Euro Moto Superbike
Florian Alt erlebt in Most einen der härtesten Renntage seiner Karriere
Bei der Euro Moto Most kamen bei 40 Grad Luft- und 70 Grad Asphalttemperaturen Menschen und Motorräder an ihre Grenzen. Es dürfte nicht die letzte Hitzewelle gewesen sein.
Mittlerweile hat sich Lukas Tulovic vom Team Triple M Ducati Frankfurt wieder von den Strapazen am vergangenen Wochenende bei der Euro Moto in Most erholt. Er hatte zwar zwei Siege und damit 50 Punkte geholt und damit seine Tabellenführung weiter ausgebaut, doch am Ende war Tulovic auf der örtlichen Krankenstation gelandet. Der glühend heiße Motorblock hatte ihm seine linke Wade versengt. Beim Absteigen vom Motorrad nach Lauf 2 sah man gleich, dass beim sonst in allen Lebenslagen professionellen Tulovic nicht alles in Butter war.
«Das Gefühl, wenn man 25 Minuten gekämpft und auf die Zähne gebissen hat, bei 40 Grad Luft und knapp 70 Grad Asphalt Temperatur, das kochende Motorrad einen selbst verbrennt, man aber keinen Ausweg hat», so seine Beschreibung der Strapazen vor allem in Lauf 2. «Ich habe so oft überlegt, das Rennen einfach abzubrechen, den leichten Ausweg zu nehmen, mit jeder Runde wurde der Schmerz größer, aber das Ziel rückte näher.»
«Mit Spaß hatte das nichts mehr zu tun, ich wollte einfach nur noch raus, keinen Schmerz mehr spüren, mich abkühlen, die Wunde versorgen und weg von dem heißen Motorrad. Der Sieg war am Ende nebensächlich», gab er am Ende zu. «Einen Tag später war ich dennoch stolz, dass ich es so durchgezogen habe. Ich weiß aber auch, dass ich nie wieder in dieser Situation stecken möchte. Ich hoffe, allen gestützten Fahrern geht es den Umständen entsprechend gut. Allen voran meinem Freund Marcel Brenner der nach einem Highsider ins Krankenhaus musste. Passt auf euch auf.»
Auch seine Kollegen bezeichneten die Bedingungen in Most als erbarmungslos, unmenschlich oder heiß wie die Hölle. Unter ihnen auch Fahrer, die bereits Erfahrungen mit sommerlicher Hitze in Asien oder Zentralspanien gemacht hatten. Doch Most war mit seinen 40 Grad und nahezu Windstille nochmals eine Steigerung zum bisher dagewesenen.
«Mittlerweile geht es mir wieder sehr gut», versichert Tulovic einige Tage nach dem heißen Ritt auf seiner Ducati. «Meine Wade wurde in Most mit einem Gel und einem nassen Verband gut gekühlt. «Ich hatte schon Verbrennungen, ab einem gewissen Zeitraum ist das extrem schmerzhaft. Das in Most war von der Verbrennung nicht so extrem, aber ich wollte nur weg und raus aus dem Leder. Und Abkühlung.» Allein ist er mit der Ducati-Hitze nicht. «Ja, das ist typisch», bestätigt er. «Vor allem auf der linken Seite. Da ist der Motor ungeschützt und der V4-Motor ist speziell aufgebaut, bei dem der hintere Block keine Abdeckung hat. Wir überlegen, was wir da in Zukunft machen. Entweder mit einer Abdeckung oder etwas an der Lederkombi.
Im ersten Rennen begann sich Tulovic gegen Ende unverhältnismäßig oft nach seinen Verfolgern umzudrehen. Seine Ducati hatte ihm nämlich unvermittelt ‚low fuel‘ angezeigt. Spritmangel drohte. «Ich musste ja noch zwei Runden fahren», erzählt Tulovic. «Da habe ich dann angefangen, zu sparen. Auch, damit ich hinterher beim Wiegen nicht zu leicht bin.» Doch scheinbar war es auch dem Benzin-Sensor zu heiß geworden und er hatte zu früh ausgelöst. Am Ende waren noch zwei Liter drin. Sicherheitshalber kam für das zweite Rennen noch ein Extra-Schluck in den Tank.
«Im zweiten Rennen habe ich permanent ans Aufhören gedacht», so Tulovic. Es hatte im Vorfeld Diskussionen über die Verkürzung der Distanz gegeben. Es ging um ein Minus von zwei Runden. Da es kein einstimmiges Ergebnis gab, wurde die Idee verworfen. Nach dem Rennsonntag dürfte wohl der eine oder andere Pilot seine Entscheidung nochmals überdacht haben. An der Fitness der Piloten hatte es sicherlich nicht gelegen. Doch es geht auch um die Sicherheit der anderen, ein Streckenposten musste unter anderem mit dem Krankenwagen abtransportiert werden.
Auch das Material wurde auf eine harte Probe gestellt. Wassertemperaturen weit über 100 Grad sprachen eine eigene Sprache. «Im Nachhinein sollte man sich vielleicht mal Gedanken um gewisse Klima-Spielregeln machen», schlägt Lukas Tulovic diplomatisch vor. «Zum Beispiel ab 35 Grad zwei, drei Runden weniger und ab 40 Grad dann das Rennen auf zehn Runden kürzen.» Auch Lukas Tulovic hat, seine linke Wade ausgenommen, die Hitze gut überstanden. Sein Motorrad dürfte, wie die Maschinen der Konkurrenz, erst einmal einen großen Kundendienst nötig haben.
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