten vorzeitig Feierabend: Bortoleto und Hülkenberg (und das mit dem grossen Audi-Update, autsch!), Alonso, Pérez, Bottas und Stroll. Hülki hatte beim letzten Versuch viel Pech, weil es nach Alonso-Patzer gelbe Flaggen gab.
Top-Ten: Russell, Verstappen, Hadjar, Hamilton, Leclerc, Gasly, Norris, Piastri, Albon und Ocon.
Im zweiten Quali-Segment meldete Isack Hadjar, der Wind sei noch kraftvoller geworden. Der Pariser aber weiterhin in guter Form: einen Hauch schneller als Verstappen und damit zunächst Leader.
Dann scheinbar aus dem Nichts McLaren: Norris vor Piastri, kurz darauf Baku-Spezialist Leclerc vorn. Aber nicht lange, denn dann setzte sich George Russell auf P1.
Max Verstappen nahm einen frischen Anlauf, aber nur P7, während Hadjar als Dritter glänzte.
Ferrari-Ass Lewis Hamilton war im ersten Pistenteil Schnellster, verlor aber Zeit im zweiten und auf dem langen Weg zurück zu Start und Ziel ging dem Briten der elektrische Saft aus.
Würde von Max Verstappen noch was kommen? Ja, hoch auf P2, nur zwei Hundertstel hinter Leader Russell! Hadjar gleichzeitig mit einem Verbremser im zweiten Pistenteil.
Out nach Q2 für: Bearman, Lawson, Albon, Ocon, Lindblad und Antonelli, der nach seinem Crash ja nicht mehr fahren konnte.
In den Top-Ten und damit qualifiziert für Q3: Russell (der sich nochmals verbessert hatte), Verstappen, Leclerc, Piastri, Hadjar, Norris, Hamilton, Gasly, Sainz (erstmals 2026 in der Quali unter den schnellsten Zehn) und Colapinto.
Im Kampf um die Pole in Q3 legten die McLaren vor: Piastri vor Norris, dann Russell und Verstappen.
Hadjar rückte hoch auf P3, dann Russell wieder vorne. Wo war eigentlich Ferrari? Leclerc auf einmal auf P2 hinter Russell, Hamilton aber nur auf P7, eine Sekunde weniger schnell als Leclerc. Verstappen auf einmal nur noch Achter.
Russell legte erneut nach, wirklich stark. Piastri schob sich auf P3 hinter Russell und Leclerc.
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