Dieter Braun kehrte am historischen Datum an den Sachsenring zurück
Dem Sachsenring macht Dieter Braun anlässlich des Sachsring-GP zum zigsten Mal seine Aufwartung. Am Samstag auf den Tag genau vor 55 Jahren feierte Braun seinen legendären Sieg in Ostdeutschland.
Vergesst die alten Meister nicht, möchte man rufen, wenn man beim diesjährigen Motorrad Grand Prix auf dem Sachsenring Dieter Braun wiedertrifft. Dabei ist der 11. Juli an der Kultrennstrecke bei Hohenstein-Ernstthal immer ein besonderes Datum. Am 11. Juli 1971, damals ein Rennsonntag, war es, als der Westdeutsche Dieter Braun beim Großen Preis der DDR das Rennen der 250-ccm-Klasse knapp vor den Briten Rodney Gould und Phil Read gewann. Das war aber kein gewöhnlicher Grand-Prix-Sieg, sondern wurde von verschiedenen Seiten zum Politikum aufgeblasen. So flippten zwei Lager regelrecht aus. Auf der einen Seite die eingesperrten ostdeutschen Rennfans und nicht gerade glühenden DDR-Verehrer ob des Sieges ihres «Landsmannes», nur halt von der anderen Seite des Eisernen Vorhangs, und auf der anderen Seite die Rennleitung mit verbohrten Partei-Bonzen im Rücken.
Als letztes Rennen des besagten 11. Juli 1971 stand das Rennen der Viertelliterklasse auf dem Programm. Das auf 15 Runden gleich 129,270 Kilometer angesetzte Rennen begann für Dieter Braun und seine Anhängerschaft wenig erbaulich. Aus der Startrunde kam der Trainingsdritte nur als Zehnter den Queckenberg herauf und durch die spätere Zielkurve. Dann startete er eine furiose Aufholjagd.
Nach fünf Runden lag der lange Yamaha-Pilot bereits in Schlagdistanz zu den anfangs bereits etwas enteilten Phil Read und Rodney Gould. In Runde zehn tauchte erstmals der leuchtende orange Helm von Dieter Braun an der Spitze auf, sodass die «fairen» DDR-Sportfunktionäre in Ermangelung, die westdeutsche Hymne erklingen lassen zu müssen, kalte Füße bekamen. So gaben sie dem Rennleiter Hans Zacharias die Order, den ungeliebten Westdeutschen unter dem Vorwand, am Waldausgang die weiße Streckenbegrenzungslinie überfahren zu haben, aus dem Rennen zu nehmen. Hans Zacharias spielte das schmutzige Spiel aber nicht mit, wofür er bald die Quittung bekam und seines langjährigen Amtes enthoben wurde.
Dieter Braun bekam von all dem natürlich nichts mit und fuhr das Rennen seines Lebens. So sehr sich Phil Read und Rodney Gould auch mühten, an Dieter Braun fanden sie in den verbleibenden Runden keinen Weg vorbei.
Dennoch blieb es bis zum Schluss äußerst spannend, bis schließlich Dieter Braun 0,5 Sekunden vor Rodney Gould und 1,6 Sekunden vor Phil Read über den Zielstrich donnerte und die inzwischen teilweise Fingernagel-losen Fans erlöste.
Die Westdeutsche Nationalhymne musste nun zwar gespielt werden, was allerdings nur auf dem Start- und Zielplatz, wo auch die Siegerehrung abgehalten wurde und wo die internationalen Offiziellen zugegen waren, der Fall war. An allen anderen Stellen des 8,618 Kilometer langen Kurses wurden die Lautsprecher abgestellt und dem johlenden Volk ein Defekt vorgegaukelt.
Während einige Publikationen bis heute zu berichten wissen, dass das Deutschlandlied trotz allem aus tausenden Kehlen erklungen sein soll, verweisen dies einige weniger gehörte Augenzeugen noch heute ins Bereich der Fabel. Erstens war nach der Zieldurchfahrt ein überdimensionales sichtbares Polizeiaufgebot präsent und zweitens war auch damals schon der Bevölkerungsanteil der nicht unmittelbar sichtbaren Staatsschergen beträchtlich und noch viel weniger kalkulierbar. Drittens war der DDR-Bürger in Sachen Hymne wenig textsicher und Gruppen-Karaoke noch nicht in Mode.
Wie dem auch sei, war der 11. Juli 1971 auch in Dieter Brauns Leben ein ganz besonderer Tag, der ihn zeitlebens zum Idol am Sachsenring machte und ihm bei seinen zahlreichen, fast schon regelmäßigen Besuchen zu größeren und auch kleineren Anlässen in Hohenstein-Ernstthal regelrecht gehuldigt wird.
Gegenüber SPEEDWEEK.com wiederholte er nun seine schon mehrfach so oder so ähnlich geäußerten Erinnerungen an seinen außergewöhnlichen Grand-Prix-Sieg: «Ich war nun schon so oft wieder am Sachsenring, treffe hier immer sehr viele gute alte Bekannte, aber immer und immer wieder werde ich hier auf meinen Sieg von 1971 angesprochen. Natürlich ist dieser auch für mich unvergesslich, aber so richtig bewusst wird mir das immer wieder, wenn ich an den Sachsenring komme. Das war schon eine verrückte Zeit und es ist gut so, dass sie vorbei ist. Ich habe über die vielen Jahre hier wirklich gute Freunde kennen gelernt und schöne Bekanntschaften geschlossen.»
Interessante Notiz am Rande: Am gestrigen Samstag, also auf den Tag genau 55 Jahre, nachdem für Dieter Braun am Sachsenring die bundesdeutsche Hymne gespielt wurde, gewann der kleine Erzgebirger Robin Siegert das erste von zwei Rahmenrennen des Wochenendes, jenes zum Moto4 Northern Cup souverän. Auch Lauf 2 am Sonntag im Vorfeld des Moto3-GP-Laufs ging an das Talent aus Deutschland.
Schon gesehen?
Newsletter
Motorsport-News direkt in Ihr Postfach
Verpassen Sie keine Highlights mehr: Der Speedweek Newsletter liefert Ihnen zweimal wöchentlich aktuelle Nachrichten, exklusive Kommentare und alle wichtigen Termine aus der Welt des Motorsports - direkt in Ihr E-Mail-Postfach