Lingg (Intact GP) applaudierte: «Spitze, auch wenn es nicht perfekt läuft»
Ausgerechnet beim Heimrennen vor vollem Haus blieb ein Podestplatz für das deutsche Moto2-Team aus. Doch der Blick auf die Gesamtwertung spricht Bände. Jürgen Lingg reiste zufrieden zurück ins Allgäu.
Wie schon in den vergangenen Jahren herrschte während des Deutschland-GP ein Ausnahmezustand rund um das einzige deutsche Grand-Prix-Team Liqui Moly Dynavolt Intact GP. Weit über 200 Gäste pilgerten zwischen Box, Strecke und Hospitality, um die Piloten der 2026er-Referenzmannschaft der Besitzer Stefan Keckeisen und Wolfgang Kuhn und Teamchef Jürgen Lingg zu bewundern.
Formell lieferten Manuel Gonzalez und Senna Agius ein fabelhaftes Wochenende, doch ein Triumph, oder gar ein Doppelschlag, wie in Jerez, blieb der Einheit aus Memmingen bei der deutschen Station auf dem Sachsenring verwehrt. Vor dem GP-Start waren die Vorzeichen erstklassig – Gonzalez hatte seine Kalex im Q2 auf Platz 2 gedrückt, vor WM-Verfolger Izan Guevara. Agius hat das wesentliche Ziel der zweiten mit Platz 5 ebenfalls erreicht. Im elften Moto2-Match des Jahres drehten sich die Vorzeichen dann um. Das Rennen gegen den Reifenverschleiß endete mit den Plätzen 4 und 6, wobei der junge Australier das bessere Resultat mitnahm.
Die Enttäuschung wich schnell einer Zufriedenheit, denn mit Blick auf die Lage in der WM war auch der Deutschland-GP ein voller Erfolg. Mit dem Sieg von Ivan Ortola, Rang 3 von Guevara und den Ausfällen von David Alonso (Aspar) und Celestino Vietti (SpeedUp) festigten die fehlerfreien Intact-Racer ihre Positionen.
Gonzalez geht mit 51,5 Punkten im Plus in die dreiwöchige Pause. Zum Vergleich: 2025 betrug das Polster auf den ersten Verfolger zur Halbzeit 25 Punkte. Aber der spätere Weltmeister Diogo Moreira lag zum Pausenpfiff damals nur auf Rang 4, hatte 60 Zähler Rückstand. Von Ausruhen kann also keine Rede sein.
Senna Agius büßte als Dritter der Tabelle drei Punkte auf Guevara ein, zugleich wurde der Abstand nach hinten zum gestürzten Alonso größer. Die Kompetenz der Struktur zeigt sich beim Blick auf die Teamwertung. Während Intact-GP vor einem permanent im Windschatten von Fantic Racing fuhr, hat man nun über 100 Punkte Vorsprung auf das zweitbeste Team, CFMOTO-Asp von Jorge Martinez.
Das Zwischenfazit von Teamchef Jürgen Lingg fällt nach dem Halbzeit-GP entsprechend mehr als positiv aus: «Wir dürfen nicht unzufrieden sein mit dem Ergebnis vom Sachsenring. Wir gehen als klare Spitzenreiter sowohl in der Fahrer- als auch in der Teamwertung in die Sommerpause. Die Plätze vier und sechs sind auf diesem Niveau der WM beachtlich – auch wenn wir uns etwas mehr erhofft hatten. Dennoch waren beide Fahrer großartig – selbst wenn nicht alles perfekt oder zu 100 Prozent nach Plan läuft, sind wir in der Lage, Spitzenergebnisse zu erzielen.»
Lingg, der im zweiten Jahr mit dem Gonzalez und Agius als Duo zusammenarbeitet, unterstrich: «Es kann nicht jedes Wochenende perfekt laufen, aber auch solche soliden Rennen sind extrem wichtig. Auch wenn beide Piloten hungrig sind und nie zufrieden, ihre Klasse zeigt sich aber auch an Wochenenden in Sachsen. Sie hätten dem Team und allen Intact-Sympathisanten gerne noch mehr geschenkt – aber sie haben am Ende alles richtig gemacht. Für das ganze Team war auch der Sachsenring ein Erfolg – mit dem alle mit einem guten Gefühl in die Pause gehen können.»
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